
"Diese Hilfe war riskant, manchmal sogar lebensbedrohlich."
Jo Baier
Die anderen Retter
Ob materielle Forderungen, harte Arbeit oder sexuelle Gegenleistungen als Auflage: Die Menschen, die Juden im Dritten Reich das Leben retten, tun das nicht immer aus Selbstlosigkeit oder Mitleid. Viele wollen von ihrer Hilfe profitieren. Sie nutzen die Verzweiflung der Untergetauchten aus, die ihnen ausgeliefert sind.
Auch sie werden für die Untergetauchten zu Rettern – wenngleich die „U-Boote“ bei ihnen unter schwierigen Bedingungen leben. Eine Überlebende berichtet, dass sie in ihrem Versteck in Haus und Garten bis zur Erschöpfung arbeiten musste, täglich 16 Stunden. Eine Pfarrfrau, die ihr ebenfalls hilft, erwartet, dass sie als Dank zum Christentum übertritt.
In einem anderen Fall bezahlen die illegalen Untermieter die komplette Wohnungsmiete für ihre Helferin mit. Auch Demütigungen und offener Antisemitismus begegnen den „Illegalen“ in manchen Verstecken.
Oft sind es nicht die ehrenwerten Bürger, die den Juden Unterschlupf bieten. Solidarisch zeigen sich auch Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Viele von ihnen sind es gewohnt, sich der Obrigkeit zu widersetzen – sie haben Ärger mit nicht bezahlten Rechnungen oder Mieten, werden vom NS-Regime als „Asoziale“ nicht nur ausgegrenzt, sondern auch selbst verfolgt.
Ein Jude beschreibt seine Retterin als eine eigenartige Frau, die als Lumpensammlerin ihr Geld verdient und seit vielen Jahren isoliert lebt. Viele Verfolgte finden Unterkunft im Bordell. Meistens bleiben diese Helfer namenlos. Die einen, weil sie keinen Grund haben, sich in den Vordergrund zu drängen – wenn sie sich zum Beispiel ihre Hilfe teuer bezahlen ließen. Die anderen, weil sie auch nach dem Krieg abseits der Gesellschaft stehen.