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SENDETERMIN Do, 5.4.2007 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Das Essverhalten nachhaltig ändern Abnehmen mit Hypnose

Spielend leicht abnehmen ohne zu hungern, und das mit anhaltendem Erfolg. Dass dies möglich ist, belegen neueste wissenschaftliche Studien, wie die an der Universität Tübingen. Dort setzt man bei Übergewicht auf eine ursachenorientierte Behandlung mit klinischer Hypnose. Das Besondere dieser Methode: mit ihr wird eine andauernde Veränderung des gestörten Essverhaltens erreicht.

Bernhard Rühle

Genießt Essen mehr als je zuvor: Bernhard Rühle

Auch der ehemalige Schutzpolizist Bernhard Rühle hat an dem Programm der Uni Tübingen teil-, und tüchtig abgenommen. Und das, obwohl er Essen mehr genießt als je zuvor: "Ich gehe immer noch essen mit meiner Frau. Aber nicht mal so eben schnell, sondern mit Zeit. Das habe ich auch gelernt: Wenn man sich was vornimmt, dann auch dafür Zeit nehmen!"

Zehn Kilo hat Heinz Rühle während des Kurses geschafft, weitere zehn purzelten nach Kursende. Aber auch die anderen Kursteilnehmer hatten Erfolgserlebnisse: Die Schwergewichtler - also Männer, die im Durchschnitt 94 Kilogramm auf die Waage brachten - nahmen im Kursverlauf mehr als vier Kilo ab. Die Superschwergewichtler, im Schnitt 125 Kilogramm schwer, sogar mehr als sechs. Und das in drei Monaten.

Den Genießer in sich entdecken

Heinz Rühle hat in der Hypnosesitzung bei dem Psychologen Marc Habermüller den Genießer in sich entdeckt. In Trance, einem Zustand fern aller Alltagsbelastungen, versetzte er sich in den letzten Winterurlaub. Denn Skifahren - das bedeutet für ihn Genuss pur. Dagegen war´s beim Essen mit dem Genuss nicht so weit her: Heinz Rühle war ein Stressesser. Als Systemadministrator bei der Tübinger Polizei hat er sich die Computerprobleme seiner Kollegen allzu sehr zu Herzen genommen: "Man wird halt nur angerufen wenn´s irgendwo klemmt. Und man kann auch nicht alle Probleme immer sofort lösen... "

Emotionales Essen hat ihn dick gemacht. Und das ist die Ursache Nummer eins für Übergewicht bei Männern, weiß der Psychologe Marc Habermüller: "Stress, eingebunden sein im Beruf, das fehlende Wissen über: wie ernähre ich mich richtig, wie betreibe ich richtige Stressreduktionen, welche Dinge muss man beachten, damit man ein ausgeglichenes Essverhalten hat? Und bei Männern ist es sehr häufig so, dass man sie mit relativ einfachen Mitteln dazu bringt, dieses Essverhalten zu modifizieren."

Abnehmen - bei Heinz Rühle fing das mit der richtigen Körperhaltung an. Wie schmeckt es nebenbei, vor dem Fernseher oder über eine Zeitschrift gebückt? Und wie schmeckt es dagegen kerzengerade, mit voller Konzentration auf den Geschmack? In vielen Verhaltensübungen hat sich Heinz Rühle den bewussten Essgenuss regelrecht antrainiert. Aber das alleine hätte ihm wohl nicht geholfen. "Vom Verstand her war mir schon klar, was ich ändern sollte", sagt Rühle, "aber ich hab´s ja nicht geändert, weil mir der inner Antrieb oder das Bewusstsein dafür gefehlt hat. Und ich glaube, dass das durch die Trancen erreicht wurde."

Vor Rückschlägen eher verschont

Hypnose bedeutet für Übergewichtige: Volle Konzentration auf den Genuss. In Trance können sie alle störenden Gefühle und Gedanken ausschalten. So vertiefte sich auch bei Heinz Rühle, was ihm in Gesprächen und Verhaltensübungen schon bewusst geworden war. Die neue Kombination mit Hypnose verspricht dauerhaftere Erfolge als die reine Verhaltenstherapie, was auch die Gewichtsentwicklung nach Kursende beweist - im statistischen Vergleich: Bei der reinen Verhaltenstherapie ist der Abnehmerfolg auch drei Monate nach dem Kurs noch konstant. Nach 24 Monaten jedoch haben viele Teilnehmer wieder zugenommen. Anders bei der Methode, die Hypnose und Verhaltenstherapie kombiniert: Die Behandelten nehmen nach dem Kurs tendenziell noch weiter ab, von den gefürchteten Rückschlägen bleiben sie eher verschont. Auch noch zwei Jahre später.

Kein Wunder also, dass die Betroffenen auch von einer höherer Lebensqualität und mehr Selbstwertgefühl berichten. Dazu erklärt der Psychologe Marc Habermüller: "Der Mensch muss erst einmal verstehen was er eigentlich tut, und warum er es tut. Das ist die eine Ebene. Die andere Ebene ist die implizite oder unbewusste Ebene, die wir ebenfalls ansprechen müssen. Und wir gehen davon aus, dass die Kombination es macht."

Heinz Rühle hat das Stressessen an den Nagel gehängt. Auch im Büro. Und seitdem er so bewusst isst, schmecken ihm Früchte sogar besser als Gummibärchen. Den stattlichen Anfangserfolg von 20 Kilo hat er zwar nicht ganz halten können, die Motivation fürs Abnehmen ist ihm aber geblieben.

aus der Sendung vom

Do, 5.4.2007 | 22:00 Uhr

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