Navigation

Volltextsuche
Fernsehen im SWR

Nachtcafé am 4. März Jenseits der Norm (Wh.)

Sendung vom Freitag, 4.3.2011 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Doch nicht immer steckt Absicht hinter einem Leben jenseits der Norm: Von Geburt an gehandicapte Menschen müssen sich mit den Nachteilen ihrer Behinderung zwangsläufig im Alltag zurechtfinden. Das entstellte Opfer eines schweren Unfalls muss mit der eher abschreckenden Wirkung auf seine Mitmenschen umgehen können.

Die Berührungsängste von Durchschnittsbürgern sind aber noch vielschichtiger. Ist es in Sachen Liebe und Partnerschaft von Vor- oder doch eher von Nachteilen geprägt? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit seiner unverwechselbaren Art zu einer Marke zu werden?

Die Gäste


Die blinde Langläuferin Verena Bentele wird seit den Paralympics von Vancouver als Heldin gefeiert. Fünf Siege bei fünf Starts lautet die eindrucksvolle Bilanz der jungen Ausnahmesportlerin – damit holte Bentele fast die Hälfte aller deutschen Goldmedaillen. Vor wenigen Monaten hätte die 28-Jährige das kaum zu hoffen gewagt: „Mein damaliger Begleitläufer hatte mich in die falsche Richtung geschickt. Ich stürzte einen Abhang hinunter und verletzte mich schwer.“


Petra Lubosch musste erst mit ihrem Schicksal leben lernen. Nur knapp überlebte die Mutter zweier Kinder einen Wohnungsbrand, doch mit schweren Folgen: Brandwunden im Gesicht, an den Händen und am Oberkörper entstellten die damalige Hotelmanagerin so sehr, dass sich Lubosch beruflich und privat völlig neu definieren musste: „In der Hotelhalle war kein Platz mehr für mich. Ich sah zu verschreckend aus.“


Schweres Eisen in der Nase, Lippen und Ohren, Tätowierungen bis ins Gesicht, schulterlanges Haar: Sven Marquardt ist auf den ersten Blick anders: „Es war schon immer so, dass ich mich nicht der Gesellschaft anpassen wollte, und ich genieße es, aufzufallen.“ Der 47-jährige gelernte Fotograf arbeitet nebenbei als Türsteher des Berliner Szene-Clubs „Berghain“. Dort muss er mit seinem Respekt einflößenden Äußeren selten jemanden zurechtweisen.


Mit Vorurteilen kennt sich Prof. Jens Förster bestens aus. Denn der Sozialpsychologe lebt ein Doppelleben: Tagsüber ist Förster seriöser Professor an der Universität, nachts steht der ausgebildete Sänger kreischend und halbnackt mit seinem Chansonprogramm auf der Bühne. Mit Schubladendenken ist dem schillernden Professor jedenfalls schwer beizukommen: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert.“


Diana Hartmann merkte schon sehr früh, dass sie anders ist. Mit einem nicht eindeutigen Geschlecht geboren, wuchs sie zwar als Mädchen auf, doch ihr Körper konnte sich nicht entscheiden. Im Alter von 21 Jahren erfuhr Hartmann den wahren Grund für ihre Andersartigkeit: Sie ist intersexuell. Doch die Diagnose brachte noch lange nicht die Befreiung: „40 Jahre meines Lebens habe ich mich versteckt. Jetzt endlich habe ich meinen Platz in der Gesellschaft gefunden.“


Der 11-jährigen Rebecca Zierold wird ihre Intelligenz regelmäßig zum Verhängnis. Die Hochbegabte hat bereits fünf Schulwechsel hinter sich, jedes Mal aufs Neue nahmen Mitschüler ihre Andersartigkeit zum Anlass, das Mädchen zu schikanieren und zu misshandeln. Im Januar 2009 erreichte Rebeccas Verzweiflung den Höhepunkt: „Ich wollte nicht mehr leben. Ich war psychisch ein Wrack.“

Die Bar

Randgruppen sind das Spezialgebiet von Diana Briant: Ob Punks, Dicke, Kleinwüchsige oder schräge Vögel mit schiefen Zähnen – nur Menschen jenseits der Norm schaffen es in die Modelkartei der Agentur Autseider. Ständig auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen, begibt sich die Agenturchefin auch gerne mitten ins Milieu. Die Models Lexy Hell, Ferdinand Handrick und Chris Föhlisch haben es geschafft – sie werden regelmäßig von Kunden gebucht.


Letzte Änderung am: 10.04.2010, 08.28 Uhr