aus Die große Show der Naturwunder vom Donnerstag, 6.1.2011 | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen

Um Wölfe ranken sich zahlreiche Mythen. Nicht erst seit Rotkäppchen halten wir Wölfe für aggressiv und äußerst gefährlich. Ob wir damit diesen faszinierenden Tieren unrecht tun? Ranga Yogeshwar wollte es genau wissen: Für „Die große Show der Naturwunder“ wagte er sich zu einem Rudel Wölfe. Gemeinsam mit Wolfsexperte Zóltan Horkai ging er in den ungarischen Wäldern auf riskante Tuchfühlung mit den Furcht einflössenden Raubtieren.
Jahrtausende lang waren Wölfe auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet und auch in Deutschland keine Seltenheit. Erst mit Beginn der Viehhaltung wurden Wolf und Mensch zu erbitterten Konkurrenten. Harte Winter trugen dazu bei, dass Wölfe auch vor Nutztieren nicht Halt machten. Eine erbarmungslose Hetzjagd auf die Räuber des Waldes begann: vor 150 Jahren machte der Mensch schließlich dem letzten deutschen Wolf den Garaus. Dazu beigetragen haben auch Märchen und Legenden, die den Wolf als brutalen Menschenfresser darstellen.
Inzwischen erobern die Wölfe langsam ihre alte Heimat zurück. Aus den osteuropäischen Wäldern kommend, fühlen sie sich bisher vor allem in Brandenburg und Sachsen wohl. Heute leben in Deutschland wieder etwa 60 Wölfe, die streng geschützt und von Wissenschaftlern genau beobachtet werden. Seit einigen Jahren gibt es auch wieder deutschen Wolfsnachwuchs.
Ganz im Gegensatz zum Mythos der angriffslustigen Bestie, sind Wölfe jedoch extrem scheu. Der Mensch hat sie Jahrhunderte lang das Fürchten gelehrt und bekommt die Tiere deshalb in freier Wildbahn nur noch selten zu sehen.
Zóltan Horkai zählt zu den wenigen Wolfsexperten auf der Welt. Seine Tiere haben ihn als Rudelführer akzeptiert. Der „Alphamensch“ besitzt ihr ganzes Vertrauen. Auf seinem Gelände ist es auch für Ranga Yogeshwar möglich, den Wölfen hautnah zu begegnen. In Ungarn macht der Moderator beeindruckende Erfahrungen und bekommt ein ganz neues Bild von diesen stolzen Tieren.

Wölfe sind äußerst sozial und leben in engen Rudelverbänden. Die Rangfolge ist genau festgelegt und wird nur von den Mutigsten in Frage gestellt. Es fällt schwer zu glauben, aber bedrohlich wirkendes Zähnefletschen ist in den meisten Fällen eine Geste der Unterwürfigkeit. Auf diese Weise zeigen Wölfe einem ranghöheren Tier ihren Respekt.
Warum Wölfe heulen, ist bis heute nicht vollständig geklärt, hat aber wohl vor allem soziale Funktion. Eine Theorie besagt, dass Wölfe sich mit dem Geheul auf die Jagd in einer klaren Nacht einstimmen. Um über weite Strecken gehört zu werden, legen sie dabei den Kopf in den Nacken – und das sieht dann aus, als würden sie den Mond anheulen. Allerdings heulen Wölfe auch am helllichten Tag: wahrscheinlich kennzeichnen sie so ihr Revier und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb ihres Rudels. Und manchmal heulen Wölfe einfach, weil es ihnen gefällt.
Um Energie zu sparen, treten Wölfe vor allem im Winter mit ihren Hinterpfoten in die Spur ihrer Vorderpfoten, und jedes Tier tritt wiederum in die Spuren seines Vorgängers – so entsteht nur eine Spur, selbst wenn ein ganzes Rudel vorbeizieht. Das ist einer der Gründe für den Mythos vom einsamen Wolf.
Es gibt viele Missverständnisse, die es dem Wolf auch heute noch schwer machen. Um dennoch eine gemeinsame Zukunft für Mensch und Wolf zu sichern, wird inzwischen vor allem seitens der Umweltverbände aktive Aufklärungsarbeit betrieben.
Letzte Änderung am: 26.07.2010, 17.01 Uhr