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Thema 8 Raus aus dem Rollstuhl

aus Die große Show der Naturwunder vom Dienstag, 1.11.2011 | 21.45 Uhr | SWR Fernsehen

Rollstuhlfahrerin

Für die meisten von uns ist es kaum vorstellbar, plötzlich nicht mehr laufen zu können. Die einfachsten Dinge des Alltags werden auf einmal zur großen Herausforderung. Doch für viele ist das die traurige Realität. Allein in Deutschland erleiden jedes Jahr rund 1000 Menschen eine Querschnittslähmung.

Bisher bedeutete dies für die Betroffenen meist für den Rest ihres Lebens an den Rollstuhl gefesselt zu sein. Von heute auf morgen werden Treppen zu unüberwindbaren Hindernissen, ein normaler Alltag ist plötzlich undenkbar. Doch nun gibt es Hoffnung für viele Gelähmte. Der Israeli Amit Goffer – selbst querschnittsgelähmt – hat eine bahnbrechende Erfindung entwickelt: Eine Art Außenskelett ermöglicht es gelähmten Menschen wieder zu gehen.

In „Die große Show der Naturwunder“ begrüßten Frank Elstner und Ranga Yogeshwar den querschnittsgelähmten Radi Kaiof aus Israel. Er ist einer der Ersten, der das neuartige Gerät verwenden darf. Herr Kaiof sitzt seit 20 Jahren im Rollstuhl. Kurz vor Ende seines Militärdienstes wurde er bei einem Angriff von drei Kugeln getroffen – eine verletzte das Rückenmark und veränderte alles. Seitdem er nun mit dem neuen Außenskelett trainiert, kann er wieder auf Augenhöhe am normalen Leben teilnehmen.

Das Laufgerät besteht aus Beinschienen und einem Rucksack und kann in nur wenigen Minuten angelegt werden. Die Beinschienen simulieren die menschliche Laufbewegung. An Hüfte und Unterschenkel befinden sich Module, die mit Motoren und Elektronik ausgestattet sind. Am Kniegelenk und an der Hüfte sind sie durch ein Getriebe miteinander verbunden. Im Rucksack ist die Steuerungseinheit untergebracht – ein kleiner Computer. Ein Sensor an der Hüfte sorgt dafür, dass der Patient das System steuern kann. Beugt er sich ein wenig nach vorne, wird dies vom Sensor erkannt. Dieses Signal wird an den Computer weitergeleitet, verarbeitet und führt zu einem Schritt. Geht der Patient mit dem Oberkörper etwas zurück, hält er wieder an. Der Anwender wird zwar bewegt, kontrolliert aber immer was passiert. Über eine kleine Fernbedienung am Handgelenk kann er außerdem zwischen verschiedenen Bewegungsabläufen wechseln. So können Betroffene aufstehen, sich hinsetzen und sogar Treppen steigen!

Im Studio zeigte Radi Kaiof die ganze Bandbreite der Entwicklung. Souverän bewegte er sich durchs Studio und meisterte sogar Treppenstufen. Um das Gerät so sicher zu beherrschen, sind einige Wochen Training erforderlich. Auch muss man erst das nötige Vertrauen in die Technologie aufbauen. Die Entwickler vergleichen den Lernprozess mit Fahrradfahren.

Grundsätzlich ist das Gerät für alle Betroffenen geeignet, deren untere Extremitäten gelähmt sind. Voraussetzung sind allerdings zwei gesunde Arme und Hände, da man Krücken zur Stabilisierung benötigt. Tragischerweise profitiert der Erfinder selbst deshalb nicht von seiner Entwicklung, denn auch seine Arme sind durch die Lähmung beeinträchtigt. Aber er gibt die Hoffnung nicht auf.

Momentan wird die Technologie schon in europäischen Reha-Kliniken zur Therapie eingesetzt. Bereits Ende dieses Jahres soll das Gerät aber auch für den privaten Gebrauch zur Verfügung stehen.

Letzte Änderung am: 08.08.2011, 15.29 Uhr

Mann schaut auf Testbild Sendetermine

10. Juni 2012
20:15 Uhr, MDR
Wiederholung vom 1. September 2011

4. Juli 2012
20:15 Uhr, RBB
Wiederholung vom 11. August 2011

11. Juli 2012
20:15 Uhr, RBB
Wiederholung vom 1. September 2011

19. Juli 2012
20:15 Uhr, im Ersten

16. August 2012
20:15 Uhr, im Ersten

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