aus Die große Show der Naturwunder vom Dienstag, 1.11.2011 | 21.45 Uhr | SWR Fernsehen

Lärmschwerhörigkeit ist mit fast 10.000 gemeldeten Fällen pro Jahr die häufigste Berufskrankheit. Schon eine Dauerbelastung ab 60dB belastet die Gesundheit stark. Wenn man sich in Schulklassen umhört, wo Lehrer und Schüler täglich hart arbeiten, sind solche Lautstärken keine Seltenheit.
Lärm kann krank machen und besonders bei Unterricht in Kleingruppen steigt die Lautstärke stark an. Doch wer in der Gruppe lernt, stärkt seine Selbstständigkeit und das logische Denken. Nicht umsonst gehört beispielsweise in skandinavischen Ländern, die in der PISA-Studie regelmäßig gut abschneiden, die Gruppenarbeit zum alltäglichen Unterrichtsmodell. Die Vorteile des Gruppenunterrichts lassen sich nutzen, wenn Räume mit einer optimalen Schalldämmung ausgestattet sind.
Im großen Naturwunderexperiment arbeiteten zwei Schulklassen in zwei identisch geschnittenen Räumen. Ein Raum war mit Schallabsorbern ausgestattet, der andere nicht. Nach einer Phase der Gruppenarbeit wurden die Schüler über vorher verarbeitete Fakten befragt – die Schüler im schallgedämmten Raum konnten sich 25% besser an die Fakten erinnern.

Im Experiment zeigte sich außerdem, dass sich die Schallabsorber auch auf das Sozialverhalten der Schüler auswirkten. Im gedämmten Raum herrschten durchschnittlich 65dB, etwa die Lautstärke einer Nähmaschine – dieser Wert blieb konstant. Im normalen Raum wurde es im Verlauf des Experiments immer lauter und im Durchschnitt war es 78dB laut – wie ein Rasenmäher! Das ist der so genannte Lombard-, oder Kneipeneffekt. Weil der Schall im ungedämmten Raum länger verbleibt und es dadurch laut ist, haben die Kinder das Gefühl, lauter sprechen zu müssen, um verstanden zu werden. Wer in ruhiger Atmosphäre lernt, kann sich besser konzentrieren und arbeitet effektiv.
Letzte Änderung am: 08.08.2011, 15.24 Uhr