Direktmarketing am PatientenWie uns die Pharmaindustrie manipuliert
Lange Zeit haben Pharmaunternehmen vor allem Ärzte und medizinische Meinungsführer umgarnt, diese zu Kongressen eingeladen, ihnen Abendessen bezahlt und sie großzügig mit Geschenken bedacht. Nun haben die Arzneimittelhersteller das Direktmarketing am Endverbraucher entdeckt.
Sie sponsern Selbsthilfegruppen, richten ihnen eigene Homepages ein und beauftragen PR-Agenturen, um den direkten Kontakt zum Patienten herstellen zu können. Der Aufwand lohnt sich, denn wenn Patienten erst einmal von ihrer Selbsthilfe-Organisation von einem Medikament überzeugt wurden, fordern sie es meistens von ihren Ärzten und die Umsätze der betreffenden Unternehmen gehen nach oben. Odysso zeigt, wie die Arzneimittelhersteller Patienten manipulieren und die Selbsthilfegruppen dabei ihre Glaubwürdigkeit verspielen.
Das Wartezimmer: Ein unscheinbarer Werberaum der Pharmaindustrie. Unter all die bunten Illustrierten, die zum Schmökern einladen, lauert manch klare Werbebotschaft. Mit diesem bunten Hintergrund-Wissen ist man den Arztbesuch gerüstet – oder etwa nicht? [mehr zu: Der eingeredete Kranke]
Pharmavertreter laden Ärzte zu Kongressen ein und bezahlen Übernachtungen in noblen Hotels - sie sollen damit ihre Medikamente an die Patienten bringen. Damit nicht genug. Inzwischen werden gezielt Selbsthilfegruppen gesponsert. [mehr zu: Pharmasponsoring von Selbsthilfegruppen]
Zehntausende Ärzte beteiligen sich jedes Jahr an sogenannten Anwendungsbeobachtungen. Das sind Untersuchungen der Pharmaindustrie zu Medikamenten, die bereits zugelassen sind. Geht es dabei nur um Forschung? [mehr zu: Scheinforscher]
Patienten verbinden ihre Chance zu Überleben meist mit neuen Medikamenten. Großen Würfe in der Pharmaforschung sind jedoch in den vergangenen Jahren ausgeblieben: Von den 27 Neuzulassungen 2006 in Deutschland waren nur 16 tatsächliche Innovationen. [mehr zu: Flaute in der Pharmaforschung]