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SENDETERMIN Fr, 10.4.2009 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Thema 5 Die Stimme - Ausdruck der Persönlichkeit

Die Stimme ist viel mehr als nur ein Mittel zur Kommunikation. Wir können schreien, flüstern, säuseln, brummen und lachen - unseren Emotionen Ausdruck verleihen. Außerdem macht uns die eigene Stimme unverwechselbar, denn sie ist einzigartig wie ein Fingerabdruck.

Es gibt auch Tiere, die sich allein an der Stimme erkennen. Kaiserpinguine, zum Beispiel, gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Wie soll da der Pinguinmann seine Frau wiederfinden, wenn sie von der Jagd heimkommt? Ganz einfach - er erkennt seine bessere Hälfte an ihrer Stimme. Auch bei Delfinen gibt es mit der visuellen Erkennung Probleme, vor allem wenn sie in trübem Wasser unterwegs sind. Delfinkälber finden ihre Mutter in der Menge wieder, weil sie ihren Ruf erkennen und ihm folgen.

Ein großer Teil unserer Persönlichkeit definiert sich über die Stimme. Das verdeutlicht auch der lateinische Ursprung des Wortes: "per sonare" = "durchklingen". Verliert ein Mensch die Stimme, verliert er auch einen Teil dessen, was ihn ausmacht. Auch für seine Umwelt ist er ein anderer. Bis zu 5000 Menschen droht jedes Jahr der Stimmverlust. Dieser kann durch Krankheiten oder Operation entstehen. Die häufigsten Ursachen sind Kehlkopfkrebs und ALS, eine Nervenerkrankung, die in ihrem Verlauf alle Muskeln inklusive Sprechmuskulatur lähmt.

Im Studio wurde ein neues Computerprogramm vorgestellt, durch welches Menschen mit ihrer eigenen Stimme sprechen können, obwohl Sie sie eigentlich bereits verloren haben. Ganz wichtig ist dabei, dass die Stimme konserviert werden muss, wenn sie noch gesund ist! Wer seine Stimme verliert, war bisher auf blecherne, unpersönliche Computerstimmen angewiesen, die mit der Persönlichkeit nichts mehr zu tun haben. Die wird sich jetzt ändern.

Zu Gast war der Münchner Manfred Dorn, der seine Stimme aufgrund von ALS verloren hat. Kurz nach seiner Diagnose erführ er über das Internet von dem neuartigen Sprachcomputer. Er ging ins Tonstudio und las sieben Seiten Text ein, die ca. 3000 Silben entsprechen. Diese Tonaufnahme reicht aus, um später mit dem Computer 94% der deutschen Alltagssprache zu sprechen! Die Tonaufnahme wird in die kleinste musikalische Einheit der Sprache zerlegt - in Silben. So bleibt die natürliche Sprachmelodie so gut es geht erhalten. Das Programm greift dann wie in einem Baukastensystem auf die einzelnen Silben zu und generiert neue Wörter aus ihnen. Die Orthografie spielt dabei keine Rolle, es geht nur um den phonetischen Klang. So kann die Anfangssilbe des Wortes PHA-SE auch für FA-BEL oder VA-TER verwendet werden.

Dr. Eduardo Mendel von der Universität Oldenburg hat das Programm vor 5 Jahren entwickelt, weil einem engen Freund eine Kehlkopfoperation kurz bevorstand. Er machte in Windeseile Sprachaufnahmen und konnte so einen Teil der Stimme retten. Seitdem ist viel Arbeit in die Abstimmung der richtigen Silben geflossen und die technische Entwicklung ist rasch vorangeschritten. Derzeit wird an der englischen Version des Systems gearbeitet. In den Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen ist das Programm bereits aufgenommen worden - denn die eigene Stimme ist durch nichts zu ersetzen!