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Fernsehen im SWR

Die Entwicklung der Krebstherapie Zeitreise: Geschichte der Krebsmedizin

aus der Sendung vom Donnerstag, 6.4.2006 | 22.03 Uhr | SWR Fernsehen

Die moderne Krebsmedizin beginnt um 1840 mit Johannes Müller. Mit verbesserten Mikroskopen kann er erstmals erkennen, dass Krebs aus Zellen besteht, wie gesundes Gewebe. Daraufhin stellt Rudolf Virchow um 1850 die These auf, dass Krebs aus einer entarteten Körperzelle hervorgeht. Die meisten Forscher halten damals Bakterien oder Viren für die Ursache der Zellentgleisung und fordern bessere hygienische Verhältnisse.

Die 1940er Jahre

Im Nazideutschland gibt es die erste große Kampagne zur Früherkennung von Krebs: "Jeder achte Deutsche stirbt an Krebs. Krebs ist heilbar. Das wissen wir", heißt es kämpferisch im Vorspann eines Aufklärungsfilms von 1941. Dann folgt eine nachgestellte Szene, in welcher der verständnisvolle Arzt beruhigend mit einer Brustkrebspatientin spricht: "Na, das kriegen wir schon. Machen wir erst mal eine Probe-Excision. Da entnehmen wir zunächst der Geschwulst ein Gewebestückchen - na, das spüren Sie gar nicht. Dann untersuchen wir das Blut nach verschiedenen Richtungen. Wir werden auch eine Röntgenaufnahme machen, um zu sehen, ob Ihre Lungen in Ordnung sind. Ist etwas Verdächtiges gefunden worden, kommt zweierlei in Frage. Entweder Operation oder Bestrahlung."

Die 1950er Jahre

In den 1950er Jahren hat die Strahlentherapie Konjunktur. In einem Nachrichtenbeitrag von 1955 wird ein entsprechendes Gerät begeistert präsentiert. Der Originaltext: "Ein so genanntes Betatron. Die Funktionsweise des hochmodernen Gerätes: Elektronen werden extrem beschleunigt, und entwickeln so eine Energie von 15 Mega Elektronenvolt. Damit werden die markierten Krankheitsherde bestrahlt. Zur Bekämpfung bösartiger Geschwülste soll die neue Technik eingesetzt werden. Wuchernde Krebszellen, hier ein Blick durch das Elektronenmikroskop, können durch den Strahlenbeschuss zerstört werden. Der Blick auf Röntgenbilder zeigt die Erfolge von Betatronbestrahlungen. Rechts eine deutlich erkennbare Wucherung - nach der Behandlung mit dem Betatron ist sie verschwunden."

Die 1960er Jahre

Die Krebsmedizin der 1950er Jahre war geprägt von einem vollkommen sorglosen Umgang mit der Strahlenmedizin. Mitte der 1960er startet in der Schweiz ein großes Forschungsprojekt, das die Frage nach der Krebsgefahr durch Rauchen klären soll. In mächtigen Glasapparaturen werden Hunderte Zigaretten verpafft und die Inhaltsstoffe des Rauchs analysiert. In einem Fernsehbeitrag aus dieser Zeit wird darüber berichtet: "Was dabei gewonnen wird ist erstens Nikotin, ein gefährliches Gift, dass für viele Gesundheitsschäden aber nicht für den Krebs verantwortlich gemacht wird und Teer. Genauer gesagt, zahlreiche Teerstoffe. Labormäuse müssen für Tests herhalten, wie krebserregend die Teerstoffe sind. Die Versuchstiere werden vorbereitet, und mit der Teerlösung bestrichen, die aus den Zigaretten gewonnen wurde. Bei etwa 15 bis 20 Prozent der behandelten Tiere zeigen sich an den bestrichenen Stellen Wucherungen."

Anstatt auf die Empfehlung "weg mit der Kippe!", setzt man in den fortschrittsgläubigen 1960ern auf die gesunde High-Tech-Zigarette. Ein Fernsehmoderator erklärt dazu: "Die Zigarette der Zukunft wird wahrscheinlich mit einer Kombination von mehreren Schutzmaßnahmen ausgestattet sein. Sie wird also zum Beispiel einen Filter haben und poröses Papier, und ihr Tabak wird vorbehandelt sein. Das ist eine Frage der Zeit, eine Frage des Geldes und eine Frage des guten Willens."

Besser wäre allerdings der gute Wille in eine Entwöhnung von der Zigarette investiert. Stattdessen steigen die Raucherzahlen kontinuierlich an, und auch immer mehr Frauen greifen zur Zigarette. Erst langsam setzt sich auch in der Bevölkerung die Erkenntnis durch, dass Rauchen das Krebsrisiko drastisch erhöht.

Frank Wittig

Letzte Änderung am: 06.04.2006, 00.00 Uhr