aus der Sendung vom Donnerstag, 14.9.2006 | 22.04 Uhr | SWR Fernsehen
Per fumum - durch Rauch - versuchten die Menschen in der Antike mit den Göttern zu sprechen. Dazu verbrannten sie duftende Blumen, Kräuter und Harze. Und auch von den alten Ägyptern ist bekannt, dass sie sich mit wohlriechenden Ölen und Salben parfümierten.
Vor 2000 Jahren

Das Kondensat aus Wasser und ätherischen Ölen: Parfum
Die eigentlichen Wegbereiter des Parfüms aber waren die Araber. Sie entwickelten vor über 2.000 Jahren die Destillation. Dazu werden die Rohstoffe in großen Kupferkesseln mit Wasser erhitzt. Der aufsteigende Dampf bindet die Duftstoffe. Das Kondensat aus Wasser und ätherischen Ölen wird abgefangen und in eine Flasche geleitet. Dort trennen sich Wasser und Öl.
Das 17. Jahrhundert
Im 17. Jahrhundert war die Palette der Rohstoffe bereits sehr reichhaltig: Genutzt wurden Blütenblätter, Myrre, Nelken oder Sternanis. Sogar tierische Sekrete wie etwa vom Moschushirsch oder Ambra - eine Art Darmstein des Wals. Daraus stellte man alkoholische Auszüge her. Mit den animalischen Duftnoten wurden schwere, opulente Parfüms kreiert.
Die waren im Frankreich des ausgehenden 17. Jahrhunderts auch nötig, denn in den stinkenden Gassen war Sauberkeit ein Fremdwort. Selbst am Hofe Ludwig des 14. galt das Waschen des Körpers als gesundheitsschädlich. Und so hatten besonders beim Adel die schweren Parfüms Hochkonjunktur. Womit sonst ließ sich der strenge Körpergeruch auch besser überdecken?
Das 18. Jahrhundert
Erst Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich ein neues Hygienebewusstsein. Leichtere Düfte waren gefragt. 1792 begann der Legende nach die Geschichte eines Kölner Duftwassers: Der junge Kaufmann Wilhelm Mühlens bekam das Rezept eines "Aqua Mirabeles" als Hochzeitsgeschenk.
Er begann mit der Produktion des "Wunderwassers" und brachte es auf den Markt. Als französische Revolutionstruppen zwei Jahre später Köln besetzten, nummerierten sie alle Häuser, um die Verwaltung zu erleichtern. Das Haus vom Wilhelm Mühlen erhielt die Nummer 4711. Ein Markenname war geboren.
Das 20. Jahrhundert
1921 sorgte die Modedesignerin Coco Chanel für eine Duftrevolution: Ihr Chanel No. 5 war das erste Parfüm der Welt, das außer natürlichen Grundsubstanzen auch künstliche Aromen enthielt.
Auch bei Guerlain wurde die Palette natürlicher Gerüche zunehmend um synthetische Duftstoffe erweitert. Denn, so Jean-Paul Guerlain 1975:
"Ohne sie hätte man niemals die Lebhaftigkeit und Haltbarkeit der Düfte erreichen können, die man heute ganz selbstverständlich verlangt. Natürliche Produkte sind dabei aber bis heute unersetzlich geblieben. Sie geben dem Parfüm seinen ganzen Reichtum, seine blumige Fülle."
Die Methoden zur Duftstoffgewinnung werden immer vielfältiger. Doch bis heute ist die Extraktion, bei der den Rohstoffen mit speziellen Lösungsmitteln oder Gasen die Duftkomponenten entzogen werden, eine wichtige Methode geblieben.
Nur eines hat sich im Lauf der Zeit nicht verändert: Das Geheimnis eines Duftes kennt nur der Parfümeur.
Andrea Wengel
Letzte Änderung am: 17.07.2007, 15.22 Uhr