aus der Sendung vom Donnerstag, 3.5.2007 | 22.15 Uhr | SWR Fernsehen
Die meisten Kinder mögen keinen Fisch - bis auf eine Ausnahme, die man so in keinem Meer findet, und die auch gar nicht mehr an Fisch erinnert: das Fischstäbchen nämlich. Wie es dazu kommen konnte, erzählt unserer Zeitreise.

Die 1920er Jahre
Fischer haben seit Jahrhunderten ein großes Problem: der Fang muss schnell in den Hafen, sonst verderben die Fische ungekühlt noch in der Kiste. 1920 besuchte der Amerikaner Clarence Birdseye Eskimo -Völker in Nordkanada. Er gilt seither als der Erfinder der Tiefkühlkost. Von den Eskimo schaut er sich ab, wie sie Fischfilets schockgefrieren, um sie wochenlang frisch zu halten. Ab 1929 machte Birdseye in den USA ein Vermögen mit Tiefkühlkost: zuerst mit Gemüse, später auch mit Fisch.
Die 1950er Jahre
Anfang der 50er Jahre gibt es zwar in der Nordsee noch genügend Fisch, vor allem Heringe und Kabeljau, doch viele Kinder mögen bekanntlich keinen Fisch. So kamen 1955 die Mitarbeiter der Firma "Birds Eye" in England auf die Idee, tiefgekühlte Fischfilets in Stäbchenform mit Brotteig zu ummanteln. Das Fischstäbchen war geboren. Wenige Jahre später werden diese Stäbchen auch in Deutschland zum Renner bei Kindern.
Die 1960er Jahre
Mit Kabeljau aus der Nordsee beginnt in den 60er Jahren der Siegeszug der Fischstäbchen. Sie erobern die Küchen, und die Fabrikschiffe erobern auf See immer größere Fanggründe. Es ist die Zeit der "Freiheit der Meere". Überall wird gefischt - vor Island, Grönland und Neufundland, ohne Rücksicht auf die Fischbestände.
Die 1970er Jahre
In den 70er Jahren grasen riesige Fischereiflotten die Weltmeere ab. Die DDR unterhält gar die größte Fischfangflotte der Welt. Gewaltige Fabrikschiffe, wie die "Bertolt Brecht", verarbeiten bis zu 100 Tonnen Fisch am Tag. Kabeljau, Rotbarsch und Seelachs werden gleich unter Deck ausgegrätet und filetiert. Heraus kommen am Schluss Filetblöcke für die Fischstäbchenproduktion an Land.
Seit 1974 schippert der berühmte "Käpt'n Iglo" über die Bildschirme. Fischstäbchen werden damit immer beliebter. Doch immer entferntere Fanggründe werden für die beliebten Stäbchen angesteuert. An Land geht es bei der Produktion vollautomatisch zu: die auf See hergestellten Filetblöcke werden zersägt, paniert, kurz frittiert und wieder tiefgefroren.
1982
Doch bald ändern sich die Zeiten. 1982 ist Schluss: die UN-Seerechtskonvention verbietet wildes Fischen, Verträge müssen geschlossen werden. Fischbestände sollen künftig mit Fangquoten langfristig geschützt werden.
Doch für den Kabeljau kommt wohl die Hilfe zu spät. Hunderte Jahre diente er zur Produktion von Lebertran und Fischstäbchen. Inzwischen ist sein Fortbestand bedroht. Nur ein Fangverbot könnte ihn noch retten.
Letzte Änderung am: 09.07.2007, 15.32 Uhr