Nicht alle waren MörderSüdwestrundfunk | SWR.deDas Erste
SA-Männer kleben Plakate, die zum Boykott eines jüdischen Geschäfts aufrufen (Quelle: dpa/picture alliance)

"Diese Hilfe war riskant, manchmal sogar lebensbedrohlich."

Jo Baier

Flucht statt Deportation

"Kauft nicht bei Juden"

Die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus dem Berufsleben

Die Herrschaft der Nationalsozialisten beginnt für die jüdische Bevölkerung mit Gewalt: SA-Trupps plündern jüdische Geschäfte, misshandeln die Inhaber, verwüsten Synagogen. Doch weil der Terror des neuen Regimes im In- und Ausland auf heftige Kritik stößt, probieren die Nationalsozialisten einen zweiten, „leisen“ Weg aus: Sie verpacken den Antisemitismus in Gesetze und Verordnungen, die zunehmend verschärft werden.

Die jüdische Bevölkerung soll aus dem Arbeitsleben verdrängt werden. Den Anfang macht das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ am 7. April 1933 mit dem so genannten „Arierparagraphen“: „Nichtarische“ Beamte sind ab sofort im öffentlichen Dienst nicht mehr geduldet. Als „nichtarisch“ gilt, wer einen jüdischen Eltern- oder Großelternteil hat. Zunächst sind langjährige Beamte und Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs von diesem Berufsverbot noch ausgenommen.

Nach und nach hält der „Arierparagraph“ in anderen Bereichen Einzug. Wer keine „arische“ Abstammung nachweisen kann, wird nicht nur in Sportvereinen, sondern auch in der Wehrmacht und bei Hochschulprüfungen ausgeschlossen. Jüdische Künstler, Ärzte, Rechtsanwälte dürfen nicht mehr arbeiten.

Auch immer mehr jüdische Betriebe werden „arisiert“. Zum Teil müssen die jüdischen Inhaber ihre Geschäfte zwangsweise „arischen“ Käufern überlassen, teilweise verkaufen sie freiwillig - meistens zu einem Spottpreis. Geschäfte jüdischer Inhaber werden gebrandmarkt: Auf die Schaufensterscheiben ist das Wort „Jude“ oder der Davidstern aufgemalt. Nach der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 werden alle Geschäfte und Handwerksbetriebe geschlossen, deren Besitzer jüdisch sind.

Damit ist die jüdische Bevölkerung endgültig aus dem Wirtschaftsleben ausgeschlossen. Stattdessen werden von Dezember 1938 an nach und nach fast alle arbeitsfähigen jüdischen Männer und Frauen zur Zwangsarbeit verpflichtet und müssen für einen Hungerlohn oft körperlich hart arbeiten.

Auch der Zugang zur Bildung wird Juden systematisch versperrt. Ab Mitte November 1938 dürfen jüdische Kinder keine staatlichen Schulen mehr besuchen. 1942 werden schließlich alle jüdischen Schulen geschlossen.

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