aus der Sendung vom Donnerstag, 23.7.2009 | 22.15 Uhr | SWR Fernsehen
Ein Handgriff ins Gefrierfach – fertig ist das Mittagessen. In vielen deutschen Haushalten ist das fast schon normal geworden. Oft bleibt für die Essenszubereitung wenig Zeit. Die Rettung heißt dann "Fertigprodukte". Die sind schnell und einfach zuzubereiten.
Kinder wollen Pommes
In Familien mit Kindern bestimmen oft die Kleinen was auf den Tisch kommt. Bestimmten Lebensmitteln - wie etwa frischem Gemüse - verweigern sie sich schlichtweg. Für die Eltern haben Mahlzeiten aus der Tüte daher einen weiteren Vorteil: An panierten Hähnchenschnitzeln mit Pommes Frites oder Tiefkühlpizza wird wenig herumgemäkelt. "Dass dieses Essverhalten nicht wirklich gesund ist, ist den Meisten klar", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Sonja Mannhardt , "doch es ist relativ schwierig, die Regeln der gesunden Ernährung umzusetzen."
Gesünder lohnt sich
Gesunde, ausgewogene Ernährung sei sehr komplex, sagt Sonja Mannhardt: Einkaufen, Vorrat halten, Mahlzeiten zusammenstellen, fettarm Kochen. Viele würden sich daher nicht die Zeit nehmen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Doch schon mit einigen kleinen Veränderungen könne viel erreicht werden. Die Auseinandersetzung mit gesunder Ernährung lohne sich, sagt sie. Dass man etwa für gesunde Kost automatisch länger in der Küche stehen müsse, wie viele glauben, stimme nicht. Genauso wenig müsse dafür tiefer in die Tasche gegriffen werden, so die Ernährungsexpertin: "Fälschlicherweise wird angenommen, dass frische Ware sehr teuer ist. Das muss nicht zwingender Maßen der Fall sein. Häufig ist es so, dass Fertigprodukte wesentlich mehr kosten."
Fallen im Supermarkt
Dennoch: Für Viele gleicht der Supermarkt einem Labyrinth aus Versuchungen. Bei der großen Auswahl an Produkten ist es schwer, gesund von ungesund zu unterscheiden weiß Sonja Mannhardt: "Es gibt drei große Fallen: einmal im Frühstückscerealien-Bereich, wo die Zuckermassen sehr groß sind. Dann bei den Milchprodukten. Früchtejoghurts haben zum Beispiel oft einen hohen Fett- oder Zuckergehalt. Und das Dritte sind die Fertiggerichte mit Soßenvarianten, die auch sehr viel Fett enthalten."
Richtig Einkaufen
Wie gut, dass es Alternativen gibt. Die Ernährungswissenschaftlerin gibt einen kleinen Crashkurs in Sachen Einkaufen:
Eine Auswahl von Obst und Gemüse nach den Ampelfarben garantiert eine optimale Versorgung mit Nährstoffen und Vitaminen.
Reife Saisonware - am besten Bio - hat die beste Qualität.
Wenn es schnell gehen muss, ist unbearbeitetes Tiefkühlgemüse eine gute Alternative.
Eine gesunde Frühstücksvariante sind zum Beispiel Haferflocken mit Naturjoghurt und Obst.
Um zu viel Fett und Zucker zu vermeiden, lohnt sich der Blick auf die Zutatenliste: Zucker (ver)steckt (sich) zum Beispiel hinter Wortendungen wie "-ose", "-dextrin" und "-sirup".
Greifen Sie zu fettarmen Milchprodukten und Vollkorn.
Statt des panierten Schnitzels aus der Tiefkühltruhe sollte es lieber das Stück Fleisch von der Frischetheke sein - fragen Sie nach fettarmen Varianten.
Für Familien mit Kindern noch einige andere Ratschläge:
Bleiben Sie konsequent, wenn Sie bestimmte Dinge nicht kaufen möchten und lassen Sie sich nicht erpressen.
Geben Sie Ihrem Kind etwas zu essen und zu trinken in die Hand, dann ist es beschäftigt und quengelt nicht.
Lassen Sie die Kinder mit einkaufen, indem sie den Wagen schieben oder bestimmte Produkte, die im Haushalt benötigt werden, suchen können.
Am Süßigkeitenregal darf sich jedes Kind einen Artikel aussuchen.
Machen Sie Großeinkäufe lieber alleine.
Richtig Kochen
Allerdings: Selbst wenn die "richtigen" Lebensmittel im Haus sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch richtig zubereitet werden. Viele wüssten gar nicht mehr, wie man kocht, sagt Sonja Mannhardt, und gibt einige Tipps:
Morgens, mittags und abends sollte ein vielfältiges Angebot unterschiedlicher Lebensmittelgruppen auf dem Tisch stehen.
Gemüse sollte nur kurz gewaschen, und erst im Anschluss und direkt vor dem Kochen zerkleinert werden.
Um die Vitamine der frischen Zutaten zu erhalten, sollte das Gemüse am Besten schonend in einem Dampfeinsatz zubereitet werden - dabei sollte der Deckel immer geschlossen bleiben.
Mit einigen frischen Kräutern schmecken viele Gerichte gleich viel besser.
Statt Fertigsoßen zu verwenden, kann zum Beispiel aus einer Gemüsebrühe eine leckere Soße zubereitet werden.
Braten Sie Fleisch möglichst heiß an, damit sich die Poren schließen und kein zusätzliches Fett ins Fleisch eindringt.
Verwenden Sie wenig oder gar kein Fett bei der Zubereitung.
Kochen Sie auf Vorrat: Pürierte Gemüsesuppen lassen sich problemlos einfrieren und eine Salatsoße aus je zwei Esslöffel Öl, Wasser und Joghurt auf einen Esslöffel Essig hält sich fertig gemischt in einem Schraubglas mehrere Tage im Kühlschrank.
Tipps für Familien mit Kindern:
Je mehr die Kinder ins Kochen und Tisch decken mit einbezogen werden, umso weniger werden sie das, was auf den Tisch kommt, ablehnen.
Obst und Gemüse schmeckt Kindern auch als Rohkost und kann zum Beispiel zusammen mit dem bisherigen Frühstück und Abendbrot auf den Tisch gestellt werden.
Wenn es unbedingt Pommes Frites sein sollen, können die auch schnell aus frischen Kartoffeln zubereitet werden und enthalten dann weniger Fett als die Pommes aus der Tüte.
Ein Pizzateig ist schnell gemacht und kann von den Kindern selbst belegt werden - allerdings nicht mit Salami und fettem Käse, sondern zum Beispiel mit Tomaten, Champignons, Dosenmais und magerem Schinken.
Lena Ganschow
Letzte Änderung am: 19.12.2007, 16.04 Uhr