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Fernsehen im SWR

Astronautinnen Frauen erobern das All

aus der Sendung vom Donnerstag, 4.10.2007 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Astronautinnen - wenn sie ins All fliegen, geht ihr Lachen um die Welt. Bei Presskonferenzen sind sie für Interviews gefragter als ihre männlichen Kollegen, bei Missionen der Blickfang auf den Gruppenfotos. Aus Prestige-Gründen war aber nur eine im All: Valentina Tereschkowa.

Nach dem ersten Tier und dem ersten Mann beförderte Russland auch die erste Frau ins All. Die Fabrikarbeiterin war Wunschkandidatin von Präsident Chruschtschow. Ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse und nach nur acht Monaten Training startete sie am 16. Juni 1963. Im Raumschiff Wostok 6 kreiste sie drei Tage lang um die Erde. Ein Erlebnis, von dem Tereschkowa gerne berichtet: "Als die Rakete endlich abhob, rief ich: 'Haltet euch fest, es geht los!' Sofort brüllte mir jemand ins Ohr: 'Hast Du denn die Vorschrift vergessen? Sofort Ruhe im Cockpit!'" Chefkonstrukteur Sergej Koroljow soll nach dem Flug gesagt haben: "Mir kommen keine Weiber mehr ins All."


1983 - die erste NASA Astronautin

Die nächste Russin war erst 19 Jahre später auf Mission - bis zur ersten Amerikanerin dauerte es nach Tereschkowa sogar 20 Jahre. 1983 legte auch die NASA das Motto "Raumfahrt gleich Männersache" ab: Sally Ride war als Flugingenieurin neben Kommandant und Pilot das wichtigste Mitglied der Crew. Der Anteil der Astronautinnen nahm seit den 80er Jahren zu. Mitunter deshalb, weil Frauen Naturwissenschaften und Technik für sich entdeckt haben. Mehr als 40 flogen bisher ins All: Mathematikerinnen, Ingenieurinnen, Physikerinnen.

Die erste europäische Wissenschaftlerin im All war die Medizinerin Claudie Haigneré. 1996 untersuchte sie auf der "MIR", wie sich Körper und Orientierung in der Schwerelosigkeit verändern. Die Erfahrung aus realen Missionen, wie speziell der weibliche Körper auf Schwerelosigkeit reagiert, ist sehr gering. Nach bisherigen Erkenntnissen der Europäischen Weltraumbehörde ESA ist der einzig auffällige Unterschied zu Männern, dass es Frauen nach Kurz-Aufenthalten im All häufiger schwindelig wird, wenn sie nach dem Liegen oder Sitzen aufstehen.


Astronautinnen werden ernst genommen

Dass Astronautinnen mittlerweile ernst genommen werden, zeigt auch die Forschung am Boden. 2005 bat die ESA erstmals Frauen zur so genannten Bettruhe-Studie: 24 Freiwillige verbrachten 60 Tage im Bett, den Kopf in einer leichten Tieflage. Ein Zustand, welcher der Schwerelosigkeit sehr nahe kommt. Das Ergebnis: Frauen weisen einen hohen Verlust an Knochendichte auf. Auch die Muskelkraft lässt bei Frauen schneller nach als bei Männern. Darüber hinaus kann ihr Zyklus durcheinanderkommen. Das muss kein Nachteil sein, erfordert aber eine andere Vorbereitung. Zur Zeit basiert der Großteil medizinischer Maßnahmen auf Datenerhebungen mit Männern.

Interessant sind die Ergebnisse besonders für Langzeit-Missionen. In diesem Jahr stellte Sunita Williams mit 195 Tagen einen neuen weiblichen Rekord auf. Wer mental stärker ist oder besser mit Isolation zurecht kommt, hängt mehr vom Individuum als vom Geschlecht ab. Je länger aber eine Mission dauert, desto wichtiger werden auch soziale Fähigkeiten. Diese Erfahrung hat auch Claudie Haigneré gemacht: "Als weibliche Astronauten können wir etwas ganz Wichtiges zu den Missionen beitragen. Und zwar nicht nur mit unserer wissenschaftlichen Arbeit. Es geht auch um Lebensqualität. Eine gemischte Crew ist doch etwas ganz anderes, als wenn dort oben nur Kerle arbeiten."


Vorteile bei gemischten Crews

Nach bisheriger Erfahrung überwiegen die Vorteile gemischter Crews. Frauen übernehmen dabei oft den kooperativen, konfliktlösenden Teil. Als Crewmitglieder sind sie akzeptiert. Nicht zuletzt, weil sie - wie Männer - für die Raumfahrt ihr Leben riskieren: Beim Absturz der Columbia 2003 kamen zwei Astronautinnen ums Leben. Eileen Collins, Kampfjetpilotin und 1. Kommandantin einer Weltraumflotte, ist stolz darauf, Teil der ersten Mission nach dem Columbia-Unglück gewesen zu sein. Sie brachte 2005 die Discovery-Crew wieder sicher zur Erde, und gab der Welt ein Stück Begeisterung für die Raumfahrt zurück.

Frauen zum Mars! 2030 könnte es soweit sein. Bis zu drei Jahre soll die bemannte Mission dauern. Eine große Herausforderung für Mann und Frau, die gemeinsam vielleicht besser zu bestehen ist.

Susan Christely

Letzte Änderung am: 04.10.2007, 09.36 Uhr

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