SENDETERMIN Do, 23.2.2006 | 22.00 Uhr

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Blutprobe war Körperverletzung

Zeitreise: Alkoholtests

Thomas Niemietz

Schon 1907 gibt es in Deutschland eine Millionen Autos. Alkohol am Steuer ist auch damals schon verboten. Eindeutige Promillegrenzen gibt es allerdings nicht. Wittert ein Polizist eine Alkoholfahne oder beobachtet einen Schlingerkurs, drohen hohe Geldstrafen und Fahrverbot. Obwohl objektive Kontrollmethoden fehlen, kann der Führerschein verloren gehen. Übrigens: Vorgänger des Führerscheins gibt es schon seit den ersten Probefahrten mit Automobilen 1886!

Ein Mann bläst in ein Alkoholmessgerät

Moderne Alkoholkontrolle

Die Verkehrsdichte nimmt in den folgenden Jahren rapide zu und die Unfallzahlen steigen. Bisher kann Alkohol am Steuer aber nur schwer nachgewiesen werden. Die Blutprobe gilt bis 1933 als Körperverletzung. Demnach ist die einfachste Möglichkeit, einer Strafe zu entgehen, die Blutprobe zu verweigern. Der Staat reagiert mit einem neuen Gesetz, demnach die Blutprobe nicht mehr abgelehnt werden kann. Vor den Gerichten werden viele Fälle verhandelt, allerdings gibt es keine eindeutigen Regeln. Verboten ist "betrunken fahren", "nicht nüchtern fahren", "alkoholisiert fahren". Ab wann dieser Zustand eintritt, bleibt allerdings unklar.

Das erste mobile Alkoholtestgerät

1938 wird das aufklappbare, mobile Alkoholtestlabor in den USA erfunden. Es ermöglicht es erstmals, Alkohol in der Atemluft nachzuweisen: Dazu pustet der Alkoholverdächtige einen Luftballon auf. Danach wird die Atemluft durch eine chemische Lösung geführt, die sich, je nach Alkoholmenge, verfärbt. Allerdings ist das "Drunk-o-Meter" schwierig anzuwenden und kann sich nicht durchsetzen.

In den 1930er Jahren gibt der Alkoholwissenschaftler Erik Widmark erstmals klare Empfehlungen: 0,8 Promille bleiben straffrei, ab 1,6 Promille wird es kriminell. Zwischen diesen beiden Werten müsse abgewogen werden. Zu dieser Aussage kommt der schwedische Forscher nach jahrzehntelanger Arbeit. Dabei entwickelt er unter anderem die Widmark-Formel, mit der Alkoholgehalt im Blut errechnet werden kann. Sein Vorschlag wird viel diskutiert, bleibt aber für Jahre nichts weiter als eine Empfehlung. Erst in den 50er Jahren kommt die erste verbindliche Alkoholgrenze in das Strafgesetzbuch. Wer nachweislich 1,5 Promille oder mehr im Blut hat, gilt ab jetzt als absolut fahruntüchtig.

1953 das Röhrchen wird weltberühmt

Eine neue Methode zur schnellen Alkoholkontrolle wird mit dem Röhrchen möglich. Die Zeit des Anhauchens ist damit endgültig vorbei. Als Beweis vor Gericht wird das Röhrchen allerdings nicht zugelassen - es ist zu ungenau. Mittlerweile fahren über sechs Millionen Autos auf deutschen Strassen, doch die Alkoholkontrollen bleiben stichprobenartig. Die Gerichte befassen sich immer öfter mit der sogenannten Schluss-Sturztrunk-Theorie. Dabei geben erwischte Trinker an, kurz vor Verlassen der Kneipe noch eine erhebliche Menge Alkohol "auf ex" getrunken zu haben. Deshalb sei der Alkoholgehalt im Blut zum Tatzeitpunkt geringer als bei der Blutprobe, die meist eine Stunde später entnommen wird.

Die entscheidende Frage nach Feierabend

In den 1960ern kann man Alkoholtestgeräte für den Hausgebrauch in den Supermärkten kaufen. Damit kann nun bereits während des Trinkens getestet werden, wie weit man noch von der Promillegrenze entfernt ist. Außerdem kommen Trinktabellen in Mode. Auf diesen ist ausgeführt, wie viel Alkohol in welchen Getränken enthalten ist und wie viele Gläser man davon trinken kann, ohne fahruntüchtig zu werden. Experten raten von Anfang an davon ab. Die Tabellen seien oberflächlich und könnten wichtige Faktoren wie Trinkdauer und Gewicht der Trinkenden nicht berücksichtigen.

Nach einigen Neuregelungen und Verschärfungen der Gesetze kommt es 1973 zu einer ganz neuen Regel: Schon ab 0,8 Promille bringt der Fahrer seinen Führerschein in Gefahr. Die Promillegrenze zur absoluten Fahruntauglichkeit liegt weiterhin über der 0,8 Promillegrenze. Allerdings ist der Fahrer nur noch eingeschränkt fahrtauglich und somit drohen Geldstrafe und Führerscheinentzug. 2001 wird diese Grenze auf 0,5 Promille herabgesetzt.

Stand: 11.07.2007, 14.14 Uhr

aus der Sendung vom

Do, 23.2.2006 | 22.00 Uhr

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.