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Steigender Stromverbrauch durch das Internet

SENDETERMIN Di, 8.12.2015 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

"Stromfresser" Internet Wie viel Energie braucht das Netz?

Egal ob am Tablet, Smartphone oder Laptop. Wir nutzen das Internet täglich. Mittlerweile sind 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt online. Die Rechenzentren, auf denen die Daten liegen, machen das Internet erst möglich: Auf tausenden von Servern liegen Daten, auf die wir zugreifen, um nach Informationen zu suchen oder soziale Netzwerkplattformen zu nutzen. Um jederzeit auf das Internet zugreifen zu können, sind die Rechenzentren rund um die Uhr online. Der 24-Stunden-Betrieb hat aber auch einen Nachteil: Er verbraucht viel Strom.

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Clemens Rohde

Clemens Rohde, Energieexperte des Fraunhofer-Instituts

Wäre das Internet ein Land, hätte es nach einer Studie von Greenpeace den weltweit sechstgrößten Stromverbrauch. "Der Energiebedarf deutscher Rechenzentren liegt momentan bei zehn bis fünfzehn Terawattstunden - je nachdem welche Bilanzgrenzen man da zieht" sagt der Energieexperte Clemens Rhode des Frauenhofer-Instituts. Um den Energiebedarf der Rechenzentren zu decken, bräuchte es alleine vier mittelgroße Kohlekraftwerke. Weltweit wären 25 Atomkraftwerke notwendig, um genügend Strom für das Internet zu produzieren. Der Verbrauch vieler IT-Unternehmen ist mit dem Strombedarf einer Stadt vergleichbar. Laut "New York Times" verbrauchen zum Beispiel die Datenzentren von Google so viel Strom wie eine 200.000-Einwohnern-Stadt.

Durch mehr Effizienz Strom und Geld sparen

Der hohe Stromverbauch verursacht auch auf Seiten der IT-Unternehmen hohe Kosten. Immer mehr Unternehmen wollen daher ihre Rechenzentren effizienter machen. Denn Strom sparen, bedeutet schließlich auch Geld sparen: "Energieeffizienz hat ja auch einen mittelbaren Einfluss auf die Kosten. Wir haben immer wieder versucht Energieeffiziente Systeme einzusetzen, um die Kosten in den Griff zu bekommen", sagt Jürgen Burkhardt von SAP. Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware betreibt seine beiden größten Rechenzentren in Deutschland. Erst 2014 wurde SAP für seine effizienten und nachhaltigen Rechenzenten ausgezeichnet. Energie kann eingespart werden, indem der Wirkungsgrad der Server verbessert wird. Alleine 40 Prozent des Stromverbrauchs geht zum Beispiel auf die Kühlung zurück. Hier arbeiten die Hersteller daran, neue Server effizienter zu gestalten.

Hintergrund: Wie können Rechenzentren effizienter werden?
Für die Betreiber von Rechenzentren sind die Stromkosten oft der größte Posten der Betriebskosten. Viele IT-Unternehmer wollen daher effizienter werden. Hierfür gibt es laut einer Studie des Borderstep Instituts zahlreiche Möglichkeiten. Gerade die Kühlung der Server könne noch optimiert werden. Erste Erfolge zum Einsparen der Stromkosten gibt es schon jetzt: So müssen heute viele Rechenzentren nicht mehr so stark gekühlt werden, weil die moderne Technik höheren Temperaturen standhält. Weitere Einsparungspotential bestehen laut der Studie in der effizienteren Auslastung der Server. So können Server stromsparender arbeiten, wenn sich ihr Leistung an der IT-Last anpasst: Ist die Auslastung eines Server gering, geht ein Teil in eine Art Stand-by-Betrieb. Sie verbrauchen dann weniger Strom. Darüber hinaus kann laut dem Borderstep Institut auch an Strom gespart werden, indem kleinere Rechenzentren zusammen gelegt werden.

Jürgen Burkhardt

Jürgen Burkhardt, Globaler Leiter der Rechenzentren SAP

Von den Unternehmen gibt es also erste Anstrengungen den Stromverbrauch zu senken. Aber auch in der Politik macht man sich Gedanken über den hohen Energieverbrauch im Netz. 2011 startete das Bundesministerium für Wirtschaft das Forschungsprogramm "IT2Green". Damit möchte das Ministerium nach Wege suchen, den steigenden Stromverbrauch durch technischen Fortschritt auszugleichen: "Wir haben in dem ganzen IT-Bereich in der Regel alle ein bis zwei Jahre eine Verdoppelung der Nutzungsintensität von allen Ressourcen. Wenn wir keinen technologischen Fortschritt hätten, der die Effizienz steigert, würde sich der Energieverbrauch durch die Nutzung von Internetanwendung alle ein bis zwei Jahre verdoppeln", erklärt Clemens Rohde, der auch Teil des Forschungsprogramms ist.

Cloud-Computing als Grund für wachsenden Strombedarf

Cloud - Virtuelle Festplatten im Internet

"Cloud-Computing" als neuer "Stromfresser"

Politik und Wirtschaft sind bemüht den Energiebedarf des Internets zu reduzieren. Dennoch wird der Stromverbrauch in den nächsten Jahren laut Energie-Experten steigen. Ralph Hintemann, Experte für nachhaltige IT, prognostiziert ein hohes Wachstum: "Bei Rechenzentren gehen wir davon aus, dass der Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2020 nochmal um 20 Prozent ansteigen wird". Als Grund nennen Experten den weiteren Anstieg der Internetnutzung. Aber auch gerade ein neuer Trend, das Cloud-Computing, macht vielen Umweltschützern sorgen. Beim Cloud-Computing werden Daten nicht mehr auf dem eigenen Computer oder Smartphone gespeichert. Stattdessen liegen sie auf globalen Servern. Die Bedeutung von Rechenzentren würde noch stärker steigen und damit auch der Stromverbrauch durch das Internet.


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Di, 8.12.2015 | 18:15 Uhr

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