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Fernsehen im SWR

Vom Hunger zur Diät Zeitreise: Der Diätenkrieg

aus der Sendung vom Donnerstag, 5.4.2007 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Dicke und dünne Menschen gab es schon immer. Dünn waren allerdings in der Regel die Armen. Dicke dagegen waren wohlhabend und dachten Jahrhunderte lang nicht daran, das durch Diät zu verändern. Doch durch die Einführung des Normkörpers änderte sich vor über einhundertdreißig Jahren in der Einschätzung dieses Themas etwas ganz grundsätzlich: Der Startschuss zum nimmer endenden Diätenkrieg war gefallen.

1870

1870 legte der französische Arzt Paul Broca fest, was das richtige Gewicht ist: "Körpergröße minus 100 ist das Normalgewicht," sagte er. "Wer dann noch mal 10 Prozent abnimmt, hat das Idealgewicht!"

Die 1950er Jahre

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg lagen viele Deutsche deutlich mehr als zehn Prozent unter dem Normalgewicht. Entbehrung und Hunger waren in vielen Familien für Jahre Normalität.

1961

Doch in der Zeit des Wirtschaftswunders, als es wieder aufwärts ging mit Deutschland und die Fleischtheken wieder gefüllt waren, war die Verlockung groß. Eine Fresswelle schwappte über Deutschland. Wer es sich leisten konnte, schlemmte sogar Exotisches. In einem Fernsehinterview aus dem Jahr 1961 erklärt ein etwas zu wohlgenährter junger Mann: "Also ich habe den Bär probiert, ich habe auch den Jaguar probiert und ich werde auch den Puma probieren. Und ich muss sagen, es hat mir bisher alles sehr gut geschmeckt."

Die Fressewelle blieb nicht ohne Konsequenzen: Deutschland ging aus dem Leim. Also wurde dem Speck der Kampf angesagt. Es kam zu einer erste Blütezeit von sportlichen Einrichtungen, die den heutigen Fitnessstudios ähnelten. Und während die Deutschen mit ihren Pfunden rangen, wurde das Schönheitsideal immer dünner. Bis hin zu dem magersüchtigen Model Twiggy.

Die späten 1960er Jahre

Erst da - in der zweiten Hälfte der Sechziger - brach die große Ära der Diäten an und bald war das Angebot kaum mehr zu überblicken, und Werbung für Schlankheitsprodukte füllte in Modezeitschriften ganze Doppelseiten. Angepriesen wurde die Punkt-Diät, die Hollywood-Diät, ja sogar die Pralinendiät.

Ende der 60er gab selbst die Bundesregierung ein Diäthandbuch heraus. Mit Gewichtsempfehlungen bis auf die Stelle hinter dem Komma. Doch die Diäten funktionierten nicht. Damals wie heute. Die Dicken werden immer wieder dick. Aber vielleicht ist ja gerade dies das Geniale daran. So bleiben Diättipps langfristig interessant und locken immer wieder Leser und Zuschauer: Das wussten auch schon Fernsehmoderatoren aus den späten 60ern, wie diese "Verabschiedung" beweist: "Und wie sie aussieht, diese berechnete Kost, die nicht nur gesund ist, sondern auch gut schmeckt, das verraten wir Ihnen in der nächsten Sendung."

Frank Wittig

Letzte Änderung am: 10.07.2007, 11.41 Uhr

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