Navigation

Volltextsuche
Fernsehen im SWR

Sendung vom 10. Februar Mythos Mutter

Sendung vom Freitag, 10.2. | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Doch hält der Mythos dem Alltag stand in einer Gesellschaft, die sich gewandelt hat? Mutter sein bedeutet auch Wickeln, Stillen, Essen kochen, die Wäsche waschen, den Haushalt machen, immer ansprechbar sein für die kleinen und großen Sorgen der Kinder.

"Reicht das denn als Lebensinhalt?", mögen sich manche Frauen fragen, und wollen auch beruflich erfolgreich sein. Der Preis ist oftmals ein schlechtes Gewissen, weil sie die eigenen Ansprüche nicht erfüllen können: Die Kinder optimal auf das Leben vorzubereiten, in das sie irgendwann entlassen werden. Manchen Müttern fällt allerdings genau das schwer, loszulassen.

Einige Erwachsene sind auch froh, der erstickenden Umarmung der Mutter entkommen zu sein, während viele andere sich fragen: Was wäre, wenn es sie nicht gegeben hätte, wenn ihr Einfluss geringer gewesen wäre, wenn man sie hätte vermissen müssen? Was ist tatsächlich dran am Mythos Mutter? Hält der Anspruch dem Alltag stand? Ist der Mythos überhaupt noch zeitgemäß? Welche Rolle spielt die Mutter für ein Kind?

Die Gäste:

Acht Wochen nach der Geburt ihrer Tochter kehrte Andrea Nahles in den politischen Alltag zurück und ihr Mann übernahm die Kinderbetreuung zu Hause in der Eifel. Dass sie als Mutter weiterhin ihre Karriere verfolgte, wurde nicht von allen goutiert, mancher hätte sie jetzt lieber in der zweiten Reihe gesehen. Dies erstaunte die SPD Generalsekretärin weniger, viel überraschender ist für sie, wie schwer ihr jedes Mal der Abschied vom Töchterchen fällt: „Die Sehnsucht ist immer da, es sind Emotionen im Spiel, die man vorher nicht kalkulieren kann.“


Ein Leben als Mutter von acht Kindern - das hätte sich Sheela Theytaz nicht träumen lassen. Und doch könnte sie heute nicht glücklicher sein. Ehemals jettete sie als Modedesignerin um die Welt, doch mit dem ersten Kind hängte sie ihre Karriere an den Nagel: „Die Freude an den Kindern steigerte sich mit jedem Kind, das neu dazu kam. Man sagt ja so schön: Der Appetit kommt beim Essen!“ Der Weg zurück in den Beruf ist für die Schweizerin unvorstellbar.


Oliver Schell hat seine Mutter Maria wahnsinnig geliebt: „Die Frau von großer Herzenswärme und überbordender Zärtlichkeit, die sie auf der Leinwand verkörpert hat, war sie ja auch im wirklichen Leben“. Und gerade deshalb hat er sie umso schmerzlicher vermisst, wenn sie immer wieder für Monate zu Dreharbeiten verschwand. Enorme Verlustängste wurden so geschürt, die ihn für lange Jugendjahre seelisch aus der Bahn warfen.


Kai-Lukas Latsch-Marko ist gewissermaßen Mutter von zwei Kindern. Zusammen mit seinem Partner lebt er ein klassisches Familienmodell und widmet sich der Erziehung der gemeinsamen Kinder. Deren stabile Entwicklung steht für ihn im Mittelpunkt, dazu braucht es Struktur im Alltag und emotionale Bindung. „Nur so schafft man ein Urvertrauen. Ob den Kindern das die Mutter oder eine andere Bezugsperson gibt, ist eigentlich egal.“


Bis zu seinem siebten Lebensjahr sprach Prof. Hanns-Josef Ortheil kein Wort: Seine Mutter hatte nach dem tragischen Tod ihrer ersten vier Kinder ihre Stimme verloren, und so blieb auch Ortheil stumm. Ausgeschlossen von der Welt der Anderen, lebten Mutter und Sohn in einer symbiotischen Beziehung: „Dadurch dass wir uns nicht nach draußen artikulieren konnten, waren wir in großem Maße aufeinander angewiesen.“


Für die Kulturhistorikerin Prof. Barbara Vinken hinkt die deutsche Familienpolitik 40 Jahre hinterher, zu groß ist der ungebrochene Mythos der deutschen Mütterlichkeit: „Der Mutter allein wird die Verantwortung für die richtige Erziehung der Kinder aufgebürdet, anstatt der institutionellen Erziehung zu vertrauen.“ Junge Frauen zerrieben sich heute an dem Druck, ebenso perfekte Mutter wie erfolgreiche Karrierefrau sein zu müssen.


An der Bar:

Es war ein Schock für Monika Zakrzewska, als sie erfuhr, dass sie ihre Tochter nie wiedersehen würde: Ihr ehemaliger Lebensgefährte hatte das Kind ins Ausland entführt. Nach sieben Monaten des Hoffen und Bangens konnte sie ihre Tochter endlich wieder in die Arme schließen: „Ich bin in dieser Zeit sehr oft an meine Grenzen gestoßen. Aber ich habe um meine Tochter gekämpft wie eine Löwin.”


Weiter mit:Serviceseite

Letzte Änderung am: 03.02.2012, 18.08 Uhr

Sendung vom 10. Februar

Sendezeit Freitags, 22.00 Uhr

im SWR Fernsehen