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Fernsehen im SWR

Nachtcafé am 26. Juni Liebe mit Vergangenheit

Sendung vom Freitag, 26.6.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Hohe Unterhaltszahlungen an die Ex-Familie können das Budget des neuen Glücks extrem belasten. „Du hast mir gar nichts zu sagen“, auch ein beliebter Konflikt-Satz von Kindern einer Patchworkfamilie mit Potential für Grabenkämpfe. Längst getrennt und doch nicht frei, welchen Einfluss haben ehemalige Partner auf die neue Beziehung?

Wer in seiner letzten Beziehung betrogen wurde, schleppt das Gefühl von Verlustangst mit in die neue Partnerschaft und liefert theatralische Eifersuchtsszenen oft mit dramatischem Abgang ab. Nicht selten wird die Verflossene zur Rivalin, der Ex-Partner der neuen großen Liebe zum roten Tuch. Second-Hand-Partner sind wir fast alle, einen Partner ohne Liebes-Vergangenheit zu finden ist beinahe ausgeschlossen.

Wie geht man mit schwerem Gepäck aus alten Beziehungen um? Welche Auswirkungen hat der Schatten des Ex-Partners auf die neue Liebe? Wie viel Einfluss darf der alte Partner auf die Neu-Familie haben?

Die Gäste:

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lernten sich Irma und Heiner Kunstmann kennen, verloren sich dann wieder aus den Augen und führten später mit anderen Partnern ein sehr glückliches Leben. 50 Jahre später trafen sie – mittlerweile beide verwitwet – erneut per Zufall aufeinander, das Liebesfeuer entflammte sofort wieder. „Nachdem Heiner meine Kinder um Erlaubnis für unsere Hochzeit gefragt hatte, fanden sie es ganz toll, dass wir heiraten“, strahlt die 82-Jährige. Beide können heute kaum fassen, dass nach einer glücklichen Ehe noch mal eine so großartige neue Liebe möglich ist.

An die große Liebe glaubt Edith Lucke nicht mehr. Seit die 12fache Mutter erfuhr, dass ihr Mann jahrelang ein Doppelleben mit Männern führte, empfindet sie ihre 20 Ehejahre als einzige Lüge. „Ich habe diesen Mann sehr geliebt, er war ein perfekter Vater, um so schwerer traf mich der Schlag, als ich die Wahrheit erfuhr“. Tief erschüttert und enttäuscht verlor die Innsbruckerin ihren Glauben an die aufrichtige Liebe und die Männer - und bleibt seither aus Überzeugung lieber allein.

Trotz bitterster Erfahrungen mit der Liebe ist er nicht kuriert: Der Fernsehmoderator Michael Saunders war sich sicher, die Frau seines Lebens gefunden zu haben. Sie bekamen drei Kinder, bauten gemeinsam ein Haus. Doch von heute auf morgen ließ sie den Redakteur mit den Kindern und einem Riesenschuldenberg sitzen. „In meiner Not bin ich zum örtlichen Sozialamt gegangen, damit meine Kinder überhaupt etwas zu essen hatten.“ Heute ist der 43-Jährige in zweiter Ehe glücklich verheiratet und stolzer Vater einer großen Patchworkfamilie.

„Frauen leisten sich eine viel längere Trauerphase. Männer wagen viel schneller ihr neues Glück, wiederholen die ihnen bekannten Muster und biegen oft an entscheidenden Weggabelungen erneut falsch ab.“ Professor Wolfgang Hantel-Quitmann macht nach jahrzehntelanger Arbeit als Paar- und Familientherapeut bei der Aufarbeitung von Beziehungen deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. In seinem aktuellen Buch „Die Masken der Paare“ blickt der klinische Psychologe hinter die Fassaden von Beziehungsstrukturen und deren Fallstricke.

Das alte Glück ist auch sein Neues: Nach 16 gemeinsamen Jahren gingen Bernhard Bettermann und seiner Frau getrennte Wege. In der ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ ist er Oberarzt Dr. Stein, in aller Freundschaft wollte sich der Schauspieler auch von seiner Frau trennen. Schon allein der Kinder wegen brach der Kontakt zwischen den beiden nie ab. „In der Trennungszeit hatte ich kurz eine andere Beziehung, doch die Bindung an meine Familie war einfach zu stark“. Vor kurzem hat der Kompass wieder in Richtung Liebe ausgeschlagen und das Ehepaar wagt einen Neuanfang.

Von langer Dauer waren die Beziehungen der Entertainerin Sissi Perlinger nie: Ihre Männer kamen und gingen im Dreijahres-Rhythmus. Sie stürzte in ein tiefes Loch, als sie dann von ihrer bislang größten Liebe verlassen wurde. Erst durch das therapeutische Aufarbeiten ihrer eigenen Vergangenheit gedeiht nun ihre neue Partnerschaft, die die kritische Dreijahresmarke schon überschritten hat. „Früher war ich eine Nussschale auf dem Meer der Ängste, heute kommen die Ängste mal gelegentlich zum Tee vorbei“, sagt die Bühnenkünstlerin und verarbeitet ihre Erkenntnisse auch in ihrer aktuellen Show „Singledämmerung“.

An der Bar:

14 Jahre lang war Kathrin Teske mit ihrem Mann glücklich liiert, als der Elektroingenieur durch einen Stromschlag einen Hirnschaden erlitt und ins Wachkoma fiel. Aus Liebe pflegt sie ihn seit über sechs Jahre zuhause, inzwischen kann er sogar wieder einige Worte sprechen. Mittlerweile ist in das Leben der 38-Jährigen ein neuer Partner getreten. Von Anfang war klar, dass er seine neue Liebe nur im Doppelpack haben kann. Nicht ohne Folgen: „Such Dir eine andere Freundin und genieß’ Dein Leben“, diesen Satz hat ihr Lebensgefährte schon oft zu hören bekommen. Dennoch ist die Hanauerin ihrem neuen Partner dankbar, denn ohne ihn hätte sie die Belastungen bis heute nicht durchgestanden.

Letzte Änderung am: 15.05.2009, 23.37 Uhr

Nachtcafé am 26. Juni

Sendezeit Freitags, 22.00 Uhr

im SWR Fernsehen

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