aus der Sendung vom Donnerstag, 28.9.2006 | 22.01 Uhr | SWR Fernsehen
Eine Zeitreise zum Thema Vertrauen? Woher soll man denn "handfeste" Daten bekommen, die belegen, wie vertrauensvoll die Menschen zu welcher Zeit waren? Die Recherche bei Sozialpsychologen und Historikern brachte keine brauchbaren Ergebnisse. Doch dann stießen wir auf das Allensbach-Institut für Meinungsumfragen. Ein Glücksfall für unsere Serie "Zeitreise". Und zum Teil überraschende Einblicke in die "Volksseele".

Im Nachkriegsdeutschland herrschte eine gedrückte Stimmung: Kriegserfahrungen und wirtschaftliche Not prägten die Menschen. Geschäfte am Rande der Legalität und die Angst, entdeckt zu werden, gehörten zum Alltag. Anfang der 1950er Jahre stellte das Allensbacher Meinungsforschungs-Institut erstmals die Frage nach dem Vertrauensklima. Ergebnis: 83 Prozent der Befragten misstrauten ihren Mitmenschen.
Wachsendes Vertrauen

Das Vertrauen in die Mitmenschen wächst
Doch das Misstrauen nahm ab. Politische Lichtgestalten wie Adenauer und Erhard festigten den Glauben an einen rechtschaffenen Staat und einen sicheren Lebensraum. In den Siebzigern sank das Misstrauen der Deutschen ihren Mitmenschen gegenüber auf knapp 40 Prozent. Um diesen Wert pendelt das Misstrauen bis heute.
Spiegelbildlich dazu entwickelte sich die Vertrauenskurve: Anfang der 1950er Jahre trauten nur 13 Prozent der Deutschen ihren Mitmenschen. Der Wert steigt bis heute um das Dreifache auf immerhin 45 Prozent.
Vertrauen in Politiker

Kaum noch Vertrauen in die Rentenversicherung
Das Vertrauen in Politiker war in den siebziger Jahren am höchsten: 57 Prozent der Deutschen hielten ihre Spitzenpolitiker generell für ehrlich und rechtschaffen. Doch wenn Landesväter sich von Industriellen aushalten lassen, Verteidigungsminister trotz Balkan-Krise auf Mallorca baden gehen oder Kanzler und Oppositionsführer im Wahlkampf lügen, dass sich die Balken biegen, kann das nicht ohne Folgen für das Vertrauen in die politische Elite bleiben. Die beschämende Folge: Heute traut nur noch ein Fünftel der Deutschen den Politikern. Ein fragwürdiges Beispiel für die Informationspolitik einer Regierung ist auch der von Norbert Blüm immer wieder zitierte Satz: "Die Renten sind sicher". Glaubten dies 1991 noch 71 Prozent der Deutschen, vertrauen heute nur noch 12 Prozent auf staatliche Sicherung.
Der Fels in der Brandung

Das Vertrauen in die Kirche ist stabil
Dagegen ist die Kirche ein Fels in der Brandung. 40 Prozent Vertrauen ist zwar kein Spitzenwert, doch der ist wenigstens seit Jahrzehnten fast stabil. Erstaunlicherweise lag der Vertrauenswert für Großunternehmen vor 15 Jahren mit 43 Prozent noch über dem der Kirche. Doch die Selbstbedienungsmentalität der Manager, wie in der "Affäre Mannesmann" kratzte am Image. Massenentlassungen trotz guter Gewinne, Skandale und Bestechungsaffären in den Chefetagen der Industrie kamen hinzu. Heute vertraut kaum ein Viertel der Deutschen noch den Unternehmen.

Die Polizei genießt nach wie vor großes Vertrauen
Einsamer Vertrauensspitzenreiter über die Jahrzehnte hinweg ist die Polizei ? und hat seit 1991 sogar noch zugelegt: Fast drei Viertel der Deutschen vertraut dem "Freund und Helfer".
Letzte Änderung am: 11.05.2011, 18.56 Uhr