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Fernsehen im SWR

Kosmetik-Mythen

aus der Sendung vom Donnerstag, 10.4.2008 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, heißt es. Ein Mythos, sollte man denken. Zumindest wenn es darum geht, für sich die geeignete Kosmetik zu finden. Denn der Markt um unsere äußerliche Schönheit und um den Erhalt der Jugend ist unüberschaubar.

Bei so viel Auswahl sollte es eigentlich kein Problem sein, eine gute Kosmetik zu finden. Doch gerade das macht es schwierig. Wer als Verbraucher vor meterlangen Regalen mit Tiegeln und Töpfchen steht, hat die Qual der Wahl. Welches Produkt ist das Richtige? 

Um das herauszufinden stecken Frauen viel Geld in Cremes, Lotionen und Wässerchen. Das Glück ist perfekt, wenn sich darunter die ideale Pflege gefunden hat. Und die kommt tagein, tagaus zum Einsatz. Doch ganz plötzlich scheint die Lieblingscreme ihre Zauberkraft zu verlieren. Die Haut ist trocken, schlaff und fahl.  Was ist passiert?

 

Stimmt es, dass ... 

... Cremes ihre Wirkung verlieren, weil sich die Haut an sie gewöhnt? „Nein, das ist es an sich nicht“, sagt Professor Christiane Bayerl, Direktorin der Dermatologie in der Dr. Horst Schmidt Klinik Wiesbaden. „Aber die Umgebungsbedingungen können sich ändern: dass wir im Winter eine lipidhaltigere Creme brauchen und im Sommer eher eine Feuchtigkeitshaltige. Oder die Hautansprüche ändern sich übers Lebensalter. In der Pubertät haben wir das Problem mit fettiger Haut, im mittleren Lebensalter vielleicht eine Mischhaut und dann im reiferen Lebensalter, nach den Wechseljahren, eine extrem trockene Haut. Und das muss eine Creme ausgleichen.“ 

Der Mensch braucht Wasser. Empfohlen sind mindestens anderthalb Liter am Tag. Unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit hängen davon ab. Und auch die Schönheit der Haut. Denn dauerhafter Flüssigkeitsmangel beschleunigt die Faltenbildung, heißt es. Soweit so schlecht. Aber stimmt auch das Gegenteil?

 

Stimmt es, dass... 

... viel trinken das Austrocknen der Haut verhindern kann? Prof. Christiane Bayerl: „Viel trinken ist notwendig, um die Haut von unten her aufzupolstern, um einen entsprechenden Feuchtigkeitsgehalt im so genannten Unterhautgewebe bereitzustellen. Es nützt aber gar nichts, was die Durchfeuchtung von oben her anbelangt, also der Hornschicht. Da brauchen wir Lipide und Feuchtigkeits- und Feuchthaltefaktoren, die von außen zugeführt werden.“ 

Bin ich schön? Auch immer mehr Männer stellen sich dieser Frage. Die Kosmetikbranche freut es, denn Männerkosmetik ist eine Goldgrube. Umsatz weltweit: rund dreieinhalb Milliarden Euro pro Jahr. Doch wozu spezielle Männerprodukte? Es ist aber anscheinend mehr als ein Werbe-Gag. Männerhaut ist tatsächlich anders. Großporiger und fettiger als die von Frauen. Sie neigt stärker zu Unreinheiten und ist außerdem gut 20 Prozent dicker. Aber:

 

Stimmt es auch, dass... 

...Männer viel später Falten bekommen? „Das ist so“, bestätigt die Dermatologin Christiane Bayerl. „Männer bekommen später Falten. Das hängt mit dem langsamen, sehr langsamen Absinken ihres Hormonspiegels zusammen. Bei uns Frauen sinkt der Hormonspiegel nach den Wechseljahren dramatisch ab. Und entsprechend folgt die Faltenbildung auch auffällig für die Umwelt dem Absinken des Hormonspiegels. Männer haben da wesentlich mehr Zeit.“ 

Doch nicht nur Falten, auch Orangenhaut - oder Cellulite - ist der Schrecken vieler Frauen. Die Dellen bilden sich vorwiegend an Oberarmen, Hüfte und Oberschenkel. Übergewicht macht alles noch schlimmer. Dennoch: Cellulite ist keine Krankheit - auch wenn die Industrie schwere Marketing-Geschütze dagegen auffährt. Aber sie passen nun mal nicht ins Bild der makellosen Schönheit, auf die wir getrimmt sind. Ungeachtet der Tatsache, dass Frauenbeine wohl nie anders ausgesehen haben. So finden die Anti-Cellulite-Produkte denn auch eifrig Abnehmerinnen. Dabei: ob Hormone oder Gene, die Ursachen sind nur vage erforscht. Nicht alle Frauenbeine sind nämlich gleich. In anderen Völkern scheint Orangenhaut gar kein Thema.

 

Stimmt es, dass ... 

Asiatinnen kaum Cellulite bekommen? „Asiatinnen, das ist von der Hautalterung her an der Gesichtshaut bekannt, altern langsamer als Europäerinnen und holen ihren Alterungsprozess erst Mitte des 40sten Lebensjahres nach. Also eine Asiatin sieht mit 40 Jahren jünger aus als eine Europäerin mit 40 Jahren. Und da dieses jüngere Aussehen mit dem Kollagenstoffwechsel zusammenhängt, ist es vorstellbar, dass auch in der Hüftregion die Cellulite schwächer ausgeprägt ist“, vermutet Prof. Bayerl. 

Anti-aging Kosmetik aus der Natur liegt voll im Trend. Extrakte aus Aprikose, Traubenkernen oder Algen, Pflanzenwasser aus Ingwer oder weißem Tee. Die gemeinsame Zauberwaffe dieser Substanzen heißt Radikalfänger. Seit Jahren untersuchen Wissenschaftler ihre Wirkung als Faltenkiller. Zu Testzwecken werden Versuchspersonen täglich damit eingecremt. Über sechs Wochen wird der Fett- und Feuchtigkeitsgehalt der Haut gemessen, außerdem Elastizität und Faltentiefe bestimmt. Und?

 

Stimmt es, dass ... 

... Radikalfänger Faltenbildung verhindern? Prof. Christiane Bayerl: „Radikalfänger sind spannende Substanzen, die einen Teil der negativen Effekte der UV-Strahlung auf die Haut neutralisieren und abfangen können. Sie können also durchaus einen Teil der Faltenbildung verhindern oder Faltenbildung reduzieren. Und Radikalfänger können von außen in Cremeform oder über die Ernährung zugeführt werden.“ 

UV-Strahlung ist der Hautalterungsfaktor Nummer eins. Das ist kein Mythos. Und es stimmt auch, dass wir sie mit dem richtigen Sonnenschutz genießen können - ohne schnell alt auszusehen.

 

Andrea Wengel

Letzte Änderung am: 09.04.2008, 16.17 Uhr