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SENDETERMIN Fr, 1.7.2016 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 1. Juli 2016 Fleischesser - die schlechteren Menschen? (Wh.)

Zart und saftig liegt es zum Angrillen auf dem Rost: Das Lämmchen, das vor kurzem  noch auf vier Beinen stand, brutzelt nun – gesalzen, gepfeffert und fein mariniert – über dem Feuer und ist das kulinarische Highlight der Grillparty.

Für die einen an gutem Geschmack, für die anderen an grenzenloser Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten.

Beim Thema Essen prallen Welten aufeinander: Was früher selbstverständlich war, um einfach nur satt zu werden, wird zum Politikum: Fleisch! Und so trennt sich bei der Frage nach der Wurst heute die Spreu vom Weizen.

Fakt ist: Die Zahl der Vegetarier und Veganer steigt Jahr um Jahr. Immer mehr essen bewusster und definieren sich gleichzeitig über das, was bei ihnen auf den Teller kommt. Sie sind überzeugt: Was ich esse, das bin ich.

Aber auch diejenigen, die einem Stück Fleisch Kultstatus verleihen, sind im Aufwind: Kernige Männer in Kochschürzen zelebrieren auf der Terrasse ihren Holzkohlegrill, der sich preislich fast schon einem Gebrauchtwagen nähert und legen mit einer Hingabe Fleisch auf wie früher der DJ seine Platten. Edel-Steakhäuser, die Fleisch mit feinster Fettmarmorierung zu saftigen Preisen anbieten sind ebenso auf Erfolgskurs wie Hochglanzmagazine, die Schweinehälften aufwändig ausgeleuchtet in Szene setzen und den Genuss von Fleisch gerne mal mit einem sexuellen Höhepunkt vergleichen. Derart Tierisches ist für eingefleischte Vegetarier garantiert kein Gipfel des Vergnügens.

Ist es überhaupt noch zeitgemäß, Fleisch zu essen? Welche Konsequenzen hat eine fleischlose Ernährung für die Gesundheit? Kann das richtige Essen die Welt verändern?

Wiederholung vom 3. Juli 2015

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Die Gäste

Portrait von Waldemar Hartmann

Waldemar Hartmann

Waldemar Hartmann ist von einem deftigen Schweinerollbraten oder einer Weißwurst genauso entzückt wie von einem erstklassigen Bundesligaspiel. Für den langjährigen Sportreporter muss ein gutes Stück Fleisch kein Biosiegel tragen, er kauft gerne an der Metzgertheke im Supermarkt ein. Immer häufiger aber hat der Bayer das Gefühl, dass sich Vegetarier für Gutmenschen halten: „Ja wo sammer denn! Wer sich ernähren möchte wie die Karnickel, der kann das gerne, soll aber nicht auf die Idee kommen, mich zu missionieren.“


Portrait von Chris Moser

Chris Moser

„Ich bin Idealist und möchte den Konsum und die Welt verändern.“ Dass Tiere für den Verzehr sterben müssen, bringt den Veganer Chris Moser so richtig auf die Barrikaden. Mit schrillen Aktionen geht der Österreicher als Radikalkünstler auf die Straße, deckt Missstände auf und will damit die Gesellschaft aufrütteln. Auch das Gefängnis scheut er nicht, wenn es um das Recht der Tiere und sein Gerechtigkeitsempfinden geht.


Portrait von Harald Kretschmer

Harald Kretschmer

Was es heißt, ins Visier von Tierrechtlern zu geraten, hat Metzgereibesitzer Harald Kretschmer bitter erfahren. Mehrfach wurde sein Ladengeschäft zur Zielscheibe von Anschlägen. Der Leipziger fand Hetzbotschaften wie „Fleisch ist Mord“ und „Tötet den Fleischer“ sowie zerschlagene Schaufensterscheiben vor: „Ich hatte Angst um meine Familie und mich. Aber was sollte ich machen? Ich musste ja mein Geld verdienen.“ Vor einem Jahr schließlich gab er resigniert seine Metzgerei auf.


