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Fernsehen im SWR

Nachtcafé am 26.02.10 Sinnsucher und Heilsversprecher

Sendung vom Freitag, 26.2.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Jenseits der christlichen Gemeindearbeit ist das Angebot so mannigfaltig wie nie und wird zunehmend unübersichtlich: Esoterik, alte Kulte und moderne Wellnessreligionen haben enormen Zulauf – und entwickeln sich immer mehr zu einem profitablen Geschäftszweig, mit zum Teil dubiosen Auswüchsen.

Charismatische Menschenfänger zum Beispiel, denen mehr am eigenen Geldbeutel gelegen ist als am Seelenheil ihrer Anhänger. Ebenfalls im Trend ist das Baukastenprinzip: Man setze seine persönliche Glaubensrichtung zusammen, und zwar aus verschiedenen, spirituellen Komponenten – eine religiöse Mixtur sozusagen.

Woher kommt die ungebrochene Sehnsucht der Menschen nach spiritueller Anleitung? Wo liegen die Gefahren bei der Sinnsuche? Darf Erleuchtung Geld kosten?

Die Gäste:

Kai Wiesinger sind starre Religionsdogmen fremd. Der konfessionslose Schauspieler begreift sich als Mensch, der sich immer wieder neu auf die Suche nach Antworten begibt. Als Orientierungshilfe dient ihm der Buddhismus. In seinem neuen Film „Bis nichts mehr bleibt“ hingegen spielt Wiesinger einen ergebenen Scientologen. Die Geschichte, die Ende März im Ersten zu sehen sein wird, handelt von einem Mann, der aus der Sekte aussteigt und dabei seine Familie verliert.


Uwe Sananda war Geschäftsmann und Techniker mit Leib und Seele. Als sein Unternehmen insolvent ging, wäre er fast daran zerbrochen. Depressionen und körperliche Leiden führten ihn zu einer Heilerin. Mit Hilfe der „kinesiologischen Armbefragung“ erkannte er, dass die Ursachen für seine Probleme in einem früheren Leben lagen. Über 80 Mal sei er schon wiedergeboren, darunter auch als Seele von Jesus und Buddha. Heute ist Erfolg für Uwe Sananda unwichtig; die Kirche hat er verlassen, denn: „Ich weiß – die Kirche glaubt nur.“


Für Sonja Edel begann die Suche, als ihr Sohn zur Welt kam. Sie wollte ihm einen Glauben mitgeben, doch welchen? Esoterische und kirchliche Angebote weckten zwar ihre mitmenschliche Seite. Doch erst in einer freikirchlichen Gemeinde fand sie wirklich zu Gott, wie sie meint. Dadurch von der Last einer schlimmen Missbrauchserfahrung erleichtert, missioniert sie heute als bibeltreue Christin Menschen im Kongo und in Deutschland.


Für Pater Alfred Tönnis steht eines fest: „Die Katholische Kirche darf nicht warten, dass die Menschen sich ihr anschließen. Sie muss aktiv auf sie zugehen.“ Darum zieht der Rektor eines kleinen Oblatenklosters bei Biberach seit Jahren mit einer rollenden Kirche durchs Land. Regelmäßig veranstaltet er unkonventionelle Gottesdienste mit Rockbands und prominenten Gastpredigern.


Der Philosoph und Buchautor Dr. Michael Schmidt-Salomon plädiert für ein sinnerfülltes Leben jenseits aller Glaubensmodelle. Einen übergeordneten Sinn für die menschliche Existenz gebe es ohnehin nicht. Als Atheist spricht er sich stattdessen für einen rationalen Zugang zum Leben aus: „Die Wirklichkeit hat doch ihre ganz eigene Poesie. Sie schließt nicht die Gefühle aus, die Spiritualität vermeintlich auslöst. Aber sie schließt unsinnige Vorstellungen über die Welt aus.“


Die Schamanin Susan Liengu Uffenbrink stammt aus Kamerun und ist das 78. von 82 Kindern eines afrikanischen Königs. Sie verfügte schon als Kind über hellseherische Fähigkeiten. Visionen und das Gespräch mit Bäumen sind für sie selbstverständlich. Heute lebt Susan Uffenbrink mit ihrem deutschen Mann im Hunsrück und schickt Hilfebedürftigen sogar über große Entfernungen Heilenergie: „Die Menschen suchen alle etwas. Doch dieses Etwas kann man nicht kaufen. Es ist in ihnen.“


Für Günther Zäuner sind die meisten esoterischen Angebote nichts anderes als Abzockerei. Der österreichische Journalist beobachtet seit mehr als 15 Jahren die Sekten und Glaubensmärkte im deutschsprachigen Raum. „Mit dem Glauben kann man das beste Geschäft machen“, sagt der 52-Jährige. „Wenn ich es geschickt anstelle, kann ich den Leuten alles einreden.“ Auch vor den christlichen Kirchen macht Zäuner mit seiner Kritik nicht halt. Diese seien lediglich auf Macht aus.


An der Bar:

Biljana Andrić war eine ehrgeizige Bankerin, nebenbei modelte sie. Dann erlitt sie einen schweren Motorradunfall. Der Verlust eines Beines, Jahre im Krankenhaus und bis heute anhaltende Phantomschmerzen trieben sie in die Arme von esoterischen Heilern. Fast beging sie Suizid, doch im letzten Moment fand sie Halt bei Jesus Christus. Ihm hat Biljana Andrić seither ihr Leben gewidmet. Aus der Kirche aber trat sie aus. Sie sagt: „Nur der Glaube hilft mir, mit den Schmerzen zu leben!“

Letzte Änderung am: 22.01.2010, 23.46 Uhr

Nachtcafé am 26.02.10

Sendezeit Freitags, 22.00 Uhr

im SWR Fernsehen