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Solaranlage

SENDETERMIN Di, 26.5.2015 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Energiewende Viel Wind, aber keine Speicher

Mal weht kein Wind, mal scheint keine Sonne. Nicht immer kann Strom aus erneuerbaren Energien produziert werden. Um die Schwankungen auszugleichen, braucht es einen Stromspeicher. Ein Pumpspeicherkraftwerk (PSKW), das Energie kurzfristig umwandelt, ist so ein Speicher. Im Landkreis Trier-Saarburg soll solch ein Kraftwerk entstehen. Doch längst ist nicht mehr sicher, ob es gebaut wird. Es fehlt an finanzieller Unterstützung. Die Vision einer Vollversorgung durch Ökostrom scheint in weite Ferne zu rücken.

Trier nur mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Seit Jahren verfolgt Rudolf Schöller, der technische Leiter der Trierer Stadtwerke, diesen Traum. Schon heute könnten 35.000 Haushalte - ein Drittel der Bevölkerung in Trier - mit Strom aus Solar, Wind- und Wasserkraft versorgt werden.

Pumpspeicherkraftwerk

Hier soll der 70 Hektar große Obersee des Pumpspeicherkraftwerks an der Mosel entstehen.

Rudolf Schöller möchte sogar in Zukunft ein Stromangebot machen, dass die hundertprozentige Versorgung mit Ökostrom in Rheinland-Pfalz garantiert. Damit wäre Rheinland-Pfalz auch von dem in Frankreich liegenden Atomstrommeiler Cattenom unabhängig, denn von dort fließt noch immer viel Atomstrom nach Rheinland-Pfalz.

Für die vollständige Versorgung mit Ökostrom braucht es einen Stromspeicher. Solarengerie kann nur tagsüber gewonnen, Windräder liefern nur Strom, wenn der Wind weht. Es kann nicht auf einem konstanten Niveau Strom erzeugt werden. Um die Schwankungen in der Produktion von Ökostrom auszugleichen, muss der Strom gespeichert werden.

Bisher im Einsatz:
Anbindung an das PSKW Vianden in Luxemburg
Geplant:
PSKW Schweich
Weitere geplante Projekte:
Power-to-Gas-Anlage Mainz-Hechtsheim
Projekt "Vevide", Transferstelle Bingen und Kooperationspartner
Projekt "Industrialisierung und Anwendung stationärer Energiespeichersysteme", StoREgio Ludwigshafen
Projekt "Netze für die Stromversorgung der Zukunft", RWE, Modellregion Bitburg-Prüm
(Quelle: Umweltministerium RLP)

Deshalb planen die Trierer Stadtwerke schon seit Jahren eine Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Energien zwischenzuspeichern. Dazu soll bei Schweich an der Mosel ein Pumpspeicherkraftwerk erbaut werden. "Wir würden dabei den Überschuss an Strom aus der Solarenergie auf den Berg pumpen", sagt Rudolf Schöller. In einem sechs Millionen Kubikmeter Wasser fassenden See wird der Strom zwischengepeichert. Bei Bedarf - wenn zum Beispiel die Sonne untergegangen ist - kann das Wasser wieder abgepumpt und daraus Strom erzeugt werden. Die Ökostromversorgung kann so aufrechtgehalten werden, obwohl gerade nicht die Sonne scheint oder Windstelle herrscht.

Pumpspeicherkraft ist in Gefahr

Leitstelle der Trierer Stadtwerke

Die Trierer Stadtwerke (hier ist die Leistelle abgebildet) war zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Energieexperten, Politiker und selbst die Anwohner stehen hinter dem geplanten Pumpspeicherkraftwerk. Doch trotz der breiten Unterstützung ist unklar, ob das Projekt auch wirklich umgesetzt wird. Noch befindet es sich in der Planungsphase. Der CDU-Landtagsabgeordnete Arnold Schmitt würde sich freuen, wenn das Projekt weiter vorankommen würde. Doch er zweifelt: "Ich sehe im Moment, dass das Projekt stirbt. Die Stadtwerke sagen, entweder wir kriegen finanzielle Unterstützung von Bund und Land oder wir müssen es einstellen". Die Trierer Stadtwerke sehen sich nicht in der Lage das 600 Millionen teure Projekt selbst zu stemmen. Sowohl die Trierer Stadtwerke als auch die rheinland-pfälzische Energieministerin waren auf SWR-Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit.

Europäische Mittel als letzte Hoffnung?

Die Trierer Stadtwerke werden das Projekt nicht ohne finanzielle Unterstützung durchführen. Mit dieser sei aber nicht aus Deutschland zu rechnen, meint Energieexperte Professor Uwe Leprich: "Ich erwarte keine Zahlungen vom Land oder von Bundeseben. Was ich mir erhoffen würde, ist ein grünes Signal von der europäischen Ebene". Der Energieexperte bezeichnet das Pumpspeicherkraftwerk als ein vernünftiges Projekt, in das die Europäische Union investieren sollte. Die finanzielle Förderung aus Brüssel könnte das Projekt retten und die Vision einer Vollversorgung durch Ökostrom fortbestehen. Nicht zuletzt könnten Pumpspeicherkraftwerke helfen, kostengünstigen Ökostrom herzustellen. Das ist jedenfalls ein Ergebnis einer Studie des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft in Aachen. Wenn es heute bei der Stromerzeugung durch erneubare Energien zu einem Überschuss kommt, verpufft dieser. Er kann nicht gespeichert werden. Das könnten Pumpspeicherkraftwerke ändern.

Hintergrund: Wie funktioniert ein Pumpspeicherkraftwerk?

Das Ziel eines Pumpspeicherkraftwerk ist nicht wie bei anderen Kraftwerken die Stromerzeugung. Stadtdessen wird Energie zwischengespeichert, die aus Strom stammt und auch später wieder in diesen umgewandelt wird. Damit das funktioniert, besteht jedes Pumpspeicherkraftwerk aus einem Ober- und Unterbecken.

Aus dem Unterbecken wird Wasser in das höher gelegene Oberbecken gepumpt. Dieser Pumpvorgang erfolgt immer dann, wenn die erneuerbaren Energie mehr Strom erzeugen, als im Moment gebraucht wird. Die Energie für den Pumpvorgang stammt von den erneuerbaren Energien. Wenn sich ein Engpass bei der Versorgung durch Ökostrom abzeichnet, wird das Wasser aus dem Oberbecken wieder abgelassen. Ein Kraftwerk zwischen Ober- und Unterbecken nutzt dabb die Energie des bergab fließenden Wassers. Dadurch werden Turbinen angetrieben, die wiederum durch einen Generator Strom erzeugen.

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