Nicht alle waren MörderSüdwestrundfunk | SWR.deDas Erste
Schild einer Arztpraxis mit Aufkleber: Achtung Jude! Besuch verboten. (Quelle: dpa/Picture Alliance)

"Sie waren mutig, sie waren einsam."

Johannes Rau über die "stillen Helfer"

Glossar

In diesem Glossar sind Begriffe erläutert, die für das Verständnis der Inhalte auf dieser Website wichtig sind. Ein umfassendes Lexikon zum Nationalsozialismus soll es nicht ersetzen. Tipps für weiterführende Informationen finden Sie in unserer Literaturliste.

"Arier"

Im Nationalsozialismus die Bezeichnung für eine angebliche "arische" oder "nordische Menschenrasse", welche allen anderen Völkern überlegen wäre und diese beherrschen sollte. Der Begriff war in rassistischen Theorien des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt worden. Farbige und andere Menschengruppen galten nach diesen Lehren als "minderwertig", Juden sollten als "Feinde der Arier" bekämpft werden. Der Nationalsozialismus baute auf diesen Irrlehren auf und sah in den Deutschen die Vorhut eines neuen, weltbeherrschenden "Ariertums". Sie sollten sich nicht mit anderen "Rassen" mischen. Sowohl für Beamte als auch bei Mitgliedschaften in Vereinen und Organisationen wurde der Nachweis einer "arischen Abstammung" ("Ariernachweis") Pflicht.

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Antisemitismus

Rassistisch, nicht vorrangig religiös geprägte Abneigung und Feindseligkeit gegenüber Juden. Der Antisemitismus war ein fester Bestandteil der nationalsozialistischen Weltanschauung. Die Nationalsozialisten schürten die bestehende Judenfeindschaft der Bevölkerung und nutzten sie aus, um jüdische Bürger zu verfolgen und aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Als "jüdisch" wurden alle Menschen mit jüdischen Vorfahren, nicht allein Personen jüdischen Glaubens definiert und verfolgt. Schließlich führte der propagierte Hass zur Entscheidung des NS-Regimes, alle europäischen Juden systematisch zu ermorden.

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"Asoziale"

Abwertende Bezeichnung für Personen, die sich den üblichen Verhaltensmustern einer Gesellschaft nicht anpassen können oder wollen. Im Dritten Reich wurden diejenigen Menschen als "asozial" bezeichnet, die in den Augen der Nationalsozialisten "das Leben der Volksgemeinschaft störten". Dazu zählten unter anderen Wohnungslose, Bettler, Fürsorgeempfänger, "Arbeitsscheue", Alkoholiker, allein Erziehende und Prostituierte. Zahllose Menschen, die in diesem Sinne als "asozial" galten, wurden verfolgt, in Konzentrationslagern interniert und zwangssterilisiert.

BBC – Deutscher Dienst

Programm des britischen Rundfunksenders British Broadcasting Corporation (BBC). Im September 1938 sendete die BBC erstmals auf Deutsch. Die BBC wollte der Propaganda der Nationalsozialisten entgegenwirken und die deutsche Bevölkerung über den wahren Kriegsverlauf und die Verbrechen des NS-Regimes aufklären. Während des gesamten Krieges sendete der Londoner Rundfunk mehrere Stunden täglich Nachrichten, politische Kommentare und Sendefolgen, die vertriebenen oder geflohenen deutschen Künstlern die Möglichkeit gaben, aus dem Exil auf ihre Landsleute zu wirken. Die nationalsozialistischen Behörden erklärten die BBC zum "Feindsender", das Hören des deutschsprachigen Dienstes konnte im Dritten Reich mit Haft und sogar mit dem Tod bestraft werden.
Der Deutsche Dienst der BBC sendete auch nach Kriegsende weiter und wurde 1999 eingestellt.

