Sendung vom Freitag, 11.6.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Oft wirft die Harmonie in einer Familie nach außen hinter der Fassade einen dunklen Schatten – und die Eltern stehen hilflos da mit den Sorgen, die ihnen der Nachwuchs bereitet. Der elterliche Kummer kann dabei ganz verschiedene Ursachen haben: Genauso beschäftigt ein Kind seine Eltern, wenn es nicht mehr da ist, genauer: wenn es verschwunden ist – oder tot.
Für die Familien bedeutet ein Problemkind jedenfalls immer eine Belastungsprobe, an der sie im schlimmsten Fall sogar zerbrechen. Haben sich die Kinder verändert? Wie wirken sich die Probleme auf das Familiengefüge aus? Und was können Eltern tun, um ihre Sorgen in den Griff zu bekommen?
Das Leben des Schauspielers Horst Janson dreht sich seit drei Jahren um Sorgenkind Laura: Die 23-jährige Tochter ist an Magersucht erkrankt. Der Leidensdruck des jungen Mädchens wurde so groß, dass sie auf lebensbedrohliche 40 Kilogramm abmagerte und die Schule abbrechen musste. Eine darauffolgende Lehre unterbrach sie. Seit einiger Zeit scheint Laura allerdings auf einem guten Weg zu sein, und die Familie betreibt Ursachenforschung: „Wir denken, Laura hat vielleicht ein Problem mit dem Erwachsenwerden.“
Der Kinderarzt und Sozialpädiater Prof. Dr. Harald Bode befasst sich am Universitätsklinikum Ulm mit Entwicklungsstörungen bei Kindern. In seiner Sprechstunde beobachtet er eine wachsende Zahl verunsicherter und besorgter Eltern, die alles richtig machen wollen. Harald Bode rät deshalb dringend zu mehr Gelassenheit und plädiert dafür, überzogene Erwartungen an das Kind zurückzuschrauben: „Eltern dürfen ihr Kind nicht in ein Korsett pressen, denn Kinder brauchen Freiräume. Und nicht jedes Kind, das zappelt, hat eine Verhaltensstörung.“
Miriam Fröschle hat gleich drei verhaltensauffällige Kinder zu Hause. Was das im Familienalltag bedeutet, davon weiß die 44-Jährige ein Lied zu singen: Sohn Samuel konnte mit 10 Monaten laufen, im Alter von zwei Jahren kletterte er an Bücherregalen hoch und war bereits mehrfach vors Auto gelaufen. Um dem hyperaktiven Verhalten ihrer Söhne beizukommen, ließ die leidgeprüfte Mutter nichts unversucht: Doch auch Darmsanierungen, mühsame Diäten und Therapiebesuche blieben erfolglos. „Dass ich meinen Kindern nun Medikamente gebe, ist eine sehr umstrittene Sache. Aber nichts zu tun wäre unterlassene Hilfeleistung!“
Freya von Stülpnagel hatte all diese Probleme nicht. Im Gegenteil, ihr Sohn war ein Senkrechtstarter: unkompliziert, beliebt, gut in der Schule. Niemals wäre die vierfache Mutter auf die Idee gekommen, dass sich ihr 18-jähriger Sohn in einer tiefen Lebenskrise befand, an deren Ende sein Suizid stand. Freya von Stülpnagel hat als Mutter keine Chance bekommen, ihrem Sohn in seiner Not zur Seite zu stehen. „Die Schuldgefühle haben mich regelrecht zermartert. Von Blindheit geschlagen, so fühlte ich mich.“
Tina Sandrou war alles andere als unauffällig: Als rebellisches Kind machte sie ihren Eltern und Lehrern das Leben schwer: Schulverweise, Raubüberfälle und Alkohol gehörten zu ihrem Alltag als 12-Jährige. Als ihre Mutter sich nicht mehr zu helfen wusste, kam Tina in ein Wohnheim für schwererziehbare Kinder. Kurz vor der Mittleren Reife dann der Supergau: Tina wurde mit 16 Jahren schwanger. Entgegen aller Erwartungen wurde aus dem schwererziehbaren Teenager von einst jedoch eine verantwortungsvolle junge Mutter.
Hilflos stand auch die siebenfache Mutter Brigitte Becker ihren Zwillingssöhnen gegenüber: Was als harmloser Cannabiskonsum begann, wurde zur handfesten Heroinsucht der beiden 17-Jährigen. Als die Familie unter dieser extremen Belastung zu zerbrechen drohte, zog Brigitte Becker entgegen aller Muttergefühle die Reißleine und setzte die Jungs vor die Tür. Oft fragte sich die 54-Jährige, was sie in der Erziehung hätte besser machen können: „Wir sind als Eltern ja keine Heiligen. Wenn wir aber Fehler gemacht haben, wir wollten es nicht. Es war nie unsere Absicht.“
Annett Pöpplein lebt in ständiger Angst um ihren Sohn Jens. Mit nur einem halben Herzen geboren, verbrachte der 11-Jährige die Hälfte seines bisherigen Lebens in Krankenhäusern. Eine Herztransplantation vor 6 Jahren brachte die Wende und schenkt der Familie wenigstens ein paar sorgenfreie Jahre: „Ein Spenderherz hat eine Funktionszeit von etwa 15 Jahren. Ich möchte mir noch keine Gedanken darüber machen, was danach kommt, sondern genieße den Moment.“
Letzte Änderung am: 29.09.2009, 13.09 Uhr
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