aus der Sendung vom Donnerstag, 30.3.2006 | 22.05 Uhr | SWR Fernsehen
Die Sonne war für die Menschen von jeher von zentraler Bedeutung. Sie wurde als Gottheit verehrt, sie wurde gefürchtet und in Ritualen beschworen. Auch die Wintersonnenwende war für viele Kulturen ein wichtiges Datum. So zeigte etwa bereits in der Jungsteinzeit vor 7.000 Jahren eine Lücke in den Palisaden des kreisrunden Sonnenobservatoriums von Goseck alljährlich am Morgen des 21. Dezember exakt die Position der Sonne am kürzesten Tag des Jahres an. Denn wer damals die Sonne durch die Vorhersage der Winterwende scheinbar "beherrschte" galt als machtvolle Persönlichkeit.

Im alten Ägypten, Tausende Jahre später, war es ähnlich: Jeden Morgen, so glauben damals die Menschen am Nil, wird die Sonne in einer Barke von einer Gottheit an den Horizont gebracht. Die Pharaonen gelten als unangreifbare Herrscher über die Sonnenscheibe und das von ihr erleuchtete Reich, und sie präsentieren sich über Jahrtausende als Gefährten der Götter.
Erst rund 1.200 Jahre später wagt es Aristarch von Samos als erster, die Sonne nicht nur als mythisches, sondern auch als reales Himmelsobjekt zu betrachten. Er erkennt, dass die Sonne wesentlich größer als unsere Erde sein muss. Doch zunächst glaubt niemand solch wirre Theorien. Die Erde bleibt bis lange nach der Zeitenwende unumstößlicher Mittelpunkt der Welt.
Anfang des 16. Jahrhunderts entdeckt Nicolaus Copernicus die Sonne als Zentrum unseres Planetensystems. Doch aus Furcht vor der politischen Sprengkraft seiner Theorie - gilt doch die Erde als das Zentrum des Universums - werden noch Jahrzehnte vergehen, bis er seine Berechnungen veröffentlicht. Doch bereits 1610 werden sie von Galileo Galilei bestätigt, der mit seinen Fernrohren die Geburtsstunde der beobachtenden Sonnenforschung einläutet. Schließlich fasst Isaac Newton 50 Jahre später das heliozentrische Weltbild in seinen "mathematischen Prinzipien der Natur" zusammen.
Anfang des 20. Jahrhunderts: Mittlerweile ist die Sonne zu einem echten Forschungsobjekt der Astrophysik aufgestiegen. Sie ist ein zentrales Modell zur Erforschung auch von Sternen anderer Sonnesysteme. Ihr genaues Alter wird mit rund 4,6 Milliarden Jahren angegeben. Selbst die Jahrtausende lange Geschichte ihrer Erforschung und Verehrung ist dagegen nur ein Augenblick.
Letzte Änderung am: 11.05.2011, 18.33 Uhr