Sendung vom Freitag, 5.2.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Wenn dann die Tochter selbst zur Mutter wird, ändert sich die Beziehung häufig. Wo früher ein „Ich will nie so werden wie Du, Mutter!“ im Raum stand, ist heute Verständnis für frühere Verhaltensweisen da. Oft ertappt man sich sogar dabei, heute genau das zu tun, was man früher bei Muttern gehasst hat und was einst Auslöser für die größten Konflikte war.
Nicht mal die Aussöhnung am Sterbebett der Mutter ist manchmal möglich. Wie löst man sich aus der durch die Kindheit festgefahrenen Rollenverteilung? Was tun, wenn die Mutter ihre verpassten Chancen als zu hohe Erwartungen an die Tochter weitergibt? Kann man falsche Erziehung im Laufe des Lebens wieder gut machen? Distanz oder Nähe – was ist besser für eine gute Mutter-Tochter-Beziehung?
Die Gäste:
Schauspielerin Katerina Jacob und ihr Mutter Ellen Schwiers könnten unterschiedlicher nicht sein. Da fliegen auch schon mal die Fetzen: „Gestritten wird hier laut, heftig aber kurz. Hinterher wissen wir manchmal gar nicht warum“ erzählt Ellen Schwiers. Bei ihr herrscht das kreative Chaos, während Katerina Jacob es gern ordentlich hat. Trotzdem spielen die beiden auch gemeinsam im Theater. Der Schauspielerclan Schwiers steht nun schon in der vierten Generation auf der Bühne.
Bei ihnen ist Schluss mit gemeinsamer Bühnenarbeit! Als Volkmusik-Quartett „Margitta und ihre Töchter“ tourten sie zwölf Jahre durch die Republik und stürmten die Hitparaden. Doch 2007 kam es zum Bruch, so Carina Weise: “ Die Trennung war wie ein kleiner Befreiungsschlag! Mutter hat uns immer auf der Bühne gesehen, das ist ihr Lebenstraum. Irgendwann stand nicht mehr unser Familienleben, sondern nur noch der Job im Vordergrund“. Heute begegnen die drei Töchter, die jetzt als Schlagertrio „Schwesterherz“ auf der Bühne stehen, ihrer Mutter nur noch selten.
Regina Ziegler
Tanja ZieglerRegina Ziegler und ihre Tochter Tanja hingegen führen gemeinsam eine der erfolgreichsten Filmproduktionsfirmen Deutschlands. Doch die berufliche Annäherung hat eine Weile gedauert, denn zunächst machte Tanja ihrer Mutter sogar mit einer eigenen Firma Konkurrenz. Seit zehn Jahren arbeitet Tanja Ziegler nun im Unternehmen ihrer Mutter, seit drei Jahren ist Tanja mit 60 Prozent sogar Mehrheitsgesellschafterin. „Ich bin jeden Tag happy, dass ich mit meiner Tochter zusammenarbeiten kann“ schwärmt Regina Ziegler.
Für die Therapeutin Claudia Haarmann ist dies ein Beispiel für eine gelungene Mutter-Tochter-Beziehung. In ihrem Buch „Mütter sind auch Menschen“ hat sie sich intensiv mit dieser komplexen Verbindung auseinandergesetzt: „Fast alle Schwierigkeiten zwischen Müttern und Töchtern entstehen durch zu viel oder zu wenig Nähe“. Sie plädiert für eine neue Annäherung zwischen den zwei Generationen.
Die intensive Auseinandersetzung mit ihrer Mutter blieb Shirin Eghtessadi verwehrt. Shirin war neun Jahre alt, als ihre Mutter an Krebs starb. „Ihr Tod war für mich ein Weltuntergang. Ich hatte kein weibliches Vorbild, an dem ich meine Identität entdecken konnte. Niemand kann eine Mutter ersetzen“, sagt sie. Noch heute leidet die Studentin unter dem Verlust: „Ich spüre eine Lücke in meiner Persönlichkeit, die nie ausgefüllt sein wird.“
Angèle Tremsal hatte zwar eine Mutter, durfte sie jedoch nur einmal im Jahr sehen. Sie wuchs in einer Kommune des umstrittenen Aktionskünstlers Otto Muehl auf. Hier waren feste familiäre Strukturen und Geschwisterbeziehungen tabu, dafür gab es ständig wechselnde Bezugspersonen. „Um überhaupt überleben zu können, musste man seine Gefühle abspalten. Wie oft sehnte ich mich danach, von meiner Mutter einfach nur in den Arm genommen zu werden.“ Bis heute fühlt sie sich von ihrer Mutter im Stich gelassen.
Die eigene Tochter so im Stich zu lassen, käme für Heike Güsgen nie in Frage. Sie zog ihre Tochter alleine auf, sie waren beste Freundinnen, haben sich alles erzählt. Bis ein Streit über die Enkelkinder zum Bruch führte. Obwohl Mutter und Tochter sogar Tür an Tür wohnen, verweigert die Tochter seither jeglichen Kontakt. Für Heike Güsgen, die sich nichts sehnlicher wünscht als eine Versöhnung, eine unerträgliche Situation, an der sie zu zerbrechen droht. Denn sie ist sich sicher: „Ich habe doch immer alles für sie getan!“
Letzte Änderung am: 08.01.2010, 23.44 Uhr
Zitat:
„Manche Mutter fürchtet, dass ihre Tochter so werden könnte, wie ihre Schwiegermutter.“
Willy Meurer, deutsch-kanadische Aphoristiker
Redaktion: Barbara Christoffers, Stephan Ebmeyer, Wiebke Sander und Karen Schuller (CvD)

Tanja Ziegler, Regina Ziegler, Shirin Eghtessadi, Claudia Haarmann und Wieland Backes (v.li.)
Letzte Änderung am: 08.01.2010, 23.44 Uhr