Einen Partner braucht Yvonne Lehmpfuhl nicht für ihr Lebensglück, die 35-jährige Realschullehrerin lebte schon immer sehr gerne alleine. Doch je lauter ihre biologische Uhr tickte, umso größer wurde ihr Wunsch nach Kindern. Nach reiflicher Überlegung suchte sich die Single-Frau über ein Internetportal einen Samenspender, seit Dezember ist sie nun Mutter von Zwillingen: „Ich kann voller Überzeugung behaupten, partnerlos glücklich zu sein“.
Von solch einem Lebensmodell hält Susanne Mockler wenig. Sie selbst könnte sich nicht vorstellen, ihren acht Kindern von vorneherein den Vater zu entziehen. „Mein Mann ist seit 25 Jahren auch mein persönlicher Glücksfaktor. Er ist mein Kritiker, mein Mentor und Motivator.“ Überhaupt ist sie der Meinung, dass für die meisten ihr Single-Dasein keine Wunsch-, sondern eine Notlösung ist. Zudem beobachtet sie einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einer Wegwerfmentalität, die selbst vor Partnerschaften nicht Halt macht.
Eine feste Beziehung kommt für Marcus Schröer heute nicht mehr in Frage. 15 Jahre lang war der Unternehmer mit seiner Jugendliebe glücklich liiert, der Hochzeitstermin gesetzt. Doch wenige Tage vor der Trauung erfuhr er durch Zufall, dass sie schon seit zwei Jahren eine Affäre hatte. “Nach dieser Enttäuschung genieße ich heute lieber die Vorzüge unverbindlicher Affären.“
Britta Zangen hat sich ganz bewusst dafür entschieden, alleine zu bleiben. Die Literaturwissenschaftlerin hat nach 38 Jahren in Kurz- und Langzeitbeziehungen für sich das Singleleben entdeckt und genießt es in vollen Zügen. „Der Grundfehler ist die Überbewertung der Partnerschaft fürs Lebensglück. Ich habe fast 40 Jahre gebraucht, bis ich gemerkt hab, das das für mich nicht stimmt“, so die 64-Jährige. Einsamkeit kennt sie nicht, dafür ist ihr Freundeskreis zu groß.
Pamela Katharina Körner leidet sehr unter ihrem Alleinsein. Auf tragische Weise verlor sie vor sechs Jahren bei einem schweren Verkehrsunfall ihren damaligen Lebensgefährten, ihren Sohn und ihren Bruder. Kraft zum Überleben gaben ihr ihre Zwillinge. Mittlerweile geht sie trotz des Schicksalsschlags wieder positiv durchs Leben, doch die Sehnsucht nach einer neuen Partnerschaft bleibt bisher ungestillt: „Nach diesem Erlebnis ist es sehr schwer für mich, wieder Gefühle zu zeigen.“
Christian Thiel weiß um die Schwierigkeiten, sich nach dem Tod des geliebten Partners wieder für eine neue Liebe zu öffnen. Seit 13 Jahren arbeitet der Singlecoach mit vielen scheinbar „hoffnungslosen Fälle“. Er kennt die Fallstricke, die ein Glück in Zweisamkeit verhindern können. „Die Liebe fällt nicht einfach so vom Himmel, dafür muss man sich wie auf eine berufliche Karriere vorbereiten“, sagt der Partnerschaftsberater und plädiert für die Möglichkeiten, die das Internet durch die gezielte Rasterfahndung eröffnet.
Karin Haß hatte nach zwei Ehen und einigen Beziehungsversuchen mit dem Kapitel Liebe abgeschlossen. Mit 55 entdeckte sie den Buddhismus, war mit sich und der Welt eins und doch änderte eine Kanutour während eines Abenteuerurlaubs plötzlich nochmal alles: Mitten in der sibirischen Einöde, 9000 km von ihrer Heimat entfernt, traf sie den 20 Jahre jüngeren Bärenjäger Slava und blieb. Ihr jetziges Leben ist karg, doch ihre Liebe wärmt sie auch bei Wintertemperaturen von minus 45 Grad.