aus Die große Show der Naturwunder vom Donnerstag, 6.1.2011 | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen
Wer mit wem und warum – diese Fragen beschäftigen Männer und Frauen seit Generationen. Auch für Wissenschaftler ist dieses Themengebiet ausgesprochen attraktiv, aber dennoch sind einige Fragen offen…
Im Tierreich sind die Besonderheiten der Partnerwahl ebenfalls gut erforscht. In den meisten Fällen suchen sich die Weibchen ein passendes Männchen aus. Bei vielen Tierarten stechen daher die Herren auffälliger ins Auge, als die Damen: Pfauenmännchen können ein Rad schlagen, Hirsche tragen ein imposantes Geweih, männliche Winkerkrabben haben eine bunt gefärbte, vergrößerte Schere und Löwen tragen eine imposante Mähne. Ansonsten gilt – der Stärkere setzt sich durch. Die Männchen veranstalten oft Kämpfe, um ihre Angebetete für sich zu gewinnen. Dabei schalten sie nicht nur einen Konkurrenten aus, sondern demonstrieren gleichzeitig ihre Stärke, die den Weibchen einen guten Nachwuchs verspricht.
Auch in uns Menschen steckt immer noch ein wenig Tier – das kommt besonders bei der Partnerwahl zum Vorschein. Von den vielfältigen Faktoren, die eine Rolle spielen, wenn wir unsere „bessere Hälfte“ suchen, hat „Die große Show der Naturwunder“ einen ganz besonders unter die Lupe genommen:
Die Situation ist alltäglich – Eine Frau läuft die Straße herunter, ein Mann dreht sich nach ihr um. Kurz hinterher gesehen, das passiert jeden Tag. Aber wo schauen Männer dann eigentlich hin, wenn sie einer Frau hinterher sehen? Für unseren Versuch haben wir Männer aus dem Naturwunderpublikum gebeten, sich Frauen von hinten anzuschauen – natürlich ganz im Dienste der Wissenschaft. Deshalb zeigten wir Bilder von Frauen, die alle dieselbe Kleidung trugen und alle in der gleichen Haltung fotografiert waren.
Um zu messen, wohin die Männerblicke wanderten, kam ein so genannter Eyetracker zum Einsatz. Das ist ein Computer, in dessen Bildschirm kleine Kameras integriert sind. Nach einer kurzen Einstellphase können diese Kameras den Blick jedes Mannes genau verfolgen und hinterher lässt sich sekundengenau sagen, auf welcher Stelle der Blick wie lang verweilt hat.
Das Ergebnis verblüffte, denn weder die Haare, noch die Beine, noch der Hintern unserer Modelle haben die Probanden begeistert. Die meisten Männer haben sich die Taille der Damen ganz genau angesehen. Im Schnitt schauten sie fast 25 Sekunden lang auf die Taillenregion, während die Haare sie nur 15, die Beine nur 8 Sekunden fesseln konnten.
Im Studio erklärte der Evolutionsbiologe Dr. Bernhard Fink von der Universität Göttingen, warum die Taillenregion so viel Aufmerksamkeit erhielt. Auch wenn Mann und Frau heute nicht nur aus Fortpflanzungsgründen zusammenfinden, ist der Gedanke an Nachkommen doch immer noch tief in uns verankert, denn wir wollen unser Genmaterial verbreiten. So prüfen Männer die potentielle Partnerin auch unbewusst auf Fruchtbarkeit. Dafür ist eben die Taille, bzw. das Verhältnis von Taille zu Hüfte ein sicheres Zeichen. Produziert eine Frau viel weibliches Sexualhormon Östrogen, wird ihre Hüfte im Verhältnis zur Taille breiter. Die schmale Taille kennzeichnet dabei eine gesunde, erwachsene, zeugungsfähige Frau. Der in der Kindheit noch eher gerade Körper produziert eben genug weibliche Hormone und zusätzliches Fett wird für die Schwangerschaft eingelagert. Weil mit dieser Frau am ehesten Nachwuchs gezeugt werden kann, gilt sie als schön.
In der Attraktivitätsforschung ist das Taille-Hüfte-Verhältnis gut analysiert. Es wird als Quotient errechnet, indem die Breite der Hüfte durch die Breite der Taille geteilt wird. In verschiedenen Studien hat sich herausgestellt, dass Frauen mit einem bestimmten Taille-Hüfte-Verhältnis attraktiver bewertet werden als andere. Dieser Quotient liegt bei 0,7 und ist weitestgehend unabhängig von der Gewichtsklasse. Viele Frauen, die in der Gesellschaft als attraktiv gelten, haben ebenfalls dieses Verhältnis von 0,7 – Marilyn Monroe, Sophia Loren, Twiggy und Paris Hilton gehören beispielsweise dazu. Das genau dieses Verhältnis so anziehend wirkt, ist in Männern ganz tief verankert. In einer Studie haben blinde Männer das Taille-Häfte-Verhältnis von Frauen ertastet – auch sie bewerteten durchschnittlich das 0,7 Verhältnis am attraktivsten, obwohl sie keinerlei visuellen Eindruck der Frauen hatten und nicht durch Schönheitsideale aus TV oder Zeitschriften geprägt sind.
Auch Frauen richten sich bei der Partnerwahl unbewusst nach der Fortpflanzungswahrscheinlichkeit – ihre Vorlieben wechseln im Laufe ihres Zyklus. Für „Die große Show der Naturwunder“ fragten wir Versuchsdamen zu verschiedenen Phasen ihres Zyklus mit Hilfe eines kleinen Films nach ihrem bevorzugten Männertyp. Im Experiment zeigten wir, dass das zarte Geschlecht während ihrer fruchtbaren Tage Männer mit besonders markanten Gesichtszügen bevorzugte. Solche maskulinen Attribute versprechen starken und gesunden Nachwuchs, da sie evolutionspsychologisch für einen hohen Testosteronspiegel stehen und damit eine höhere Fortpflanzungswahrscheinlichkeit signalisieren.

Das änderte sich während ihrer unfruchtbaren Tage: als sie nicht empfängnisbereit waren, entschieden sich die Versuchsdamen eher für Männer mit weiblicheren Attributen wie volle Lippen und zarte Haut. Während dieser Zeit suchen Frauen eher einen langfristigen Partner, der ein liebevoller Vater und treuer Beschützer sein kann – und Männern mit weicheren Gesichtzügen werden bessere Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben.
Übrigens ist der bevorzugte Männertyp nicht das Einzige, das sich im Laufe des weiblichen Zyklus ändert: Studien haben gezeigt, dass sich Frauen während der fruchtbaren Phase attraktiver kleiden, eher schminken und sogar öfter ausgehen! Das alles geschieht völlig unbewusst.
Selbstverständlich spielen bei der Partnerwahl auch noch andere Faktoren eine entscheidende Rolle – der Gesamteindruck zählt… und der kommt nicht nur durch Äußerlichkeiten zu Stande! Abgesehen davon können natürlich auch Frauen gesunde Kinder bekommen, die kein Taille-Hüfte-Verhältnis von 0,7 haben!
Letzte Änderung am: 26.07.2010, 16.36 Uhr