aus Die Große Show der Naturwunder vom Donnerstag, 3.7.2008 | 20.15 Uhr | Das Erste

Ranga Yogeshwar präsentiert das Testergebnis zur Vertrauensfrage
Warum vertrauen wir uns unbekannten Menschen mehr als anderen?
Ein Großexperiment sollte helfen diese Frage zu klären und stellte mehrfach die Vertrauensfrage.
Wir alle vertrauen und misstrauen bestimmten, auch uns unbekannten Menschen. Warum wir aber genau für diese Person so empfinden, lässt sich schwer in Worte fassen. In Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen wurde im groß angelegten Versuch festgestellt, dass Menschen anderen Menschen Vertrauen schenken, die ihnen selbst ähnlich sehen.
Ob man einem Menschen vertraut, entscheidet sich ganz unbewusst in 30 Sekunden der ersten Begegnung. Wie vielfältig Reize dabei wirken untersuchen Verhaltensforscher bereits seit vielen Jahren. Im Experiment wird untersucht was passiert, wenn wir unsere Mitmenschen bloß mit dem Auge wahrnehmen ohne mit ihnen zu kommunizieren. Was bewirkt der erste visuelle Eindruck?
40 Probandinnen und Probanden wurden zum Fototermin gebeten und von jedem wurde ein neutrales, biometrisches Portrait aufgenommen - Lächeln war nicht gestattet, da ein Lächeln die Ergebnisse verfälschen könnte. Diese Portraits wurden dann in der digitalen Nachbearbeitung mit den Fotos von neutralen, also nicht am Versuch beteiligten Personen gemischt. Das Verfahren nennt sich Warping.
Hier werden die Gesichtszüge und -formen der beiden Fotos zusammengelegt. Daraus entsteht ein Bild, welches das Gesicht der neutralen Person zeigt und dabei 60% der Gesichtszüge der Versuchsperson enthält.
Im zweiten Teil des Experiments wurden den Probanden verschiedene Bilderpaare präsentiert. Sie erhielten jeweils ein Originalbild der unbeteiligten Person und ein bearbeitetes Bild - welches also die Gesichtsmerkmale der Versuchsperson enthielt. Zwischen diesen beiden sollten sich die Versuchspersonen entscheiden und beurteilen, welche der beiden Personen auf den Fotos vertrauenswürdiger sei.
62 % der Versuchspersonen entschieden sich für das bearbeitete Bild! Obwohl keiner der Probanden sich selbst in den Bildern erkannte, vertrauten sie eher einer Person, die ihnen selbst ähnlicher sah.
Dieses Verhalten ist evolutionsbiologisch zu erklären, denn im Laufe der Zeit hat es sich immer bewährt, eher der eigenen Sippe als Fremden zu vertrauen und Verwandte sehen uns meist ähnlich.
Letzte Änderung am: 05.06.2008, 00.00 Uhr