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Fernsehen im SWR

Alltagswissen Schlafen Fische?

aus der Sendung vom Donnerstag, 21.12.2006 | 22.01 Uhr | SWR Fernsehen

Nicht nur Menschen, auch Tiere müssen schlafen. Mit 17 bis 20 Stunden pro Tag sind Fledermäuse und Igel dabei die Langschläfer. Gazelle und Elefanten kommen schon mit zwei bis sechs Stunden aus und der Giraffe reichen sogar jede Nacht 20 bis 30 Minuten auf ein paar Fünf-Minuten Schlafhäppchen verteilt. Dabei ist Schlafen für Tiere eine riskante Sache, denn schließlich steht fast jedes Tier auf der Speisekarte irgendeines Räubers. Wie finden beispielsweise Fische trotzdem Ruhe?

Zwei kleine Fische verstecken sich zwischen Korallen

Am Abend ändern die Fische ihr Verhalten

Im sonnendurchfluteten Riff herrscht tagsüber ein verwirrend buntes Treiben, denn 75 Prozent der Riff-Fische sind tagaktiv: Schwärme kleiner Fische schweben über Korallenäste, Einzelgänger streifen auf Nahrungssuche umher, andere verteidigen ihr Territorium oder balzen um die Gunst der Weibchen. Doch so bald die Sonne untergeht, ändern die Fische ihr Verhalten. Sie werden scheuer, suchen zwischen den Korallen nach Verstecken: die nächtliche Schlafphase beginnt.

Ein Schwarm kleiner Riffbarsche hat sich in ein Korallengeäst zurückgezogen. Ihre abgeflachten Körper passen genau in die engen Zwischenräume - ein optimaler Schutz für die Nachtruhe. Auch der Golden Blenny hat in einer Austernschale einen sicheren Schlafplatz gefunden. Dicht drängen sich die Gelbstreifen Meerbarben für die Nacht zu einem schützenden Schwarm zusammen.

Die Schlafphase der Fische dient - wie bei höheren Wirbeltieren - der Regeneration: der Körperhaushalt wird verlangsamt, Atmung und Herzschlag werden reduziert. Das spart kostbare Energie. Die nachtblinden Riffbewohner können so mit der Nahrungssuche pausieren und riskieren nicht, selbst gefressen zu werden.

Fische haben keine Augenlider

Da Fische keine Augenlider haben die sie schließen können, ist es häufig sehr schwer zu erkennen, ob und wann sie schlafen. Einige nehmen während ihrer Ruhephase eine charakteristische Körperhaltung ein: sie klemmen sich mit ihren Flossen in Felsspalten oder legen sich auf die Seite. Manche Aquarienbesitzer, die dieses Verhalten bei ihren Haustieren beobachten befürchten, die schlafenden Fische könnten krank sein.

Mit zunehmender Dunkelheit scheint das Riff wie leergefegt. Die Zeit der nachtaktiven Räuber ist gekommen. Die Muräne hat tagsüber in ihrer Höhle geschlafen und Energie für die nächtliche Jagd gesammelt. Wer jetzt noch keinen sicheren Schlafplatz gefunden hat, ist leichte Beute.

Riffhaie ruhen tagsüber

Weißspitzen-Riffhaie sammeln sich an der Abbruchkante, streifen auf Beutejagd über das Riff. Auch sie haben tagsüber geruht. Allerdings nicht völlig bewegungslos: die großen aktiven Schwimmer müssen sozusagen schlafwandeln, damit sauerstoffreiches Wasser mit genügend Druck ihre Kiemen umspült. Während sie langsam weiterschwimmen, arbeitet jeweils eine Gehirnhälfte im Energiesparmodus. Anders als Säugetiere sind Fische im Schlaf nicht völlig weggetreten. Gehirnstrommessungen haben gezeigt, dass sie zwar ihre Aufmerksamkeit deutlich reduzieren, aber in keine Tiefschlafphase fallen.

Mit dem Morgengrauen kommt wieder Leben in die Gemeinschaft am Riff: Der Schwarm Riffbarsche schwimmt zur Planktonjagd wieder ins offene Wasser. Auch der Golden Blenny schlüpft zur Futtersuche wieder aus seiner Auster. Jetzt ist Ruhezeit für die nachtaktive Muräne, die sich zum schlafen tief in eine dunkle Felsspalte zurückzieht.

Sandra Klösges

Letzte Änderung am: 10.07.2007, 17.55 Uhr