aus Die Große Show der Naturwunder vom Donnerstag, 3.7.2008 | 20.15 Uhr | Das Erste

Algen gibt es in ungemeiner Vielfalt. Ohne den Sauerstoff den sie produzieren, gäbe es kein Leben auf der Erde.
Es gibt sie in allen Formen, Farben, Größen und in allen Gewässern unserer Welt - sogar auf Bäumen im Regenwald. Einige sind winzig klein, andere bilden riesige Unterwasser- wälder. Viele Arten machen wir uns bereits zu Nutze. Aber nicht nur für die Nahrungsmittelindustrie sind Algen interessant.
In Jahrmillionen haben die mikroskopisch kleinen Kieselalgen ein wahres Wettrüsten der Natur durchlaufen, um sich vor gefräßigen Ruderfußkrebsen und anderen Feinden zu schützen. So haben sie extrem leichte und dabei sehr stabile Schalen entwickelt. Meereswissenschaftler haben dieses Bauprinzip nun entschlüsselt und für den Menschen nutzbar gemacht:
Knochenbrüche werden sehr häufig heute noch mit dem schon im Jahr 1851 von einem niederländischen Militärarzt erfundenen Gipsverband behandelt. Allerdings hat diese Art der Behandlung negative Nebeneffekte. Der Gips ist relativ schwer, Kontakt mit Wasser muss vermieden werden, er fängt schnell unangenehm zu riechen an und die darunter liegende Haut beginnt zu jucken.
Im Naturwunder-Experiment musste auch Wetterfrosch Sven Plöger diese leidlichen Erfahrungen machen. Dank der Natur gibt es nun eine wegweisende Entwicklung: einen neuartigen Gips, der leicht und trotzdem stabil ist. Den Unterschied zum herkömmlichen Gipsverband, durfte Sven Plöger gleich selbst ausprobieren. Der Verband wurde der Struktur der Kieselalge nachempfunden und ist dadurch extrem leicht und noch dazu luftdurchlässig. Wie unser Gewichtstest zeigte, bringt er nur noch 62 g auf die Waage - der herkömmliche Gips dagegen wiegt oft mehr als 1kg! Im Gegensatz zu herkömmlichen Heilmethoden lässt der neue Verband Luft an die Haut und bietet die Möglichkeit mit Hilfe der Muskelstimulation beispielsweise den Arm zu trainieren. Noch befindet sich der Ultraleichtgips in der klinischen Testphase. Er soll aber bereits in 2 Jahren helfen, Knochenbrüche zu heilen.
Nicht nur in der Medizin findet die Struktur der Kieselalge Anwendung. Auch Autofelgen wurden nach ihrem Vorbild konstruiert. Wie wir in der letzten Sendung sehen konnten, ist die stabile Felge nicht nur besonders leicht und spart dadurch Treibstoff ein, sondern ist auch noch äußerst formschön.
Algen bieten ein enormes Potential für Anwendungen unterschiedlichster Art. Das reicht von der Automobilindustrie über die Architektur bis hin zu Windparks. Selbst als Energielieferant der Zukunft werden Algen gehandelt.
Letzte Änderung am: 05.06.2008, 00.00 Uhr