aus der Sendung vom Donnerstag, 5.4.2007 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Carter Clarke erschüttert das Machtgefüge einer ganzen Branche, denn der ehemalige US-General produziert Diamanten. Künstliche Diamanten die so echt sind wie jene, die aus der Erde geholt werden. Und jetzt will Clarke noch weiter gegen den milliardenschweren Markt aufrüsten: Die 40 Reaktoren, die bislang in der Fabrikhalle in Sarasota, Florida, stehen, sind erst der Anfang. In Kürze ist die gesamte Halle bestückt, eine zweite Fabrik bereits geplant.

Diamantenherstellung rund um die Uhr
In den Reaktoren werden rund um die Uhr Rohdiamanten hergestellt - bis zu viereinhalb Karat schwer. In einem streng geheimen Verfahren lassen 3.000 Grad Celsius und der gewaltige Druck von 50.000 Atmosphären aus Graphit Diamanten entstehen. So wächst in nur 82 Stunden aus einem kleinen Diamant-Samen ein Rohdiamant heran, der mit herkömmlichen Methoden von den natürlichen Edelsteinen nicht zu unterscheiden ist.
Das Verfahren haben die Wissenschaftler von Clarkes Firma in jahrelanger Arbeit entwickelt. Nach einer Idee, die Carter Clarke einmal aus Russland mitgebracht hatte: "Eigentlich war ich in Moskau, um mich dort über elektronische Dinge zu informieren. Da fragte mich ein Wissenschaftler, ob ich an Diamanten interessiert sei. Ich sagte: klar, ich bin Unternehmer und ziemlich an allem interessiert. Ehrlich gesagt, dachte ich, ich solle in eine Mine investieren und sah mich schon Diamanten aus einer Höhle in Sibirien hämmern." In Wahrheit hatte der russische Wissenschaftler nur ein theoretisches Konzept. Aber der risikobereite Geschäftsmann holte die richtigen Experten mit ins Boot. Und Entwicklungschef Dr. Rob Chodelka optimierte den Prozess so, dass heute jeder Stein in Farbe und Größe perfekt ist. In der Fabrik in Sarasota werden vor allem gelbe Diamanten produziert. Natürliche Steine dieser Farbe sind äußerst selten und kosten zwischen 15 und 20.000 Euro pro Karat. Bei Clarke nur viertausend.
Die ersten Proben schlugen ein wie eine Bombe
Die ersten Proben aus der Diamantenfabrik schlugen ein wie eine Bombe in einer Branche, die jährlich 60 Milliarden Dollar umsetzt. Der Branchenführer DeBeers reagierte sofort und entwickelte eine neuartiges Prüfgerät. Im sogenannten "Diamond View System" werden die Steine mit ultraviolettem Licht beschossen. In einer starken Vergrößerung zeigt sich die unregelmäßige Wachstumsstruktur eines natürlichen Diamanten. Den synthetischen dagegen entlarvt seine Ebenmäßigkeit.
David Brown von DeBeers versucht, die Konkurrenz als ungefährlich hinzustellen: "Der Konsument, so glauben wir, wird immer das Echte haben wollen, wenn er die Wahl hat. Ich meine, wie kann man etwas mögen, das vor ein paar Monaten in einem Labor oder einer Fabrik in einen Kohlenstoffkristall verwandelt wurde?" General Clarke dagegen ist sich ganz sicher, dass es keinen bedeutenden Unterschied gibt: "Ob eine Orchidee aus dem Urwald Südamerikas kommt oder aus dem kalifornischen Treibhaus - sie ist immer eine Orchidee, immer wunderschön. Und Frau lieben sie." Tatsächlich steigen die Verkaufszahlen, und das spricht für sich.
Die Anfänge der Diamantenzüchtung liegen 50 Jahre zurück. In einem Geheimlabor bei General Electric gelang den Ingenieuren ein erster Durchbruch. Doch ihnen ging es nicht um Schmuck, sondern um Industriediamanten. Mit einer Reaktorzelle bei 3.500 Grad Celsius und einem Druck von knapp 6.900 Atmosphären schufen sie die ersten künstlichen Diamanten. Schon damals wurden die Steine wegen ihrer Härte in vielen Industriebereichen dringend gebraucht.
Ein sensationell kleines Skalpell
An der Universität Ulm ist Professor Hans-Jörg Fecht eine revolutionäre Entwicklung gelungen: ein Verfahren zur Herstellung superdünner Diamantschichten mit winzigen Kristallstrukturen im Nanobereich. Mit Hilfe modernster Technik kann inzwischen praktisch jedes Material mit dem Nanodiamanten überzogen werden. Bis heute haben keine anderen synthetisch hergestellten oder gar natürlichen Diamanten so extrem glatte Oberflächen wie die Nano-Diamanten, die Professor Fecht entwickelt hat. Sogar kleinste Werkstücke lassen sich damit herstellen - für das bloße Auge kaum mehr sichtbar. Die Gesellschaft für Diamantprodukte konnte so ein sensationell kleines Skalpell anfertigen, das sogar in das Guinness Buch der Rekorde eingegangen ist: Das Nanoskalpell für die Augenchirurgie.
Nanodiamanten sind auch das Geheimnis in einer neu entwickelten Hochpräzisionsuhr einer Schweizer Nobelmarke. So winzig konnten Zahnräder vorher noch nie hergestellt werden. Ihre vollkommen glatte Oberfläche macht sie hochstabil und damit absolut wartungsfrei. Doch was die Konstrukteure am meisten erstaunt hat, ist die enorme Elastizität des Nanodiamanten. Aus Diamantscheiben werden im so genannten Plasmaschneideverfahren Atom für Atom biegsamste Uhrfedern geschnitten - aus dem härtesten Mineral der Welt, das dann dem Uhrwerk Leben einhaucht.
Diamant, das ist Kohlenstoff. Und weil daraus auch der Mensch zu großen Teilen besteht, bietet eine amerikanische Firma ihre ganz besonderen Dienste an: Die lieben Verstorben brauchen nicht länger nur zu Asche werden - jetzt lassen sie sich auch in Diamanten verwandeln. Je nach Geschmack sind die Steine in gelb oder blau erhältlich, mit Zertifikat und der Garantie, dass es wirklich der Betrauerte ist, der in neuem Glanz erstrahlt. Auch in Holland und neuerdings in Deutschland zu bestellen. Vor allem Frauen machen davon Gebrauch, ihre Liebsten an Finger oder Dekolletee zu tragen - als etwas ganz und gar Unvergängliches.
Stefan Schneider
Letzte Änderung am: 10.07.2007, 11.45 Uhr