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Fernsehen im SWR

Vitamine in Gemüse Wettkampf der Vitaminbomben

aus der Sendung vom Donnerstag, 20.9.2007 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Wenn wir das Bedürfnis nach etwas richtig Frischem und Gesundem haben, dann machen wir uns einen Salat. Denn mit Salat verbindet man Vitamine, Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe - also alles, was die Experten seit Jahren für gesunde Lebensmittel fordern. Doch das soll jetzt alles nicht mehr stimmen. Vielmehr soll Salat gerade einmal so nahrhaft sein wie ein Papiertaschentuch und ein Glas Wasser. Wir wollten wissen, was an dieser Behauptung dran ist.

"Wenn man sich den Salat hinsichtlich seiner Zusammensetzung bei Vitaminen und Ballaststoffen mal genauer anschaut, und dann vergleicht mit anderem Gemüse, dann schneidet er zunächst nicht so gut ab", gibt der Ernährungswissenschaftler Professor Gerhard Rechkemmer zu. Bitter aber wahr. Ließe man den Salatkopf in der Disziplin "Vitamin C“ gegen Paprika, Weißkohl, Grünkohl und Tomaten antreten, wäre er der Erste, der schlapp macht. Gerade einmal 16 Milligramm Vitamin C bringt der Salat im Schnitt pro 100 Gramm auf die Waage. Tomaten haben das Doppelte, Weißkohl die dreifache Menge. Und Paprika schafft es sogar auf 140 Milligramm.


Grünkohl hat die Nase vorn

Bei dem für die Augen und das Immunsystem wichtigen Beta-Carotin sieht es nicht viel besser aus. 240 Mikrogramm des Vitamins bietet der Salat, Paprika und Tomaten schaffen das Doppelte. Und der winterfeste Grünkohl wartet gleich mit der 20fachen Menge auf. Nur der Weißkohl hat hier mit 70 Mikrogramm weniger zu bieten als der Salat. Und wie sieht es mit den Ballaststoffen aus? Hier schneiden zwar die Tomaten mit 0,9 Gramm am schlechtesten ab, doch der Salat ist mit seinen 1,6 Gramm auch nicht viel besser. Paprika und Grünkohl schaffen Werte um vier Gramm.

Bei einer Siegerehrung in diesem "Gesundheitsdreikampf" jedenfalls käme der Salat in dem Fünfer-Feld nicht auf das Siegertreppchen. Vielmehr würde er mit Abstand auf dem letzten Platz landen - hinter dem Weißkohl und der Paprika. Unangefochten an der Spitze läge dagegen der Grünkohl. Schon macht das Stichwort von der "Salatlüge" die Runde. Doch Vorsicht! Keine voreiligen Schlüsse ziehen. Denn Prof. Rechkemmer relativiert: "Grünkohl ist allerdings kein Gemüse das als Rohkost gegessen wird. Sondern er wird gekocht, und durch das Kochen verliert er wiederum einige dieser Inhaltsstoffe."


Die Unterversorgung mit Folsäure ist problematisch

Außerdem sei die Versorgung mit Vitaminen in Deutschland insgesamt so gut, dass man sich darum eigentlich gar keine Gedanken zu machen bräuchte. Mit einer Ausnahme, sagt der Ernährungsexperte: "Folsäure ist eines der Vitamine, wo es in bestimmten Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel bei jungen Frauen, eine Unterversorgung gibt in Deutschland. Ausgerechnet bei Folsäure kann der Salat mit relativ hohen Werten glänzen. Und so kann der Salat sehr gut zur Versorgung mit diesem Vitamin beitragen."

Und noch einen Grund gibt es, das grüne Blattgemüse zu essen: Kaum ein Nahrungsmittel bietet pro Volumen so wenig Kalorien. Konkret: macht den Magen voll, aber nicht dick. Für Figurbewusste ist Salat also die optimale Ernährung. Noch eine Bemerkung zum Schluss: Blattsalat ist ein zweidimensionales Gemüse, besteht also praktisch nur aus viel Oberfläche. Und an der haften im Ernstfall die Rückstände von Spritzmitteln. Eine mehrjährige Untersuchung hat gezeigt, dass Blattsalate aus konventionellem Anbau zum Teil erheblich belastet waren, die Gemüse mit dem Biosiegel dagegen praktisch keine Spritzmittelrückstände aufwiesen.

Frank Wittig

Letzte Änderung am: 20.09.2007, 00.47 Uhr