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Fernsehen im SWR

"Blinde Passagiere" im Päckchen Neozoen: Ein Tag am Flughafen

aus der Sendung vom Donnerstag, 29.6.2006 | 22.02 Uhr | SWR Fernsehen

Was in den Meeren schwimmt oder krabbelt, kann der Mensch nur begrenzt steuern. Etwas einfacher ist das mit Pflanzen oder Tieren, die mit dem Flugzeug beziehungsweise auf dem Postweg zu uns kommen. Fachleute schätzen, dass allein an deutschen Flughäfen jährlich über 100 fremde Arten ankommen - oft als "blinde Passagiere". Und so versuchen Kontrolleure beispielsweise in der Postzentrale des Frankfurter Flughafens, das Einwandern der Bioinvasoren via Päckchen zu verhindern.

Ein geöffnetes Päckchen mit weißem Polstermaterial auf dem sich lauter kleine Insekten befinden

Bei einem Verdacht wird das Paket geöffnet

Fast jedes Postpaket aus dem Ausland kommt am Zoll des internationalen Postfrachtzentrums des Frankfurter Flughafens an und muss dann natürlich genauestens nach den deutschen Einreisebestimmungen kontrolliert werden. Und zwar vom Zoll. Deshalb sitzen sich jeweils ein Postangestellter und ein Zöllner gegenüber. Bei einem Verdacht gibt der Zoll die Anweisung, und die Post öffnet das Paket. Allerdings sind bei der Masse an Sendungen nur Stichproben möglich.

Überall lauert Illegales

Und überall lauert Illegales, sogenannte VBs: Verbotenes und Sendungen mit Einreisebeschränkungen. Stossen die Zöllner in einem Päckchen auf etwas Verdächtiges, wird die Sendung zur weiteren Untersuchung an Spezialisten übergeben.

In vielen Paketen reisen heimlich - ob VB oder ganz legal - auch noch blinde Passagiere mit die großen Schaden anrichten können, und nur schwer aufzuhalten sind: Bioinvasoren. Und die sind Meister der Tarnung, weiß Zöllner Hartmut Steinert: "(...) In anderen Sendungen kann es vorkommen, das ist üblich, dass sich in der Verpackung, beziehungsweise in Hohlräumen der Verpackung, während des Transports irgendwelche Lebewesen einnisten, die dann unter Umständen hier zu einer Gefahr der heimischen Tier- und Pflanzenwelt werden können."

Vieles bleibt unentdeckt

Beim Zoll gibt es keine Steckbriefe für die zoologischen oder botanischen Einwanderer. Vieles was in den Sendungen noch mitkommt bleibt unentdeckt. Auch, weil die Verstecke der Einwanderer oft genial sind. Aus der Ritze eines Kartons aus Mexiko zum Beispiel könnten ungesehen mögliche Schädlinge wie der Kartoffelkäfer entkommen. Nach ihrer langen Reise suchen sie erst einmal Schutz und machen sich dann auf den Weg in die neue Freiheit, vielleicht ins nächste Kartoffelfeld. Dabei wissen in den meisten Fällen weder Sender noch Empfänger, dass möglicherweise Schädlinge an Bord sind.

Bei 20.000 Sendungen pro Tag, von denen höchstens 100 stichprobenartig geprüft werden können, führen die Zöllner einen aussichtslosen Kampf gegen die Bioeindringlinge. Ein Glück nur, dass von den 100 Arten, die pro Jahr ankommen, maximal eine wirklich gefährlich wird.

Christoph Goldbeck

Letzte Änderung am: 16.07.2007, 16.28 Uhr