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SENDETERMIN Do, 3.5.2007 | 22:15 Uhr | SWR Fernsehen

An die Zukunft gedacht Nachhaltiger Fischfang in Norwegen

Die Fischereiflotten sind im Begriff, komplette Fischarten auszurotten. Eine Änderung scheint nicht in Sicht, denn die Fangquoten orientieren sich an den Interessen der Industrie. So wurden für dieses Jahr die Fangquoten beim Kabeljau beispielsweise um maximal 20 Prozent reduziert, bei anderen bedrohten Beständen wie Scholle, Seezunge oder Rochen um höchstens 15 Prozent. Notwendig wäre aber, da sind sich die Fachleute einig, 100 Prozent für einige Jahre. Eine komplette Fangpause also, bis sich die Bestände erholt haben. Dass es auch anders geht, und sich Fischerei nachhaltig betreiben lässt, zeigt Norwegen.

Fischerboot auf dem Meer - im Hintergrund schneebedeckte Berge

Die Gewässer vor Norwegens Küste sind nicht überfischt

Denn den Norwegern gelingt, was in den Gewässern der europäischen Union unmöglich scheint: obwohl in Norwegen die Fischerei immer noch als die wichtigste Industrie gilt und die meisten Arbeitsplätze schafft, befindet sich vor den Küsten Norwegens einer der letzten intakten Kabeljaubestände der Welt.

Damit diese Bestände gesund bleiben, sind alle Fischer in norwegischen Gewässern heute strengen Fangquoten und Umweltauflagen unterworfen. Fangquoten gelten zwar auch in der europäischen Union, doch werden sie da nicht ausreichend kontrolliert.

Eines der am besten überwachten Seegebiete

Die norwegische Küste dagegen gehört zu den am besten überwachten Seegebieten der Welt. Von Stamsund aus kontrolliert die Küstenwache ein Seegebiet von der Größe Westeuropas. Fregattenkapitän Steve Olsen führt das Kommando über eine kleine Truppe, die ihre geringe Mannstärke mit dem Einsatz modernster Informationstechnologie wettmacht. Weil jedes Boot in ihrem Sektor einen Sender an Bord haben muss, entgeht den Männern nichts.

Auch die "G.O. SARS" ist gut ausgerüstet. Das Fischereiforschungsschiff gilt als das modernste der Welt. Die Wissenschaftler an Bord erheben im Winter vor den Lofoten die Daten für den Kabeljaubestand in den Laichgebieten. Mit ihrem modernen Echolot entgeht der "G.O. SARS" unter Wasser kaum etwas. Gekoppelt mit Satellitennavigation kann das Schiff seine Netze metergenau einsetzen.

Durch Stichproben kontrollieren und bewerten die Wissenschaftler permanent die Entwicklung der Fischbestände. Die Datenerhebung ist allerdings erst der Anfang eines ausgeklügelten Kontrollmanagement. Moderne Fangtechnik und Überkapazitäten der Fangflotten machen diese wissenschaftliche Kontrolle der Bestände notwendig.

Selektive Fangtechniken

Die Wissenschaftler arbeiten auch an selektiven Fangtechniken. Sie wollen das Grundgeschirr am unteren Schleppnetzmaul so verbessern, dass nur bestimmte Fische ins Netz gehen. Die übrige Meeresfauna bleibt bei dieser Technik aus beweglichen Hartgummiplatten erhalten. Für die Fischer wird das Fangen effizienter und sie sparen Treibstoff. In den Schleppnetzbahnen am Meeresboden entkommen Grundfische und andere Tierarten, die für das Ökosystem Meer so wichtig sind.

Während in EU-Gewässern jedes Jahr Hunderttausende Tonnen von Beifang aller Fischsorten tot über Bord gehen, wird in Norwegen Beifang von den Quoten der Fischer abgezogen. Kontrolle und Reglementierung ist die einzige Möglichkeit, Fischbestände zu schützen. Sonst sind die Ozeane bald leer gefischt.

Bleibt zu hoffen, dass das Beispiel aus Norwegen, mit Fangquoten, Kontrollen und Forschung, auch in den Fischgewässern der EU Eingang findet.

aus der Sendung vom

Do, 3.5.2007 | 22:15 Uhr

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