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Deportation

Allgemein die Verschleppung oder Verbannung von einzelnen Personen oder ganzen Gruppen aus politischen Gründen, im Krieg oder als Strafmaßnahme. Im Zweiten Weltkrieg deportierten die Nationalsozialisten Juden und andere aus ihrer Sicht unerwünschte Bevölkerungsgruppen in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager oder an andere Stätten des Massenmordes. Ebenfalls deportierten sie Millionen Kriegsgefangene und Zivilisten aus ihren Heimatländern, um sie in Lager und als Zwangsarbeiter nach Deutschland zu bringen.

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"Fabrik-Aktion"

Letzte große Razzia gegen die jüdische Bevölkerung im nationalsozialistischen Deutschland. Vom 27. Februar 1943 an sollten auch Juden deportiert werden, die bisher als Zwangsarbeiter vor der Verschleppung bewahrt worden waren. Schwerpunkt der "Fabrik-Aktion" war Berlin. Dort wurden tausende Juden an ihren Arbeitsplätzen, in ihren Wohnungen oder auf der Straße verhaftet und in Sammellager gebracht. In den folgenden Tagen deportierte die Gestapo rund 7.000 Berliner Juden in das KZ Auschwitz. Insgesamt wurden fast 11.000 Juden während der "Fabrik-Aktion" nach Auschwitz verschleppt.

Gestapo

Abkürzung für die geheime Staatspolizei während der nationalsozialistischen Herrschaft. Die Gestapo wurde 1933 gegründet und sollte die Gegner des NS-Regimes ausfindig machen und "ausschalten". Auch ohne richterliche Kontrolle konnte sie Hausdurchsuchungen durchführen und Menschen in Konzentrationslager inhaftieren. Wegen ihrer willkürlichen und unmenschlichen Gewalt wurde die Gestapo schon bald zu einem gefürchteten Instrument des nationalsozialistischen Terrors. Die oberste Leitung lag seit 1934 beim Befehlshaber der SS, Heinrich Himmler. Mit seiner Ernennung zum "Chef der deutschen Polizei" im Jahr 1936 wurde die gesamte deutsche Polizei unter die Kontrolle der SS gebracht.

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"Gleichschaltung"

Begriff, der im Nationalsozialismus für die Zentralisierung und flächendeckende Angleichung aller gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche an die NSDAP stand. Die "Gleichschaltung" begann im Frühjahr 1933: Den Einparteienstaat besiegelten die Nationalsozialisten mit dem Verbot bzw. der Selbstauflösung aller anderen Parteien. Die deutschen Länder verloren ihre politische Eigenständigkeit. Auf allen Ebenen der Gesellschaft wurden Verbände und Vereine zwangsweise aufgelöst, verboten oder in Organisationen der NSDAP überführt. "Gleichschaltung" bedeutete auch die Entlassung von "Unzuverlässigen" und "Nicht-Ariern" aus der Beamtenschaft und anderen höheren Positionen, zuerst auf politischer Ebene, später auch in den verschiedensten anderen Bereichen. Ziel der "Gleichschaltung" war die Verschmelzung von Partei und Staat.

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"Greifer"

Bezeichnung für die jüdischen Fahnder, die für die Gestapo arbeiteten. Um selbst der Deportation zu entgehen, suchten sie andere untergetauchte Juden und lieferten sie der Gestapo aus. Die von ihnen gejagten versteckt lebenden Juden gaben den Fahndern den Namen "Greifer". In Berlin waren zwischen 1943 und 1945 etwa 30 jüdische Spitzel eingesetzt. Viele von ihnen wurden nach einiger Zeit ebenfalls deportiert. Mehrere wurden nach dem Krieg vor Gericht gestellt.

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Hitlerjugend (HJ)

Jugendorganisation der NSDAP. Die HJ wurde 1926 in Weimar gegründet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden sämtliche konkurrierenden Jugendverbände verboten und die HJ zum alleinigen Staatsjugendverband aufgebaut. Für alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren war die Mitgliedschaft in der HJ ab 1939 Pflicht. Sie konnte auch ohne das Einverständnis der Eltern erzwungen werden. Die Aufgabe der Hitlerjugend bestand darin, die Jugendlichen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu erziehen. Zur HJ gehörten auch die Kinderorganisationen für 10- bis 14-Jährige sowie der "Bund deutscher Mädel".

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