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Michael Steinbrecher und  Christina Hecke (v.li.)

SENDETERMIN Fr, 25.3.2016 | 21:50 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 25. März 2016 um 21.50 Uhr Wenn das Leben früh endet

Warum nur so früh? Gerade wenn ein junger Mensch sein Leben verliert, bleiben bei den Angehörigen und Freunden oft nichts als Fassungslosigkeit, Wut und Verbitterung zurück.

Natürlich wissen wir alle nicht, wie viel Zeit uns hier auf unserem Planeten bleibt. Wenn aber kleine Kinder, Teenager oder junge Erwachsene, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, von uns gehen, stellt sich unmittelbar die Frage nach Sinn und Gerechtigkeit. Warum musste mein Sohn mit seinen vier Jahren so lange um sein Leben ringen und hat schlussendlich den Kampf verloren, ich aber darf weiterleben?

Weshalb war die beste Schulfreundin zur falschen Zeit am falschen Ort, fiel einem Mörder in die Hände und musste mit 15 so brutal sterben? Ob der Tod völlig überraschend kommt oder es sich über einen längeren Zeitraum abzeichnet, dass ein junges Leben bald beendet sein wird – wie können wir mit dem Tod eines geliebten Menschen fertig werden, der sehr früh aus diesem Leben gehen musste?

Wie kommt ein sterbenskranker junger Patient damit klar, seine Endlichkeit unmittelbar vor Augen zu haben? Kann ein früher Tod überhaupt einen Sinn haben?

Portrait von Alexander und Angela Pointner (v.li.)

Alexander und Angela Pointner (v.li.)

Vor drei Monaten ist Angela und Alexander Pointner das Schlimmste widerfahren, was Eltern passieren kann: Sie mussten sich von ihrem eigenen Kind verabschieden. 16 Jahre war Nina, als sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben sah. 13 Monaten später starb die Tochter des österreichischen Erfolgs-Skisprungtrainers Alexander Pointner an den Folgen des Suizidversuchs: „Wir haben uns lange gefragt: Wollte Nina wirklich so weit gehen oder wollte sie nur ein Zeichen setzen?“ Angela Pointner bleibt nichts als Fassungslosigkeit: „Nina hat uns keinen Abschiedsbrief hinterlassen.“


Portrait von Christina Hecke

Christina Hecke

Christina Hecke war 25 und ein rebellischer, risikofreudiger Party-Typ, als ihr Leben plötzlich nach einem Verkehrsunfall am seidenen Faden hing. Zehn Tage später erwachte die Schauspielerin wieder aus dem künstlichen Koma. „In meiner Erinnerung habe ich mich mit all meinen Kräften ins Leben zurückgeschrien. Ich rief: Hol mich noch nicht jetzt, ich will leben.“ Seit dieser Grenzerfahrung setzt die gebürtige Stuttgarterin völlig andere Prioritäten in ihrem Leben.


Portrait von Benjamin Woltershäuser

Benjamin Woltershäuser

Benjamin Wollmershäuser war 20, als er von seinen Ärzten hören musste: Darmkrebs im Endstadium. Kurz darauf bekam seine Mutter die gleiche Diagnose: „Je nachdem, welcher Behandlungstermin anstand, habe ich entweder nur an sie oder an mich gedacht.“ Inzwischen ist Benjamins Mutter verstorben. Auch wenn dem 26-Jährigen bewusst ist, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, gibt er nicht auf und schmiedet Hochzeitspläne.


Portrait von Anja Lauckner

Anja Lauckner

Anja Lauckner und ihr Mann Kai, damals beide Ende zwanzig, führten für Außenstehende fast ein Bilderbuchleben und wünschten sich ein zweites Kind. Dann bekam Kai die Diagnose Magenkarzinom mit wenig Hoffnung auf Heilung: „Auch wenn die Prognosen düster waren, hatten wir in seiner Krankheitsphase die beste Zeit unserer Ehe“, so die junge Witwe. Trotz Trauer empfindet sie viel Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, in der sich das Paar extrem nahe kam.


Portrait von Brigitte Trümpy-Birkeland

Brigitte Trümpy-Birkeland

„Warum trifft es meinen über alles geliebten Enkel, der noch am Anfang seines Lebens steht, warum nicht mich?“ Mit dieser Frage musste sich Brigitte Trümpy-Birkeland sehr lange quälen, als der siebenjährige Till an einem Hirntumor erkrankte. Dieses Gefühl von Ungerechtigkeit hätte die Großmutter fast um den Verstand gebracht. Noch heute zehrt die Schweizerin von den Momenten, in denen trotz seiner Erkrankung viel gelacht wurde und bewundert die Kraft, mit der Till sein Schicksal trug.


Portrait von Dr. Georg Pieper

Dr. Georg Pieper

„Wir haben in solchen Situationen nur die Chance, den Tod zu akzeptieren. Nur so können wir inneren Frieden finden“, sagt Dr. Georg Pieper. Durch seine langjährige Erfahrung als Traumatherapeut kennt der Psychologe den Schmerz und die Verzweiflung von Angehörigen, die einen geliebten Menschen verlieren: „Das intensive Verarbeiten und nicht darüber Hinweghuschen macht die Hinterbliebenen langfristig stärker.“

Sendung vom

Fr, 25.3.2016 | 21:50 Uhr

SWR Fernsehen

Sendezeit

Freitag, 22.00 Uhr

im SWR Fernsehen

Thema am 6. Oktober 2016

Die Macht der Erinnerung

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