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Alltagswissen Woher kommen eigentlich die Fruchtfliegen?

aus der Sendung vom Donnerstag, 5.10.2006 | 22.01 Uhr | SWR Fernsehen

Jeder kennt sie, keiner mag sie - die winzigen Fliegen, die im Sommer gerne die Küche und später schnell auch den Rest der Wohnung in Beschlag nehmen. Für die kleinen Plagegeister gibt es unterschiedliche Bezeichnungen, weil ihr "bürgerlicher" Name niemandem so recht über die Lippen will: Drosophila melanogaster - besser bekannt als Tau-, Essig- oder Fruchtfliege. Doch woher kommt diese Fliege eigentlich?

Oft schwirren die Fruchtfliegen von draußen rein, angelockt vom Essiggeruch überreifer Früchte. Schon aus vielen Metern Entfernung kann "Drosi" riechen, wenn irgendwo etwas faul ist. Doch damit nicht genug: Genauso häufig ist sie unser Gast ohne dass wir es merken - und zwar in unseren Einkaufstüten. Denn noch bevor das Obst auf den Markt kommt, wird es zur Kinderstube der kleinen Fliegen. Aus Hunderten von Eiern entwickeln sich Larven, und die fressen sich im Fruchtfleisch dick und rund. Zu sehen ist von dem Getümmel nichts, und so kommt es wie es kommen muss: Die kleinen Würmchen werden zur Fleischeinlage.

Ursprüngliche Heimat: die Tropen

Oder aber der Fliegennachwuchs hat Glück, verpuppt sich und wird zur erwachsenen Fliege. Vorausgesetzt es ist warm genug. Ursprünglich kommt Drosi nämlich aus den Tropen und entwickelt sich besonders schnell bei 25 Grad. Aus einem Fliegenpaar können so in nur einem Monat Hunderttausende werden. Kein Wunder, dass Drosophila nur wenig Freunde hat ...

... außer in der Wissenschaft. Die Forscher haben die Fliege genau unter die Lupe genommen und gesehen: Sie ist uns sehr ähnlich ? molekularbiologisch gesehen. Viele ihrer Gene finden sich auch beim Menschen. Und da sie sich leichter halten lässt und eindeutig mehr Nachkommen produziert als wir, wurde sie zum Star der Genetiker. Indem die Wissenschaftler das Erbgut der winzigen Fliegeneier manipulierten, konnten sie etwa zeigen, welche Gene für die Entwicklung eines Lebewesens nötig sind, und wie Parkinson entsteht. Für die Forschung mit Drosophila gab's sogar schon einen Nobelpreis - und so ist ihr Platz im Labor das Jahr über sicher.

In der freien Wildbahn zum Glück nicht. Sobald es draußen kühler wird, läuft die Fliegen-Produktion auf Sparflamme und im Winter sieht man sie fast gar nicht mehr. Wohin genau sich die kleinen Fliegen verziehen, ist ein Rätsel. Sicher ist aber: Nächstes Jahr sind sie wieder da ...

Lena Ganschow

Letzte Änderung am: 17.07.2007, 18.09 Uhr

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