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Fernsehen im SWR

Ganz schön beständig Neuer Asphalt gegen Schlaglöcher

aus der Sendung vom Donnerstag, 18.1.2007 | 22.16 Uhr | SWR Fernsehen

Nikolausdecken haben nichts mit frierenden Weihnachtsmännern zu tun. Vielmehr handelt es sich um Straßenbeläge, die in der absolut unpassendesten Jahreszeit aufgebracht werden, nämlich im Dezember, wenn schnell noch das Geld ausgegeben werden muss, das im Folgejahr verfallen würde. Kommt dann der Frost, ähnelt die Nikolausdecke schon bald einem Schweizer Käse. Doch es ginge auch anders...

Mechanische Stempel stehen auf einem Stück Asphalt

Straßenforscher testen ständig neue Beläge

Schlaglöcher entstehen, wenn Wasser durch Risse in den Asphalt eindringt. Gefriert es darin, sprengt es die Straße auseinander. Schuld an den zunehmenden Schäden sind vor allem die Brummis. Sie drücken die Straße so tief ein, dass dies den Belag und die Schichten darunter angreift: Die Oberfläche wird mürbe. Durch die zunehmende Verkehrsbelastung altern die Straßen immer schneller. Das wollen Straßenforscher verhindern. Sie suchen nach der haltbaren Straße der Zukunft.

In der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch-Gladbach will man sie finden. Deshalb kommen dort die unterschiedlichsten Beläge auf den Prüfstand. Druckstempel drücken mit fast sechs Tonnen pro Schlag auf den Asphalt und ersetzen damit Millionen echter LKW. So altert die Teststrecke in vier Wochen so viel wie in 25 Jahren realem Straßenleben!

Straßen müssen schwingen

Besonders wichtig für die Haltbarkeit: Straßen müssen schwingen. Die Belagsoberfläche ist elastisch, um die Stöße abzufedern. Spröde Materialien würden schnell brechen. Und das ist auch der Knackpunkt: Ist die Straße zu fest, wird sie brüchig. Ist sie zu weich, hält sie schweren Fahrzeugen wie Lkws nicht stand. Bis zu anderthalb Meter muss sich eine Straße deshalb um den Reifen herum eindrücken können.

Im Fall der Fälle hilft das Verfüllen von Schlaglöchern nur wenig. Ist die wasserundurchlässige Decke der Straße einmal beschädigt, reißen die Nahtstellen bei Belastungen schnell wieder auf. Die Freude über den behobenen Schaden währt also oft nur kurz und beim nächsten Frost geht das Spiel von neuem los.

An einer Lösung arbeitet nicht nur die Bundesanstalt - auch Hartmut Beckedahl, Professor für Straßenbau an der Universität Wuppertal, ist der schlaglochfreien Straße auf der Spur. Über 10.000 Asphalt-Mixturen hat der Wissenschaftler schon getestet. Sein Ziel: Ein Bindemittel zu entwickeln, das auch noch bei schweren Fahrzeugen schwingt, statt zu brechen, sich wenig abnutzt und zudem beständig bleibt gegen Witterungseinflüsse und Temperaturschwankungen.

Ein neuer Asphaltklebstoff

Die Lösung: Hartmut Beckedahl hat herkömmlichen Asphaltklebstoff, das Erdölprodukt "Bitumen", mit zusätzlichen Polymeren, also Kunststoffen, versetzt. Das soll den Straßenbelag stabiler machen. Ein Versuch zeigt: das polymerversetzte Bitumen ist tatsächlich wesentlich belastbarer als das normale Bindemittel, denn es kehrt nach einer Dehnung viel schneller wieder in seine Ausgangsposition zurück. Das herkömmliche Bitumen zieht sich dagegen kaum zusammen, würde also schneller brechen.

Die Elastizität dieser Mischung stellt also herkömmliche Asphalte locker in den Schatten - im Labor. Ein Straßenbelag mit diesem Superklebstoff wäre allerdings etwa 30 Prozent teurer als herkömmlicher. Da muss sich der Zauberasphalt schon bewähren. Die ersten Testergebnisse jedenfalls setzen sogar den Erfinder in Erstaunen: "Die Asphalte, die wir getestet hatten, haben so lange gehalten, dass wir keine Möglichkeit hatten, sie bis zu Ende zu testen." Der Grund: Die herkömmlichen Testmaschinen konnten den neuen Super-Belag in der vorgegebenen Zeit einfach nicht zerstören. Theoretisch hat er den Test also schon bestanden.

In der Praxis liegt die Wahrheit

Doch in der Praxis liegt die Wahrheit. Im vergangenen Sommer wurde der neue Asphalt an einer viel befahrenen Bushaltestelle in der Wuppertaler Innenstadt verbaut - gleich neben einer Test-Straße mit gewöhnlichem Belag. Dieser zeigt bereits nach noch nicht einmal einem Jahr deutliche Spurrinnen. Der neue Asphalt dagegen weist nicht die geringsten Beschädigungen auf. Trotzdem wird er noch nicht eingesetzt - zu teuer, sagt der Staat.

Ein Argument, das Prof. Beckedahl nicht nachvollziehen kann: "Der Nutzen für die Straßennutzer beziehungsweise für die Betreiber ist der, dass nach dem Motto gearbeitet werden kann, wie meine Eltern mir beigebracht haben: Wir sind zu arm, um uns was Billiges zu leisten, dass wir vielleicht am Anfang etwas mehr investieren, damit wir auf lange Sicht dann doch eine Ersparnis davon haben."

Bis der neue Asphalt eines Tages doch eingesetzt wird, muss er noch weitere Langzeittests bestehen. So lange bleiben dem entnervten Autofahrer wohl nur zwei Möglichkeiten: Einen Geländewagen kaufen oder Schlaglöcher rechtzeitig erkennen.

Frank Bäumer

Letzte Änderung am: 10.07.2007, 16.59 Uhr