Portrait von Prof. Dr. Marin Trenk

Prof. Dr. Marin Trenk

„In den Sechzigerjahren zählten Eisbein und Schweinshaxe noch zu den Lieblingsgerichten der Deutschen, das hat sich aber radikal gewandelt. Was früher noch Kulturgut war, finden junge Leute heute abstoßend.“ Food-Ethnologe Prof. Dr. Marin Trenk ist weltweit unterwegs, um Esskulturen zu erforschen. Dabei kennt er keine kulinarischen Tabus und überwindet auch gerne mal den eigenen inneren Schweinehund, denn Ratten-Curry, Ziegenauge, Kuheuter – alles hat er schon probiert.


Portrait von Wolfgang Otto

Wolfgang Otto

Bestes Fleisch von besten Züchtern – das ist das Konzept von Edelfleischhändler Wolfgang Otto. Seine vorwiegend männliche Kundschaft hat Fleischgenuss in Perfektion als Lifestyle entdeckt und greift gerne zum Steak mit feinstem Schimmel-Flaum. Und schreckt dabei auch nicht davor zurück, für ein Kilo Exklusivfleisch 500 Euro zu bezahlen. „Bei uns kann man mit gutem Gewissen genießen, denn unsere Tiere sind glücklich bis zum Moment, in dem der Tod kommt“, so Otto, der auch die Top-Gastronomie mit Spitzenfleisch beliefert.


Portrait von Marion Kracht

Marion Kracht

„Mir kommt kein Steak auf den Teller. Ich möchte, dass meine Enkelkinder in einer Welt leben können, in der man noch atmen kann“, sagt Marion Kracht. Seit 26 Jahren lebt die Schauspielerin aus ökologischen und ethischen Beweggründen vegetarisch. Auch ihre Familie konnte sie davon überzeugen. Mit dem erhobenen Zeigefinger will sie allerdings nicht durchs Leben gehen. Sie fordert auch ein Handeln seitens der Politik, damit sich durch Gesetzesänderungen langfristig ein gesellschaftliches Umdenken vollzieht.


„Wir werden sowieso schon in jeder Hinsicht reglementiert, bitte nicht auch noch beim Essen!“ Der Trendforscherin Judith Mair geht grassierender missionarische Eifer und überzogene Gängelei gehörig auf den Geist. Ganz klar zieht die Kunstdozentin ein saftiges Fleisch dem Sellerieschnitzel vor und plädiert für mehr Genuss und Ekstase in unserem oft normierten Leben. Der Trend zum fleischlosen Leben ist für sie ein Lifestyle-Hype der ökonomisch Privilegierten unserer Überflussgesellschaft.


Portrait von Sohra Behmanesh

Sohra Behmanesh

Genuss gibt es für Sohra Behmanesh nur dann, wenn kein Tier dafür bluten musste. Da die junge Mutter dies auch nicht ihrem Kind zumuten möchte, wird ihr Sohn seit seiner Geburt vegan ernährt. Statt Würstchen, Pommes und Ketchup steht bei dem Fünfjährigen Rote-Beete-Räuchertofu-Quiche hoch im Kurs: „Vegan zu leben ist auch für ein Kind im Alltag total leicht umzusetzen. Mein Kind nimmt seine vegane Süssigkeitenbox mit in die Kita und zu Mittag bekommt er dort extra ein veganes Menü.“


Portrait von Hannes Roß

Hannes Roß

Steak oder Liebe – dieser Gewissensfrage musste sich eines Tages Hannes Roß stellen. Denn als ihm seine Frau und seine Kinder eröffneten, künftig vegetarisch leben zu wollen, schieden sich am Esstisch die Geister. Biss für Biss fühlte sich der STERN-Journalist von seiner Familie kulinarisch entfremdet: „Ich hatte das Gefühl, alle um mich herum gehören auf einmal einer anderen Weltreligion an – ich fühlte mich wie der Katholik unter Moslems.“ Bis heute aber blieb der Burger-Fan standhaft und ließ sich nicht bekehren.


Sendung vom

Fr, 1.7.2016 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Sendezeit

Freitag, 22.00 Uhr

im SWR Fernsehen

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