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SENDETERMIN Di, 22.3.2016 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Bedrohte Fischbestände Gewissensbisse an der Fischtheke

Wer nachhaltig und umweltverträglich einkaufen möchte, hat es an der Fischtheke schwer. Ein Drittel der weltweiten Fischbestände sind laut der Welternährungsorganisation (FAO) bereits überfischt, weitere 60 Prozent sind gefährdet. Nur noch wenige Fischarten können bedenkenlos gegessen werden. Welche das sind, zeigen Fischratgeber von Umweltorganisationen.

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Die Weltmeere decken über 70 Prozent der Erdoberfläche ab. In ihnen steckt ein großes Artenreichtum von Lebewesen. Doch es ist gefährdet: Durch die Klimaerwärmung und Müll ist das Ökosystem der Ozeane bedroht, vor allem aber auch durch rücksichtslose Überfischung. Umweltverbände machen schon seit Jahren darauf aufmerksam. Es würden mehr Fische gefangen, als sich vermehren können. "Seit Jahrzehnten gehen die Fischbestände herunter. Wenn wird das jetzt nicht stoppen, wird es weitergehen und dann haben die Fischer in 15 Jahren überhaupt nichts mehr zu fangen", sagt Iris Menn. Die Meeresbiologin arbeitet bei Greenpeace und hofft auf eine Trendwende.

Überfischung bedroht viele Fischarten

Leere Fischernetze

Umweltorganisationen befürchten, dass bald Netze leer bleiben könnten.

Rund 90 Millionen Tonnen Fisch werden pro Jahr auf der Welt gegessen. Der Fischhunger ist ungebrochen. Seit 30 Jahren werden die Fangflotten auf den Weltmeeren immer größer und räubern langsam wichtige Fischbestände nach und nach aus. Was sich nicht rechnet, landet als Abfall wieder im Wasser. Außerdem gefährden viele Fangmethoden die Fischbestände. So bleiben zum Beispiele kleine, noch nicht ausgewachsene Fische in zu engen Netzen hängen. Die noch jungen Fische sind jedoch für den Fortbestand der Fische wichtig, weil viele Arten erst nach mehreren Jahren geschlechtsreif sind. Das betrifft zum Beispiel den Kabeljau. Wird er zu früh gefangen, gibt es weniger geschlechtsreife Fische, die für Nachwuchs sorgen können. Auch der Lebensraum der Fische kann durch die Fischerei leiden. Beim Schollenfang werden zum Beispiel schwere Netz eingesetzt. Sie werden bis zum Meeresgrund heruntergelassen und verwüsten hier den Meeresboden.

Zuchtanlagen gefährden auch den Wildbestand

Fische in einer Aquakultur

Auch gezüchtete Fische belasten die Ozeane.

Durch die Überfischung in den Weltmeeren sind viele Fischbestände gefährdet, das Ökosystem geschwächt. Doch auch Fisch aus Zuchtanlagen sind keine echte Alternative. Die Haltung in großen Aquakulturen ist dabei das kleinere Übel. Denn auch Aquakulturen gefährden die Fischbestände in freier Wildbahn, weil die Fische in den Zuchtanlagen mit Fischmehl gefüttert werden. Um ein Kilogramm Lachs in Aquakulturen bis zur Schlachtreife heranzuzüchten, müssen vier Kilogramm an wildgefangenen Fisch verfüttert werden.

Fischratgeber sollen den Verbraucher unterstützen

Einkaufsratgeber "Fisch" von Greenpeace 2016

In einem Einkaufratgeber von Greenpeace steht, auf welchen Fisch man lieber verzichten sollte.

Damit die Überfischung in Weltmeeren ein Ende findet, muss insgesamt die weltweite Nachfrage an Fisch sinken. Doch wer nicht auf Fisch verzichten möchte, kann beim Einkauf an der Fischtheke oder am Kühlregal auf Nachhaltigkeit achten. Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und WWF möchten die Verbraucher jeweils mit einem Fischratgeber unterstützen. Hier empfehlen sie Speisefische, die man trotz der weltweiten Überfischung noch bedenkenlos essen kann. Greenpeace hat für den aktuellen Ratgeber 115 Fischarten und 550 Bestände bewertet. Mehr als die Hälfte der untersuchten Fischbestände bezeichnet Greenpeace als gefährdet. Grundlage für die Bewertung sind verschiedene Faktoren, wie die Fang- oder Zuchtmethode, die Futterherkunft sowie die Arbeitsbedingungen für Fischer und Züchter.

