aus der Sendung vom Donnerstag, 22.3.2007 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Viele Allergiker hoffen darauf, dass ihr Leiden von alleine wieder vergeht. Das kommt auch tatsächlich vor, ist aber leider sehr selten. Besser ist es, aktiv eine Therapie anzugehen. König Richard III von England hatte im 15. Jahrhundert diese Möglichkeit noch nicht. Er litt angeblich an einer Erdbeerallergie. Doch er wusste sein Leiden zu nutzen - und zwar immer dann, wenn er einen der Lords in seinem Umfeld loswerden wollte. Die Überlieferung besagt, dass er dann eine paar Früchte aß und danach seinen Arm zeigte, der mit Ausschlag übersät war. Damit war schnell der Beweis für einen "Mordversuch" gefunden. Mehr Historisches in unserer Zeitreise:

Die Antike
Schon in der Antike waren Allergien bekannt: Von Britannicus, dem Sohn des römischen Kaisers Claudius, wird berichtet, dass er regelmäßig mit Ausschlag und Hautrötungen vom Reitunterricht nach Hause kam. Er hatte offenbar eine Pferdeallergie.
Die Krankheit der Begüterten
Um 1850 erforscht der Londoner Arzt John Bostock die Überempfindlichkeit gegen Pollen. Vom unangenehmen Nies- und Juckreiz sind damals fast nur Begüterte betroffen. Bostock sieht in Heuschnupfen eine Krankheit "des gehobenen Lebensstils". An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert: Allergien sind direkt verbunden mit einem "westlich industriellen Lebensstil".
1900
Eine frühe Blüte erlebt die immunologische Forschung in Wien um 1900. An der Universitäts-Kinderklinik beschäftigt sich Clemens von Pirquet mit überschießenden Reaktionen des Immunsystems. 1906 prägt Clemens von Pirquet den Begriff "Allergie" und entwickelt Testmethoden, um Allergieauslöser zu prüfen. Daraus geht der noch heute gebräuchliche "Prick-Test" hervor, bei dem die Empfindlichkeit für allergene Substanzen an angeritzten Hautstellen getestet werden. Allergie ist Anfang des 20. Jahrhunderts allerdings noch kein Massenphänomen. Aus der Untersuchung von Rekruten ist bekannt: weniger als ein Prozent von ihnen leiden an Allergien.
Berufsbedingte Allergien werden Thema
In den 50ern und 60ern steigt die Allergierate auf fünf bis sechs Prozent. Atemtests etablieren sich für Allergiker und Asthmatiker. Und erstmals kommt Cortison zum Einsatz. Das als unbedenklich geltende Medikament wird in hohen Dosen verschrieben. Berufsbedingte Kontaktallergien werden zum Thema. Ein Magazinbeitrag aus dem Jahr 1966 zeugt davon. Der Originaltext kommentiert eine Besprechung zwischen Arzt und Patient: " Der Mann ist Bauarbeiter aus Italien. Der Mann kommt mit Hautausschlägen an die dermatologische Klinik. Aufgabe des Arztes ist es nun, herauszufinden, welcher Stoff den Ausschlag, d. h. die Allergie ausgelöst hat. Dazu tränkt man eine Reihe von kleinen Läppchen mit den infrage kommenden Stoffen und klebt sie den Patienten auf den Rücken. Es genügen winzige Spuren von an sich nicht giftigen Stoffen, um bei dafür empfindlichen Menschen eine Allergie auszulösen." Und etwas später: "Hier ist wieder unser Italienischer Gastarbeiter. 24 Stunden sind seit dem Aufkleben vergangen. Der Arzt erkennt positive Reaktionen. Der Arzt kann diesem Maurer nur zu einem Berufswechsel raten."
Die 1980er Jahre
In den 80ern werden Umweltverschmutzung und Zivilisationsgifte für den Anstieg der Allergien verantwortlich gemacht. In dem appellativen Sprechertext eines Beitrages, mit einem Protagonisten unter einer Glasglocke in einem Park, schwingt deutlich die damals übliche Zivilisationskritik mit: "Zauberwort Fortschritt. Magisch fixiert auf seine Attribute: auf Eleganz, Technik und Rasanz, haben wir die Rechnung dafür vergessen. Für einige Menschen sind die Segnungen des 20. Jahrhunderts schon jetzt ein fauler Zauber und sie zahlen dafür einen hohen Preis. Doch die Nachteile des Fortschritts lauern überall. Für diesen Mann zum Beispiel in der Luft. Und in Produkten, die selbstverständlich sind in den modernen 80ern. Im Putzmittel für seine Brille, das seine Augen rötet. Wandfarben haben seinen ersten Allergieschub ausgelöst. Wandsprays und Lacke sind für ihn, den Allergiker, Alpträume am helllichten Tag."
Heuschnupfen und Gentechnik
Nach dem Jahrtausendwechsel gelten in den Industrieländern schon 30 Prozent der Bevölkerung als Allergiker. Jetzt schickt sich die Gentechnik an, das Problem zu lösen. In Holland gelingt es erstmals, eine Apfelsorte zu konstruieren, die nicht allergen ist. Ebenfalls gentechnisch optimiert wird im Jahr 2006 die erste hypoallergene Katze vorgestellt. Preis: etwa 3.900 Dollar.
Letzte Änderung am: 10.07.2007, 12.27 Uhr