Sendung vom Freitag, 5.8.2011 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Wer es beim Abspecken nicht schafft, innerlich aufzuräumen, den Schalter im Kopf umzulegen und wirklich das Bewusstsein zu verändern, dem gelingt höchstens kurzfristig ein Erfolgserlebnis: Ruckzuck sind die alten Pfunde wieder drauf, wenn nicht noch mehr als zuvor.
Doch wer kommt schon beim Abnehmen auf die Idee, über Gefühle zu reden! Stattdessen zählen wir weiter Kalorien und Punkte, kasteien uns auf dem Laufband oder essen wochenlang Kohlsuppe - und wundern uns, warum wir trotzdem scheitern.
Haben sogenannte „Emotional Eater“ überhaupt eine Chance, ihr gewonnenes Hüftgold wieder loszuwerden? Crash-Diät oder Verhaltenstherapie – was bringt denn nun den langfristigen Erfolg?
Für den Ernährungspsychologen Dr. Thomas Ellrott gehören Essverhalten und Emotionen eindeutig zusammen – ob es ums Zunehmen oder Abnehmen geht. „Aus diesem Grund befassen sich auch immer mehr Abnehmkonzepte mit der Regulierung des Gefühlshaushaltes anstelle von stupiden Kalorienzählen“, so der 44-jährige Experte, „Denn wer sich über die Ursache seines Übergewichts bewusst ist, für den ist Abnehmen ein Leichtes!“
Wie man Ziele erreicht und Probleme anpackt, weiß Deutschlands bekannteste Managementtrainerin Sabine Asgodom eigentlich zu gut. Nur in Sachen Gewicht scheitert die Bestsellerautorin regelmäßig am Jojo-Effekt. „Ich habe fast alle Diäten ausprobiert, jetzt ist mit dieser Selbstkasteiung Schluss“, so die kräftige Münchnerin. Lieber will sie das Leben in vollen Zügen genießen: „Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot!“
„Mal ein Ananas-Tag, dazu täglich viel Bewegung!“ So einfach wie plausibel klingt das Schlankheitsrezept von Schauspielerin Alexandra Kamp, die in ihrem Leben noch nie ernsthafte Gewichtsprobleme hatte. Als ehemaliges Top-Model jedoch weiß sie, dass Abnehmen in erster Linie Kopfsache sei. „Ich mag gerne Deftiges. Dann aber muss ich mich eben etwas mehr bewegen“, sagt Kamp.
Sabine Melerski hatte sich schon damit abgefunden, ihr ganzes Leben jenseits der 200kg-Grenze zu verbringen. Über Jahre geriet ihr Essverhalten immer mehr außer Kontrolle, keine Diät schlug an, entsprechend groß war ihre Verzweiflung. Ein Magenband sollte der letzte Versuch sein, etwas an ihrer Körperfülle zu ändern – und plötzlich purzelten die Kilos. „Mein Bauch hatte meinen Kopf früher vollkommen unter Kontrolle. Heute ist es umgekehrt.“
Disziplin, Kalorienzählen, Sportprogramm – alles unnötig, behauptet Hypnotiseur Nils Reineking, denn: „Ich biete ein psychisches Magenband an!“ Der smarte Mentaltrainer kuriert Übergewichtige mit einer einzigen Sitzung. Der echte Wille, endlich schlank zu sein, gebe den Anstoß. Den Rest erledige er mit positiven Suggestionen und Hypnose. „Danach sind vernünftige Ernährung und Bewegung ein Kinderspiel und die Pfunde purzeln.“
Benedikt Sturm bezahlte den Versuch abzunehmen fast mit seinem Leben. Was zunächst mit nur ein paar Kilo begann, endete in einer schweren Magersucht und Bulimie. Am Ende brach der Student zusammen und wurde mit nur 50 Kilo Körpergewicht in die Klinik eingeliefert. Heute hat er gelernt, seine eigenen Bedürfnisse auszusprechen und sich nicht über Leistung zu definieren: „Das Abnehmen war bei mir ein Spiegel dafür, dass im Leben etwas schief läuft.“
Anne Hepe nahm stolze 150 Kilo ab – ganz ohne Diät. Die stark übergewichtige 32-Jährige veränderte ihren Umgang mit Essen von Grund auf und damit auch sich selbst. „Früher hatte das Essen als Kompensation eine große Bedeutung in meinem Leben“, sagt sie. Nun stellt sie sich ihren Wünschen und Problemen. „Das Essen spielt nur noch eine Nebenrolle. In erster Linie lebe ich.“
Anne Hepe
Wieland Backes mit Anne Hepe
Wieland Backes mit Anne HepeLetzte Änderung am: 25.02.2011, 23.30 Uhr