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SENDETERMIN Fr, 30.10.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 30. Oktober 2015 Wenn Medizin uns krank macht

Wer krank ist, geht davon aus, dass er bei seinem Arzt in besten Händen ist. Doch nicht jede Behandlung ist im Sinne des Patienten. Denn Mediziner sind nicht nur Heiler, sondern auch ein Rad in einem Gesundheitssystem, hinter dem ein Milliardenetat steht. Im Vordergrund steht nicht immer das Patienteninteresse, häufig aber die Rendite. Und so sorgt die Medizinindustrie zwar für viel Fortschritt und mehr Lebensqualität, aber auch dafür, dass zahlreiche überflüssige Untersuchungen und unnötige Operationen gemacht werden. Gesunde werden so zu neuen Kunden.

Aber jeder Arzt ist verpflichtet, ohne Einfluss ökonomischer Interessen zu behandeln. Und sollte deshalb auch Heilmethoden anwenden, die eine wissenschaftlich bewiesene Wirkung haben. Die Anhänger von Globuli sind überzeugt, dass der Königsweg zur Gesundung die Homöopathie ist. Inwiefern seriöse wissenschaftliche Studien dies untermauern oder doch eher der Placebo-Effekt großen Anteil daran hat, an dieser Frage entzünden sich medizinische Glaubenskriege.

Auch Vorsorgeuntersuchungen, die auf den ersten Blick dem Patienten ausschließlich nützen, haben ihre Tücken, können fehlinterpretiert werden und machen so oft Gesunde voreilig zu Kranken.

Auf wen kann ich mich verlassen, damit ich als Patient vom Arztbesuch profitiere und nicht nur sein Kontostand? Wie erkenne ich, dass ich eventuell Opfer von unnötigen Behandlungen werde? Welche Heilmethoden sind gefährlich?

Die Gäste:

Portrait von Uwe Fellensiek

Uwe Fellensiek

2009 wurde Schauspieler Uwe Fellensiek an der Bandscheibe operiert. Keine große Sache, beruhigten ihn seine Ärzte. Doch nach dem Eingriff hatte der Serienstar aus „Notruf Hafenkante“ wochenlang höllische Schmerzen. Nach einer weiteren OP saß er im Rollstuhl und erhielt die niederschmetternde Diagnose: Krankenhauskeim. Es folgte ein Leidensweg, der ihn auch die Serienhauptrolle kostete: „Ich dachte immer, ich bin unverwundbar. Aber diese Erfahrung brachte mich an meine Grenzen.“


Portrait von Barbara Rütting

Barbara Rütting

Ums Krankenhaus macht Barbara Rütting schon ihr ganzes Leben einen großen Bogen. Auch von Vorsorgeuntersuchungen hält die Bestsellerautorin wenig. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters und einer vererbten Rheumaerkrankung geht es der Gesundheitsberaterin besser denn je: „Es wird viel zu schnell mit der chemischen Keule zugeschlagen. Dabei ist gesunde Ernährung entscheidend. Dieser ganzen Apparatemedizin vertraue ich überhaupt nicht.“


Portrait von Johannes Bruns

Johannes Bruns

Dr. Johannes Bruns glaubt an den hohen Leistungsstandard und an die Qualität der modernen Medizin. Die aktuelle Kritik, in Deutschland werde aus reiner Profitgier zu viel und unnötig operiert, weist der Chirurg zurück und macht sich für ein besseres Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stark. Der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft ist überzeugt: „Krebs-Früherkennung kann in vielen Fällen Leben retten. Wir haben viele vernünftige Maßnahmen, die man auch nutzen sollte.“


Portrait von Edith Schuligoi

Edith Schuligoi

Edith Schuligoi nahm regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen bei ihrem Gynäkologen wahr. Zysten am Eierstock stellte der Arzt fest und riet ihr dringend zur Operation. Und so unterzog sich die Österreicherin einer Eierstockentfernung, die aufgrund des abrupten Hormonverlusts fatale Folgen hatte. „Nach diesem Eingriff konnte ich kaum noch arbeiten, meine Familie und Ehe litt extrem. Wie sich später zeigte, war die OP völlig unnötig, da mein Krebsrisiko bei unter einem Prozent lag“, so die Lehrerin.


Portrait von Frank Wittig

Frank Wittig

In solchen Maßnahmen sieht SWR-Filmemacher Frank Wittig reine Profitgier. Der preisgekrönte Medizinjournalist legt mit seinen Recherchen den Finger in die Wunde, kritisiert Ärzte und Pharmaindustrie: „Der Nutzen ist bei fast allen Früherkennungsmaßnahmen sehr klein, dafür wird aber viel Schaden angerichtet. Beschwerdefreie Menschen werden zu Kranken gemacht und nehmen sinnlos Medikamente, etwa weil ihre Blutwerte von Normen abweichen.“


Portrait von Dr. Natalie Grams

Dr. Natalie Grams

Jahrelang war Dr. Natalie Grams felsenfest überzeugt, dass Homöopathie der Schlüssel zur sanften Krankheitsbekämpfung ist. In Heidelberg führte sie eine Praxis für Alternativmedizin und war lange uneingeschränkte Naturheilkundlerin. Doch umso intensiver sie sich mit Studien über die Wirksamkeit von Homöopathie beschäftigte, desto mehr kamen ihr Zweifel. Vor gut einem Jahr zog sie die Reißleine und schloss ihre Praxis: „Ich konnte doch meine Patienten nicht länger betrügen“.


Portrait von Hartfried Pietz

Hartfried Pietz

Täglich Psychopharmaka, damit die Pfleger problemlos arbeiten können. So erging es dem Vater von Hartfried Pietz. Als der 84-Jährige ins Altenheim kam, musste der Sohn feststellen: „Er war wie ausgewechselt, nur noch im Dämmerzustand, nahm extrem viel ab.“ Erst nach seinem Tod brachte ein Blick in die Heimakte Licht ins Dunkel. Darin stand, welchen Medikamentencocktail mit heftigen Wechsel- und Nebenwirkungen sein Vater verabreicht bekam.

Sendung vom

Fr, 30.10.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Sendezeit

Freitag, 22.00 Uhr

im SWR Fernsehen

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