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Fernsehen im SWR

Vom Knochenjob zur Massenerzeugung Zeitreise: Weinbautrends

aus der Sendung vom Donnerstag, 5.10.2006 | 22.01 Uhr | SWR Fernsehen

Auf historischen Aufnahmen wirkt eine Weinlese im Jahre 1920 idyllisch und beschaulich. Im Grunde war sie aber ein Knochenjob. Eine Alternative zur langwierigen Handarbeit gab es nicht. Auch noch moderat in Tempo und Dosierung: die Schädlingsbekämpfung, bei der sich in den dreißiger Jahren allmählich modernere Maschinen durchsetzten.

1950er: Auf dem Weg zum modernen Massenweinbau

Dann in den fünfziger Jahren das Wirtschaftswunder: Die junge Demokratie war auf dem Weg zum modernen Massenweinbau. Was dabei so an Spritzmitteln auf die Reben niederprasselte, interessierte keinen. Andere Gefahren der Massenerzeugung wurden dagegen durchaus erkannt. So warnte der ehemalige Rheinland-Pfälzische Weinbauminister Oskar Stübinger: "Wir müssen vor allen Dingen auch erkennen, dass mit dem Kommen der europäischen Marktwirtschaft der Weinbau sich auf die traditionellen Weinlagen zurückziehen wird und muss. Und ich halte es für verkehrt, wenn heute einer glaubt, obwohl wir jetzt im Augenblick eine gewisse Freiheit haben auf diesem Gebiet, er könnte überall Weinberge anlegen."

1960er: Blindflug Richtung Billigwein

Doch in den sechziger Jahren machte die Technik machte selbst in Steillagen unaufhaltsam Fortschritte. Natürlich begrüßten auch Qualitätswinzer Innovationen wie den Steilhangschlepper - so blieb auch Wein aus schwierigen Lagen bezahlbar. Doch in den technikverliebten Sechzigern wurde die Arbeitsrationalisierung zum Selbstläufer. Und damit war der Blindflug mancher Region in Richtung Billigweinimage nicht mehr zu stoppen.

Die 1970er: Ein neues Weingesetz

Ein neues Weingesetz löste Anfang der siebziger Jahre das alte Weingesetz aus dem Jahre 1930 ab. Mit klaren Qualitätsstufen sollte das Gesetz in den Siebzigern zu einem neuen Aufbruch führen. Doch verbunden mit großen Flurbereinigungen war am Ende wenig gewonnen: Großlagen konnten immer einfacher bestellt werden, der Preis für Fasswein sank.

Die 1980er: Besinnung auf Qualität und Handarbeit

Doch der Gegentrend kam: Ökowinzer begannen mit Biospritzmittel und Diskussionsfreude ihre Vorstellung vom anderen Weinbau umzusetzen. Ökowein blieb zwar ein Nischenprodukt, doch junge Winzer setzten in den Achtzigern wieder verstärkt auf Qualität und Handarbeit. Image und Aussichten für den deutschen Wein wurden langfristig besser: Das Umdenken trägt bis heute Früchte.

Oliver Wittkowski

Letzte Änderung am: 11.05.2011, 19.09 Uhr