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Thema 7 Placebo: Die Macht des Glaubens

aus Die große Show der Naturwunder vom Samstag, 11.9.2010 | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen

Ein Kind fällt hin und schlägt sich das Knie auf. Weinend läuft es zu seiner Mutter, die ein buntes Pflaster auf das schmerzende Knie klebt. Das Erstaunliche: Das Pflaster hilft dem Kind wirklich – die Schmerzen verschwinden. Ein klassischer Fall des Placeboeffekts! Auch Kopfschmerztabletten wirken schon bevor der eigentliche Wirkstoff überhaupt seine Wirkung entfalten kann. Solche und andere Beispiele gibt es viele.

Unter Placebos versteht man wirkstofffreie Substanzen, die trotzdem eine Wirkung haben. „Die große Show der Naturwunder“ machte den Test und fand heraus wie groß die Wirkung sein kann.

Unterstützt von einem der führenden Placebo-Experten Deutschlands, Prof. Manfred Schedlowski von der Uniklinik Essen, prüften wir, ob sogar der Preis eines Arzneimittels Einfluss auf den Placeboeffekt hat. Wirken vermeintlich teure Medikamente besser als vermeintlich günstigere?


Im Naturwunder-Experiment nahmen zwei Versuchsgruppen identische und völlig wirkungslose Tabletten, die angeblich konzentrationssteigerndes Ginkgo enthielten. Beide Gruppen machten vor und nach der Einnahme der Tabletten einen schriftlichen Konzentrationstest. Der einzige Unterschied: eine Gruppe war der Meinung, es handele sich um ein besonders hochwertiges, teures Produkt. Die andere Gruppe bekam billige Massenware.

Und tatsächlich: Die Gruppe mit den kostspieligeren Tabletten erzielte eine durchschnittliche Leistungssteigerung von 64 % - und schnitt damit deutlich besser ab als die Versuchsgruppe, die die günstigeren Tabletten erhalten hatte und sich um nur 48 % steigerte. Allein der Glaube, ein qualitativ hochwertiges Präparat verabreicht zu bekommen, genügte. Die Erwartungshaltung bestimmte die Wirkung.

Das kann weitreichende Folgen haben: Wer von seinem Arzt mit den Worten abgespeist wird, „Die Krankenkasse bezahlt die teuren nicht“, glaubt schnell, dass günstige Generika schlechter wirken – obwohl sie inhaltlich identisch sind. Die Betreuung durch den Arzt ist ohnehin von entscheidender Bedeutung: spürt der Patient seine Zuwendung, benötigt er weniger Schmerzmittel und fühlt sich schneller wieder besser.

Andere Studien haben herausgefunden, dass auch die Farbe und die Größe eines Medikaments entscheidenden Einfluss auf die Wirkung haben. Rote Tabletten regen an, und große wirken besser als kleine. Auch die Darreichungsform eines Medikaments spielt eine Rolle – Spritzen wirken besser als Tabletten.

All das ist keine Einbildung, sondern kann körperlich nachgewiesen werden. Aufnahmen zeigen, dass Placebos schmerzhemmende Zentren im Gehirn aktivieren – ganz so wie tatsächliche Schmerzmittel.

Placebos können allerdings nie die Ursache einer Krankheit bekämpfen. Sie lindern die Symptome, aber heilen können sie nicht. Auch ist die Wirkung sehr subjektiv: nicht bei jedem ist der Placebo-Effekt gleich stark ausgeprägt. Und sobald man weiß, dass es sich um ein Placebo handelt, funktioniert es nicht mehr.

Letzte Änderung am: 22.06.2010, 13.57 Uhr

Mann schaut auf Testbild Sendetermine

10. Juni 2012
20:15 Uhr, MDR
Wiederholung vom 1. September 2011

4. Juli 2012
20:15 Uhr, RBB
Wiederholung vom 11. August 2011

11. Juli 2012
20:15 Uhr, RBB
Wiederholung vom 1. September 2011

19. Juli 2012
20:15 Uhr, im Ersten

16. August 2012
20:15 Uhr, im Ersten

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