Welchen Fisch kann man noch bedenkenlos essen?

Grün - Empfehlenswert

KarpfenEmpfehlenswert ohne Ausnahme
HeringEmpfehlenswert, außer die Bestände stammen aus Nordostatlantik oder Nordwestatlantik
WelsEmpfehlenswert, außer die Bestände stammen aus Brasilien, Deutschland, Niger, Niederlande, Thailand, Ungarn oder Vietnam

Gelb - Nur zu empfehlen, wenn ...

ForelleNur zu empfehlen, wenn es sich um Bach- oder Regenbogenforellen aus Mittel- oder Westeuropa handelt
KabeljauNur zu empfehlen, wenn die Bestände aus dem Nordostatlantik oder Nordostpazifik stammen
LachsNur zu empfehlen, wenn der Lachs aus dem Nordwestpazifik (Pazifischer Lachs) stammt
SeehechtNur zu empfehlen, wenn die Bestände aus dem Südostatlantik stammen ("Kap-Seehecht")
ShrimpsNur zu empfehlen, wenn die Bestände aus dem Nordost- oder Nordwestatlantik stammen (Kaisergranat und Eismeergarnele)
ThunfischNur zu empfehlen, wenn es sich um den Gelbflossenthunfisch oder dem Skipjack aus dem Nordpazifik handelt
ZanderNur zu empfehlen, wenn er aus europäischen Seen und Flüssen stammt

Rot - Nicht empfehlenswert

AalVom Aussterben bedroht, Aquakulturen nicht empfehlenswert
Alaska-Seelachs Bestände sind überfischt, wird in Fischstäbchen verarbeitet
MakreleBestände sind überfischt
PangasiusZucht der Fische in Aquakulturen nicht empfehlenswert, einzige Ausnahme: Anlagen in Vietnam
RotbarschBestände sind überfischt
SeeteufelBestände sind überfischt

Fischratgeber von Greenpeace und WWF
Die Tabelle orientiert sich an den Ergebnissen des aktuellen Fischratgebers 2016 von Greenpeace. Auch WWF hat einen Einkaufratgeber herausgebracht - zuletzt im Jahr 2014. Der zwei Jahre alte Ratgeber stuft noch 30 Fischarten als bedenkenlos und empfehlenswert ein.

Karpfen (Symbolbild)

Der Karpfen ist laut Greenpeace der einzige Speisefisch, der ohne Bedenken gegessen werden kann.

Der aktuelle Fischratgeber von Greenpeace empfiehlt mit dem Karpfen nur eine einzige Fischarten, die bedenkenlos gegessen werden kann. Er wird in großen Aquakulturen gezüchtet und kommt ohne tierische Nahrungsquellen wie zum Beispiel Fischmehl aus. Neben dem Karpfen kann auch der Hering oder Wels fast ohne Bedenken verzehrt werden - mit ganz wenigen Ausnahmen. Bei allen anderen Fischarten lohnt es sich genauer hinzuschauen. Oft kommt es hier auf die Herkunft an. Eine Bachforelle sollte man zum Beispiel nur kaufen, wenn sie aus Mittel- oder Westeuropa stammt. Eindeutig sieht es dagegen beim Aal, Rotbarsch oder auch beim Alaska-Seelachs aus. Deren Bestände sind überfischt und kritisch. Wer nachhaltig einkaufen möchte, sollte auf sie verzichten.

Verbrauchersiegel bieten Orientierung, aber keine Gewissheit

MSC

Das MSC-Siegel steht für nachhaltigen Wildfang.

Um den Verbraucher beim Einkauf zu helfen, sind in den letzten Jahrzehnten mehrere Zertifikate entstanden. WWF empfiehlt grundsätzlich Fisch mit einem MSC- oder ASC-Siegel. MSC steht für nachhaltigen Wildfang, ASC für nachhaltige Aquakultur. Auch Bio-Zuchtfisch ist laut der Organisation in Ordnung. Doch wie bei fast allen Siegeln in der Lebensmittelindustrie ist das Misstrauen groß. Die Kriterien der Siegel und die Kontrolle der Einhaltung wird kritisiert. Greenpeace geht derzeit davon aus, dass die Siegel zwar eine Orientierungshilfe bieten, aber man dennoch keinem Zertifikat uneingeschränkt vertrauen kann.

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