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Ruinierte Meisterwerke? Ein Restaurierungsexperte schlägt Alarm

aus der Sendung vom Donnerstag, 9.2. | 23.15 Uhr | SWR Fernsehen

Die Restaurierung steht am Scheideweg. Vor dreißig Jahren wurde in Stuttgart die akademische Ausbildung zum Restaurator eingeführt. Heute vermittelt man das Können in kurzen Bachelor- und Masterstudiengängen. Ein Stuttgarter Professor befürchtet irreparable Schäden an Meisterwerken.

Volker Schaible vor der Stuppacher Madonna

Volker Schaible vor der Stuppacher Madonna

Volker Schaible setzt sich mit großer Leidenschaft für den Erhalt der wertvollen Schätze des Landes ein. Um die Qualität der Restaurierungen steht es heute schlecht und in Zukunft wohl noch viel schlechter, so der Professor für Gemälderestaurierung an der Stuttgarter Kunstakademie. Er macht dafür die Politik verantwortlich. Seit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen gibt es etliche sogenannte Restauratoren, die ihr Handwerk nicht professionell beherrschen. Drei Jahre Ausbildung direkt nach dem Abitur, das kann nicht gut gehen, so Schaible. Sie würden sich ja auch nicht einen Blinddarm operieren lassen von jemandem, der noch nie geschnitten hat…

Viele Gemälde schlichtweg "kaputt" restauriert.

Seit zwei, drei Jahren häufen sich Fälle, bei denen unqualifizierte Leute an kostbare Objekte kommen und völlig überfordert sind. (Volker Schaible)

Viele Gemälde würden schlichtweg „kaputt“ restauriert, so Schaible. Vor kurzem hatte er ein Gemälde von Christian Gottlieb Schick zur Ent-Restaurierung an der Akademie. Das Bild war total ruiniert, es war einfach mit Leim auf eine Spanplatte geklebt…

Wir haben Volker Schaible in den Restaurierungswerkstätten an der Stuttgarter Akademie besucht und waren mit ihm beim Landesdenkmalamt in Esslingen, wo derzeit an der Stuppacher Madonna gearbeitet wird. Sie kam vor kurzem von einer großen Sonderschau aus Dresden zurück. Im Vorfeld gab es heftige Warnungen von Kunstkritikern und Konservatoren vor den Folgen des Reisens solch fragiler Werke. Das ist keine Seltenheit. So spaltet gerade ein über 500 Jahre altes Selbstbildnis von Albrecht Dürer die Experten. Die Alte Pinakothek in München will das Bild wegen möglicher Schäden durch veränderte klimatische Bedingungen nicht für eine Sonderausstellung in Nürnberg zur Verfügung stellen.

Letzte Änderung am: 03.02.2012, 18.08 Uhr