Nicht alle waren MörderSüdwestrundfunk | SWR.deDas Erste
Personenkontrolle auf der Straße (Quelle: dpa/picture alliance/akg-images)

"Diese Hilfe war riskant, manchmal sogar lebensbedrohlich."

Jo Baier

Familie Teuber

Wenn Opfer zu Tätern werden

Jüdische Spitzel

Unter den versteckt lebenden Juden in Berlin heißen sie „Greifer“: die jüdischen Spitzel der Gestapo. Sie sind die gefährlichste Waffe der Nationalsozialisten bei der Jagd auf die jüdische Bevölkerung. Denn sie kennen das Leben im Untergrund: Es sind meist selbst ehemals untergetauchte Juden, die sich nach ihrer Verhaftung von der Gestapo instrumentalisieren lassen.

Seit 1943 gibt es diesen so genannten „Fahndungsdienst“, der aus etwa 30 Juden besteht. Sein Hauptquartier ist das Sammellager der Gestapo in der Großen Hamburger Straße in Berlin-Mitte, später das jüdische Krankenhaus in Berlin-Wedding. Von hier aus schickt man verhaftete Juden in die Vernichtungslager.

Wer sich als jüdischer Spion anwerben lässt, dem wird in Aussicht gestellt, dass er und seine Familie von der Deportation zurückgestellt werden. Wie lange allerdings, das ist von der Willkür der Beamten abhängig. Jederzeit kann auch ein „Greifer“ auf der Liste für den nächsten Transport ins Konzentrationslager stehen.

Die jüdischen Spitzel wollen überleben – um jeden Preis. Und so werden sie zu Werkzeugen der Gestapo. Die „Greifer“ verhaften Juden, die von Gefangenen im Lager oder Denunzianten aus der Bevölkerung verraten werden.

Aber sie sind auch ohne speziellen Auftrag unterwegs. Sie observieren die Straßen in ihrem „Revier“, suchen in Straßenbahnen nach Untergetauchten und besuchten gezielt Cafés oder Gaststätten, die als Treffpunkte illegal lebender Juden bekannt sind. Denn die „U-Boote“ halten sich bevorzugt an öffentlichen Plätzen auf, wo sie besser in der Menge untertauchen können.

Die jüdischen Fahnder besitzen amtliche Ausweise der Gestapo. Sie sind berechtigt, ihre Opfer auch selbst festzunehmen und in die Große Hamburger Straße zu bringen – was für diese den sicheren Tod bedeutet.

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