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Thema 8 Speisefische - ohne Reue genießen

aus Die große Show der Naturwunder vom Mittwoch, 29.12.2010 | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen

Zuordnungsspiel "Speisefisch"

Jeder Deutsche isst pro Jahr etwa 16 kg Fisch – damit liegen wir im europäischen Vergleich eher auf den hinteren Plätzen: Portugiesen bringen es auf beeindruckende 56 kg pro Kopf und Jahr! Aber auch in Deutschland steigt der Verbrauch stetig an – seit den 70er Jahren sogar um 50 Prozent! Weltweit werden jährlich 85 Millionen Tonnen Fisch verspeist, 60 Millionen Tonnen davon stammen bereits aus Zuchten. Aber nur die wenigsten werden wissen, wo unser Speisefisch ursprünglich herkommt. Auf einige Arten sollte man sogar ganz verzichten, da ihre Bestände durch Überfischung bedroht sind.

Vor unserer eigenen Küste fühlt sich die Seezunge wohl. Sie gehört zu den Plattfischen und lebt vor allem in der Nordsee – und dort am liebsten im Wattenmeer. Um sich vor Feinden zu schützen, hat die Seezunge eine ausgeklügelte Strategie entwickelt: wird sie angegriffen, imitiert sie das hochgiftige Petermännchen, indem sie ihre rechte Brustflosse steil aufstellt. Da sie sehr kälteempfindlich ist, zieht sich die Seezunge im Winter in tiefere Meeresregionen zurück, wo es noch Bereiche mit wärmerem Wasser gibt.

Seezunge wird nicht in besonders großen Mengen gefischt, sondern von Feinschmeckern als (kostspielige) Delikatesse geschätzt. Sie ist eine der ältesten bekannten Speisefische überhaupt. Da der Fang von Seezungen gut kontrolliert ist, besteht keine Gefahr für die kleinen Bestände.

Anders sieht das beim Rotbarsch aus: Die Verbraucherzentrale rät, ihn lieber von der Speisekarte zu streichen, da er mit Grund-Schleppnetzen gefangen wird, die den Meeresboden – und damit empfindliche Lebensräume – nachhaltig zerstören! Außerdem wächst dieser Fisch sehr langsam, da er bis zu 50 Jahre alt werden kann – das bedeutet, dass sich seine Bestände nur sehr schwer von der Fischerei erholen. Rotbarsch gilt als massiv überfischt. Er hat außer einer gewissen Ähnlichkeit übrigens nichts mit den Barschen zu tun. Als Raubfisch hält er sich in arktischen Gewässern in Tiefen von bis zu 1000 m auf und bringt lebende Jungtiere zur Welt.

Auch der Alaska-Seelachs liebt, wie sein Name vermuten lässt, die Kälte. Er deckt 25 Prozent unseres Speisefisch-Verbrauchs und lebt im nördlichen Pazifik in der Bering-See und im Golf von Alaska. Der Nordost-Pazifik gilt derzeit als noch nicht überfischt: von dort stammende Bestände sind vom Marine Stewardship Council zertifiziert – das MSC-Siegel steht für nachhaltigen Fischfang. Einige Umweltorganisationen befürchten trotzdem, dass die Bestände bereits zu niedrig sind, um der Fischerei zu trotzen. Übrigens verbirgt sich unter der Panade unserer Fischstäbchen meist der Alaska-Seelachs.

Seit einigen Jahren verwendet man hierfür aber immer häufiger Pangasius. Der Wels ist ein Süßwasserfisch und lebt in den Flüssen und Seen Südostasiens, hauptsächlich im Mekong. Dort legt er weite Wanderungen über mehrere Hundert Kilometer zurück, um zu seinen Laichgründen zu gelangen. Pangasius ist in den letzten Jahren zum neuen Volksfisch avanciert und wird vor allem in Vietnam stark gezüchtet und weltweit vermarktet. 2008 wurden schon über 1 Million Tonnen exportiert. Die Pangasius-Zucht gehört zu den am schnellsten wachsenden Aquakulturen weltweit und ist daher nicht ganz unproblematisch. Man weiß z.B. noch nichts über die Auswirkungen auf das Ökosystem des Mekong. Wer sicher gehen will, sollte sich laut WWF an Bio-Pangasius halten oder Flussfische essen, die in unseren heimischen Gewässern vorkommen.

Wer gerne am Mittelmeer Urlaub macht, kennt die Dorade. Bei diesen Fischen gibt es keine weiblichen und männlichen Tiere, denn Doraden sind Zwitter. Sie werden häufig in Aquakulturen gezüchtet, was Auswirkungen auf die Umwelt haben kann: die entstehenden Fäkalien gelangen hier geballt ins Meer, und durch die beengten Verhältnisse müssen immer wieder Antibiotika und andere Medikamente eingesetzt werden. Die Verbraucherzentrale stuft den Verzehr von Doraden daher als bedenklich ein.

Vor dem Genuss von Fisch sollte man sich also besser informieren. Die großen Umweltverbände haben zu diesem Zweck Einkaufsratgeber im Taschenformat herausgegeben. Diese kann man sich bequem im Internet herunterladen. Inzwischen gibt es sogar Programme für Handys, die den Verbraucher zuverlässig beraten.

Letzte Änderung am: 21.07.2010, 12.27 Uhr

Mann schaut auf Testbild Sendetermine

10. Juni 2012
20:15 Uhr, MDR
Wiederholung vom 1. September 2011

4. Juli 2012
20:15 Uhr, RBB
Wiederholung vom 11. August 2011

11. Juli 2012
20:15 Uhr, RBB
Wiederholung vom 1. September 2011

19. Juli 2012
20:15 Uhr, im Ersten

16. August 2012
20:15 Uhr, im Ersten

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