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Fernsehen im SWR

Nachtcafé am 3. September Faszination Verbrechen (Wh.)

Sendung vom Freitag, 3.9.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

So erwachen Figuren wie der Detektiv Sherlock Holmes oder der Schurke Fantomas zum Leben. Im Fernsehen sind wiederum die Tatort-Kommissare Kult. Wo man nur hinblickt, man bekommt den Eindruck: Das Verbrechen ist immer und überall.

Was macht den Reiz des Verbrechens aus? Wie vertragen sich in dem Zusammenhang Straftat und Moral? Muss man ein gewisses kriminelles Potential in sich tragen, um diese Faszination überhaupt begreifen zu können?

Die Gäste:

Den Schauspieler Dieter Pfaff ärgert, dass im Fernsehen mit Toten fahrlässig umgegangen wird. Deshalb ermittelte er als ‚Kommissar Sperling’ ohne viel Action, Blut und Leichen. Ihm geht es in einem guten Krimi um das zutiefst menschliche Schicksal, das einem Verbrechen zugrunde liegt. „Die Realität ist viel schlimmer als alles Erfundene, das wollen die Menschen gar nicht wissen“.

Genau diese Realität ist für Dagmar Pannoch alltäglich. Als Kriminalhauptkommissarin in der Mordkommission Nürnberg hat sie schon unzählige Leichen gesehen: Sie ermittelt seit über zwanzig Jahren in Sachen Mord und Totschlag. „Etwas Spannenderes und Faszinierenderes als die Aufklärung eines Mordes kann ich mir nicht vorstellen.“

Für Christiane Noack ist das Verbrechen zur schrecklichen Wahrheit geworden. Ein Mann lockte ihre sechsjährige Tochter Alexandra-Sophia auf dem Weg zum Kindergarten in seine Wohnung, vergewaltigte und ermordete sie. Das öffentliche Interesse an dem Fall war riesig: „Jeden Tag standen unzählige Reporter vor der Tür, manche drängten sich regelrecht auf“, klagt die Mutter.

Verbrechen geschehen nicht aus dem Nichts heraus, weiß der Strafverteidiger Ferdinand von Schirach. Sie folgen einer inneren Logik und Zwangsläufigkeit, die theoretisch jeden von uns zum Mörder werden lassen könnte. Eben hierin liegt die große Faszination für Leser und Zuschauer in der erfundenen Form, dem Krimi. „Krimiautoren schaffen eine ganz eigene Wirklichkeit des Verbrechens.“

Die alltägliche Realität ist genau sein Geschäft. Seit vielen Jahren ist Gerrit Schröder als Blaulichtreporter im Einsatz. Er macht vor Ort die Bilder für die Fernsehanstalten, die jeder sieht und über die alle schimpfen. Diese Doppelmoral stört ihn nicht nur bei der Arbeit: „Ich habe am Ort des Geschehens einen Job zu erledigen – im Gegensatz zum Gaffer.“

Ein Berg von Schulden und ein Beitrag in der Sendung „Aktenzeichen XY“ brachten Harald Zirngibl auf die Idee: Er überfiel in sechs Jahren sechzehn Banken und erbeutete dabei Millionen. Das Geld verspielte er in Casinos und lebte im sonnigen Marbella. Als „Besenstielräuber“ machte die Presse den Ganoven sogar regelrecht berühmt. „Ein bisschen stolz darauf bin ich schon, die Polizei so lange an der Nase herum geführt zu haben.“

An der Bar:

Ralf und Monika Kramp haben ihr gemeinsames Eheleben voll und ganz dem Krimi gewidmet. Mitten in der idyllischen Eifel betreiben sie das Kriminalhaus mit Europas umfangreichster Bibliothek zu diesem Genre. Für krimifanatische Laien organisieren sie Wochenenden mit echter Kommissarsarbeit und handfesten Leichen. „Eine ganz normale Abhängigenkarriere“, nennt das Ralf Kramp.

Letzte Änderung am: 02.10.2009, 23.33 Uhr

Nachtcafé am 3. September

Sendezeit Freitags, 22.00 Uhr

im SWR Fernsehen

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